Walter Trier (1890 - 1951)

8192 Crazy Costumes

For Children from 5 and under to 75 and over

London: Atrium Press, o.J. (1950)

[32] Bl. in jeweils 3 Teile geschnitten, kolor. Federzeichnung,

17,3 x 12,7 cm, OPp., mit Spiralheftung

Das Buch und seine Geschichte

Die Abschnitte sind jeweils mit sehr kleinen, kaum sichtbaren Nummern versehen, so dass in Zweifelsfällen die Richtigkeit der teils verwirrenden Kombinationen festgestellt werden kann.

 

Walter Trier hat drei solcher Spielbilderbücher gestaltet. Alle tragen den Hinweis auch auf ein erwachsenes Publikum. Das entspringt Triers Überzeugung, keinen Unterschied in seinem künstlerischen Anspruch zuzulassen, einerlei, ob er als Pressezeichner, Plakatkünstler oder Kinderbuchillustrator arbeitet.

 

Dieses kleinformatige Buch, das, wie der Titel mitteilt, 8192 Kostümvarianten anbietet, spielt mit den Klischees nationaler Eigenheiten, festgemacht an Trachten, Kleidung und Körpersprache. In Frontalsicht füllen die Figuren das Seitenformat, im unteren Drittel sind zusätzlich jeweils Landschafts- oder Gebäudefragmente wie Pinien, Palmen, Almhütten oder Tipis wiedergegeben. Mit kräftigem, schwarzen Strich, bunter Farbigkeit und dem verschmitzten Blick des Karikaturisten charakterisiert er seine „Typen“, die beim Hin- und Herblättern der jeweils drei Bildstreifen eine Art wilder Komik entfalten. Wie viel Spaß der Zeichner am Verwandlungsspiel hatte, lassen die vordere und die rückwärtige Umschlaggestaltung ahnen, auf denen Baströckchen und Jodelhut ebenso harmonieren wie die grazile javanische Tänzerin mit ihrem Eskimokopf.

 

Diese Art Unterhaltung ist die Absicht eines jeden solchen Verwandlungsbuches, doch bei Trier sind es nicht allein formale Spielereien. Sein kritischer Blick auf die Spezies Mensch, hier auf einen oftmals übertriebenen Nationalstolz, der sich an Kleidung und Haltung ablesen lässt, ist in diesen Bildern deutlich spürbar und lässt den satirischen Zeichner aufscheinen.

Kurzvita

Walter Trier, geboren 1890 in Prag, gestorben 1951 in Collingwood, Ontario. Er gilt als einer der wegweisenden satirischen Zeichner und Grafiker Deutschlands in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

 

Nach Besuch der Prager Kunstgewerbeschule und der dortigen Kunstakademie wird er bereits mit 17 Jahren an der Münchner Kunstakademie Schüler Franz von Stucks. 1909 erscheinen erste Zeichnungen in der satirischen Wochenzeitschrift „Simplizissimus“. Ab 1910 lebt er als Künstler, Karikaturist, Pressezeichner und Werbegrafiker in Berlin. Seither zeichnet er bis 1933 für „Lustige Blätter“, „Die Dame“ oder UHU, ein Monatsmagazin des Ullstein Verlages (1924 bis 1933). Seine Kunst reflektiert besonders stark die Neue Sachlichkeit der 20er Jahre, verbindet jedoch einen teils grotesken Realismus mit immer neuen, humorvollen Details. Von 1911 bis 1932 nimmt er an der Großen Berliner Kunstausstellung teil und ist Mitglied der Berliner Künstlergruppe Secession.1928 sind in der umfangreichen Ausstellung dieser Gruppe „Humor in der Malerei des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart“ insgesamt 22 Aquarelle und Ölbilder von Trier zu sehen. Ein Jahr später verhilft er Erich Kästners Kinderroman „Emil und die Detektive“ mit seiner Ausstattung zum Durchbruch und wird im Folgenden mit weiteren Kästner-Illustrationen zum Vorbild für zahlreiche Buchgestalter und Illustratoren. Seine ersten Arbeiten für Kinder entstehen bereits gegen Ende des I.Weltkrieges, bald schon für ein Kinderheft als Beilage des Berliner Modeheftes “Die Dame“, 1919. Fortan illustriert er immer wieder Texte für Kinder und gestaltet Einbände. Trier ist zudem ein begeisterter Spielzeugsammler und Familienmensch.

 

Walter Trier gilt vielen ausschließlich als Kinderbuchillustrator, doch diese einengende Wahrnehmung ist dem einmaligen Erfolg der Zusammenarbeit mit Erich Kästner geschuldet.

 

1936 emigriert Trier nach London, wo er sich eine zweite Karriere aufbaut. Er zeichnet für Lilliput. The Pocket Magazine for Everyone, für verschiedene Exilblätter und internationale Medien. 1947 zieht er zu seiner Tochter Margarete, geb. 1914, nach Kanada, wo er bis zu seinem frühen Tod lebt und arbeitet und auch noch einige späte Kästner-Titel illustriert.

Literatur/Links

Lothar Lang (hrsg.), Das große Trier-Buch

Berlin: Eulenspiegel, 1984 (EA :Zürich, Atrium 1972)

 

Antje Neuner-Warthorst, Walter Trier. Politik, Kunst, Reklame

Zürich: Atrium Verlag, 2006

Hannover: Wilhelm Busch Gesellschaft , 2006

 

Walter Schmitz (hrsg.) Walter Trier und die Bilderwelt der Kinder. Dresden:Thelen, 2007

 

Antje Neuner-Warthorst, Walter Trier. Eine Bilderbuch-Karriere

Berlin: Nicolai, 2013

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