Walter Trier (1890 - 1951)

8192 Crazy People

For Children from 5 und under to 75 and over

London: Atrium Press o.J. (1946) hier. 5. Auflage

[32] Bl. in jeweils 3 Teile geschnitten, kolor. Federzeichnung,

17,3 x 12,7 cm, OPp., mit Spiralheftung

Das Buch und seine Geschichte

Dieses erste der drei Trierschen Verwandlungsbücher erscheint 1946 während seines Exils in London. Die 32 Figuren sind jeweils mit zarten, kaum wahrnehmbaren Nummern versehen, die beim Blättern in Zweifelsfällen die richtige Zusammenstellung erleichtern. Trier zeichnet allerlei bekannte Typen in Menschengestalt, vermischt mit ein paar Tieren. Den Anfang macht ein tumber Troubadour. Es folgen unter anderem Lausbub, Storch, Räuber, Frosch, Ballerina oder Ritter und endet mit dem Weihnachtsmann/Nikolaus. Die einfach gehaltenen Figuren sind mit schwarzem Stift konturiert und anschließend koloriert. Sie ermöglichen ein verblüffend vergnügliches Blättern durch die schier unbegrenzt erscheinenden Kombinationen.

 

Dies Büchlein ist auch im Ausland, beispielsweise in Frankreich, und in Deutschland mit teils anderen Titelbildern erschienen, reicht aber nicht an die Komiik des späteren Crazy Costumes heran. Es scheint für Trier eine erste Fingerübung innerhalb dieses Genres zu sein. Andererseits lassen die Zeichnungen eine enge Beziehung zu seinen politischen Karikaturen dieser Zeit erkennen.

 

Über die Entstehungsgeschichte dieses Spielbilderbuchs ist nichts bekannt. Möglicherweise gab Verleger Kurt Maschler, der das Werk Erich Kästners mit Walter Triers Illustrationen nach 1933 in seinem eigenes gegründeten Atrium Verlag betreute, die Anregung zu diesem vergnüglichen Spielangebot für Jung und Alt.

Kurzvita

Walter Trier, geboren 1890 in Prag, gestorben 1951 in Collingwood, Ontario. Er gilt als einer der wegweisenden satirischen Zeichner und Grafiker Deutschlands in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

 

Nach Besuch der Prager Kunstgewerbeschule und der dortigen Kunstakademie wird er bereits mit 17 Jahren an der Münchner Kunstakademie Schüler Franz von Stucks. 1909 erscheinen erste Zeichnungen in der satirischen Wochenzeitschrift „Simplizissimus“. Ab 1910 lebt er als Künstler, Karikaturist, Pressezeichner und Werbegrafiker in Berlin. Seither zeichnet er bis 1933 für „Lustige Blätter“, „Die Dame“ oder UHU, ein Monatsmagazin des Ullstein Verlages (1924 bis 1933). Seine Kunst reflektiert besonders stark die Neue Sachlichkeit der 20er Jahre, verbindet jedoch einen teils grotesken Realismus mit immer neuen, humorvollen Details. Von 1911 bis 1932 nimmt er an der Großen Berliner Kunstausstellung teil und ist Mitglied der Berliner Künstlergruppe Secession.1928 sind in der umfangreichen Ausstellung dieser Gruppe „Humor in der Malerei des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart“ insgesamt 22 Aquarelle und Ölbilder von Trier zu sehen.

 

Ein Jahr später verhilft er Erich Kästners Kinderroman „Emil und die Detektive“ mit seiner Ausstattung zum Durchbruch und wird im Folgenden mit weiteren Kästner-Illustrationen zum Vorbild für zahlreiche Buchgestalter und Illustratoren. Seine ersten Arbeiten für Kinder entstehen bereits gegen Ende des I.Weltkrieges, bald schon für ein Kinderheft als Beilage des Berliner Modeheftes “Die Dame“, 1919. Fortan illustriert er immer wieder Texte für Kinder und gestaltet Einbände. Trier ist zudem ein begeisterter Spielzeugsammler und Familienmensch.

 

Walter Trier gilt vielen ausschließlich als Kinderbuchillustrator, doch diese einengende Wahrnehmung ist dem einmaligen Erfolg der Zusammenarbeit mit Erich Kästner geschuldet.

 

1936 emigriert Trier nach London, wo er sich eine zweite Karriere aufbaut. Er zeichnet für Lilliput. The Pocket Magazine for Everyone, für verschiedene Exilblätter und internationale Medien. 1947 zieht er zu seiner Tochter Margarete, geb. 1914, nach Kanada, wo er bis zu seinem frühen Tod lebt und arbeitet und auch noch einige späte Kästner-Titel illustriert.

Literatur/Links

Lothar Lang (hrsg.), Das große Trier-Buch

Berlin: Eulenspiegel, 1984 (EA :Zürich, Atrium 1972)

 

Antje Neuner-Warthorst, Walter Trier. Politik, Kunst, Reklame

Zürich: Atrium Verlag, 2006

Hannover: Wilhelm Busch Gesellschaft , 2006

 

Walter Schmitz (hrsg.) Walter Trier und die Bilderwelt der Kinder. Dresden:Thelen, 2007

 

Antje Neuner-Warthorst, Walter Trier. Eine Bilderbuch-Karriere

Berlin: Nicolai, 2013

 

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