Květa Pacovská (geb. 1928)

À L’Infini (Endlos)

Paris: Éditions du Panama, 2007
[ 60] Bl., glanzkaschierte Pappe, Ausschnitte, Prägedruck,
teils Doppelfalzung, aufspringende Elemente
27 x 27 cm, Pd., sichtbare Fadenheftung

„Children read with all their senses, it’s not just what they see: it’s far more total.”
Das Buch und seine Geschichte

Als eine Art Vorwort heißt es auf der ersten Seite “Les lettres: l’achitecture du plaisir. (Die Buchstaben: Architektur des Vergnügens) Darin spricht die Künstlerin den Leser/ Betrachter direkt an. Du kannst dieses Buch auf verschiedene Art betrachten: als ein klassisches Buch, indem du die Seiten umblätterst, oder als eine Skulptur aus Papier durch die du spazieren gehen kannst. Du kannst jeden Buchstaben betrachten, jeden Buchstaben berühren, als Form ansehen oder ihn laut vorlesen. Jeder Buchstabe hat seinen eigenen Klang, seine eigene Form und seine eigene Farbe. Bemerke ihre Unterschiede, wenn du sie aussprichst, wenn du den Klang deiner Stimme hörst. Hier ist meine Papierstadt: Viel Spaß damit!

Das Buch beginnt mit den Konsonanten in vielerlei Gestalt, als Buchstabenform, als Farbfläche, als Figur. Die einzelnen Seiten wirken wie Collagen aus unterschiedlichen Papieren und verlangen dem Betrachter gelegentlich viel Fantasie ab, sie zu erkennen. Auf die Konsonanten folgen die Vokale, angedeutet durch eine offene Mundform zusammen mit der Aufforderung, wiederum Form und Klang in Verbindung zu setzen. Ausgeschnittene Vokale, verschiedene, gemalte Lippenstellungen gefolgt von Ausstanzungen wie fliegende Töne.

 

Weiter geht es mit den Zahlen. Manche Elemente kennen wir bereits aus dem Zahlenbuch oder dem Alphabetbuch, sie sind vertraut und verändert zugleich. In der bunten, vielfältig überraschenden Reihung ist dieses Objektbuch ein opulentes Angebot, sich in Formen, Farben und Papierräumen zu verlieren. Die Künstlerin schließt mit dem Satz „Ich hoffe, dass du dieses Buch als eine künstlerische Botschaft wahrnimmst und dass sie dein ganzes Leben beeinflussen wird.“ !

Kurzvita

Květa Pacovská, geboren 1928 in Prag, lebt und arbeitet in ihrem Geburtsort. Sie beschäftigt sich mit Konzeptkunst in Malerei, Grafik und Skulptur und gilt als Ausnahmekünstlerin im Bereich Kunst und Buch. Weltweit bekannt ist sie mit ihren Bilderbüchern geworden, die sie als eine Art Papierskulptur versteht.

 

Nach einem Studium an der Prager Akademie für Kunst, Architektur und Design beginnt sie bereits in den 50er Jahren Märchen- und Kinderbücher zu illustrieren. Mit der Öffnung des Eisernen Vorhangs 1989 eröffnen sich neue Freiräume für ihre buchkünstlerische Arbeit. Sie findet Zugang zu den im Westen gebräuchlichen beschichteten Papieren und Kartons für Bilderbücher. Ihr erstes Projekt “Eins, fünf, viele“, 1990, ist zugleich ihr erstes Objektbuch für Kinder und markiert einen unübersehbaren Entwicklungsschritt der damals 62 jährigen Künstlerin.

 

Neben freien Arbeiten, z.B. großformatigen Ölbildern, Collagen, Objekten aus Pappe, Papier, Schnüren, Holz oder Metall gestaltet sie zahlreiche Buchprojekte als eine neuartige Form des Spielbuchs. Ihre buchkünstlerischen Arbeiten sieht Květa Pacovská als eine Art Papier-Architektur, in die man eintreten kann, um sie mit allen Sinnen zu erleben. „Meine Bilderbücher sind ein Zusammenspiel unterschiedlicher Leseweisen. Sie setzen jeweils eine andere Wahrnehmung des Raums, des Rhythmus, des Tastens oder der Farbe frei.“ Und: „Meine Malerei basiert keineswegs auf dem Verständnis, Texte auslegen oder bebildern zu wollen. Vielmehr arbeite ich auf der Grundlage der Bildenden Kunst.“ (Maximum Contrast, S. 148)

 

Pacovkás Arbeiten sind vielfach ausgestellt worden, darunter im Pariser Centre Pompidou, 2007, und  im Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt/M., 2008. Ihre wichtigste Auszeichnung ist der Hans Christian Andersen Preis, 1992, einer der renommiertesten internationalen Preise für Kinder- und Jugendbücher, den die internationale Kinderbuch-Organisation IBBY alle zwei Jahre vergibt.

 

Über das KünstlerBilderBuch sagt die Künstlerin: „Das Bilderbuch ist die erste Galerie, die Kinder betreten.“

Literatur/Links

The Art of Květa Pacovská
Gossau-Zürich, Michael Neugebauer, 1993

 

Květa Pacovská, Ausstellungskatalog Palazzo Agostinelli,
Bassano del Grappa, 1999/2000

 

Květa Pacovská, Open Space
Paris: Fondation M. von Cronenbold 
Wabern: Benteli, 2001

 

Květa Pacovská, Maximum Contrast
Eva Lienhart (Hrsg.)
Katalog zur Ausstellung im Museum für Angewandte Kunst. Frankfurt/M., Bargteheide: Michael Neugebauer, 2008

 

Květa Pacovská, Buchstabe
Maria Linsmann, Jens Thiele (Hrsg.)
Troisdorf: Bilderbuchmuseum Burg Wissem, 2010

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