Celestino Piatti (1922 - 2007)

ABC der Tiere

Text von Hans Schumacher

Zürich, München: Artemis 1965

14 ungez. Bl., Deckfarben / Tusche,

21,5 x 30 cm, farb. Pb.

3. A., 1981

Das Buch und seine Geschichte

Der Adressat der eingedruckten Widmung, Andreas Michael ,ist nicht aufspürbar, ebenso wenig wie die Art der Zusammenarbeit mit dem Textautor.

 

Dieses klassische Thema – ein ABC-Buch für Kinder – geht Piatti mit großem Pinselschwung und unkonventioneller Seitenaufteilung an. Manche Tierbilder beanspruchen eine ganze Doppelseite (die Giraffe), andere teilen sich zu zweit eine Seite (Elefant und Frosch), der Jaguar kommt nur als Fährte hinter dem Känguruh vor und der Wal füllt mit seinem mächtigen, blauen Körper wiederum eine Doppelseite. Zum Buchstaben X malt Piatti ein Xopiatti mit einem Fischschwanz, Flügeln und einem wunderbaren Katzenkopf. Alle Tierfiguren, ob klein- oder großformatig, leben aus einer mit kräftigem Pinselstrich gemalten Kontur mit oft nur leicht angedeuteter Binnenzeichnung. Piatti gestaltet diese Tiere emblematisch-verknappt, jede Seite ein eindrucksvolles Einzelbild, und doch miteinander verbunden im spielerischen Wechsel kleiner und großer Formen, gefüllter Flächen, weißer Leerräume, farblicher Kontraste und Harmonien. Nahezu jede einzelne Seite erinnert an die vielen Plakate und Buchcover, die über Jahre besonders die Bücherwelt prägten. Die Texte legen nahe, das sie im Verlauf der Arbeit als kleine Reimspiele zu den Bildern entstanden sind, lassen sich doch einzelne beschreibende Elemente finden.

Kurzvita

Celestino Piatti, geboren 1922 in Wangen, Schweiz, gestorben 2007 in Duggingen, ebenfalls Schweiz. Besucht ab 1937 die Kunstgewerbeschule in Zürich und absolviert eine Grafikerlehre. Seit 1948 arbeitet er als freier Grafiker, Plakatkünstler, Maler, Illustrator und Buchgestalter. Bekannt geworden ist er durch seine innovative Plakatkunst und die Gestaltung der Taschenbuchreihe dtv, die er von 1961 bis Mitte der 90er Jahre von der Typografie bis zur Bildgestaltung betreut. Seine über 500 Plakate und mehr als 6300 Buchumschläge beeinflussen maßgeblich die Buchgestaltung der 60er und 70er Jahre in Deutschland. Sein klares Bekenntnis zu einem weißen Bildgrund, auf dem reduzierte, auf das Wesentliche beschränkte Farbformen stehen, lassen vielfach an Holz-, Linolschnitt oder Lithografien denken, sind jedoch meist als Gouache oder Aquarell mit schwarzen Konturen ausgeführt. Mit dieser malerischen Technik überwindet Piatti die Wahrnehmung einer kommerziellen Gebrauchskunst. Auch seine frühen Bilderbücher leben aus lebhaften Kontrasten, stark konturierten Formen und satten Farben.

 

Literatur/Links

Manuel Gasser, Celestino Piatti. Das gebrauchsgrafische, zeichnerische und malerische Werk, Zürich. ABC Verlag, 1979

 

Bruno Weber (hrsg.): Celestino Piatti. Meister des grafischen Sinnbildes, München, dtv, 1982

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