Niki de Saint Phalle (1930 - 2002)

Aids. You Can’t Catch it Holding Hands

San Francisco, Santa Monica: The Lapis Press, 1987
52 S., kolor. Zeichnungen in Tusche und Farbstift, handschriftl. Text mit gezeich., kolor. Versalien und teils ausgemalten Lettern
25 x 19,7 cm, Pd., farb. Umschlagbild


Zeitgleich erschienen bei C.Bucher, München und Luzern 1986/ 1987 jeweils eine deutsche und eine englische Ausgabe.

Das Buch wird in fünf weitere Sprachen übersetzt und erscheint mit einer Gesamtauflage von 70.000 Exemplaren.
Das Buch und seine Geschichte

Die Künstlerin beginnt ihr Buch mit dem Hinweis auf seine Entstehung in Zusammenarbeit mit dem bekannten Schweizer Immunologen Silvio Barandun. Er hatte ihr von der verheerenden Krankheit erzählt und wie sie zu einer Bedrohung für jeden Menschen werden kann. Damit betont die Künstlerin den sachlichen Aspekt dieses illustrierten Buches im Dienste der Aufklärung über die damals besonders in den USA verbreitete und öffentlich wahrgenommene Krankheit, an der Künstler wie Andy Warhol, 1987, und Keith Haring drei Jahre später sterben.

 

In Form eines gemalten Briefes an ihren Sohn Philip, damals 32 Jahre alt, erklärt Niki de Saint Phalle die Krankheit Aids vom Text her äußerst sachlich. Der visuelle Eindruck jedoch ist ein spielerischer, bestimmt von unterschiedlich großen, rundlich geformten Buchstaben in einer eigenwilligen Schreibschrift, die sich über die Seiten um die einzelnen Bildelemente winden, und einer Farbigkeit, die an Tuschebilder von Kinderhand erinnern. Den scheinbar naiven, realistischen Elementen werden immer wieder fantastische, ungegenständliche Formen gegenübergestellt, so dass der Betrachter stets zwischen der Reflektion der Alltagswirklichkeit der Krankheit und der Wahrnehmung eigener Empfindungen zu pendeln scheint. Diese besondere Art zeichnenden Erzählens hat eine lange Tradition und geht bis auf frühe Beispiele des Sachbilderbuchs zurück.

 

Das Buch entstand für die Lapis Press, die der us-amerikanische Künstler Sam Francis 1985 als Verlag für Künstlerbücher in kleiner Auflage gegründet hatte. Eine Ausgabe als Künstlerbuch in kleiner Auflage kommt für die Künstlerin damalsfür dieses Projekt sicher nicht in Frage. Der Ernst, mit dem sie sich der Gestaltung des selbstgestellten Auftrags widmet, nähert sich jedoch der Arbeit für ein Künstlerbuch an. Die Gestaltung der Vorsatzblätter des zeitgleich erscheinenden Katalogbuches zur Ausstellung in München weisen eine ähnliche Struktur auf.

Kurzvita

Niki de Saint Phalle, geboren 1930 bei Paris, gestorben 2002 in San Diego, Kalifornien. Malerin und Bildhauerin. Weltbekannt wird die Autodidaktin besonders durch ihre monumentalen „Nanas“, die seit etwa1965 entstehen. Es sind häufig riesige, farbige Brunnenfiguren wie z.B. für den Strawinsky Brunnen neben dem Pariser Centre Pompidou,1982, oder begehbare Skulpturen, wie sie für den Tarotgarten in der Südtoskana. entstehen. 1948 heiratet sie den jungen amerikanischen Künstler Harry Mathews, mit dem sie zwei Kinder hat. 1955 begegnet sie dem Schweizer Metallkünstler Jean Tinguely, den sie 1971 heiratet und mit dem sie eine intensive Arbeits- und spätere Lebensgemeinschaft verbindet. 1978 beginnt sie mit Vorarbeiten für den Tarotgarten in der südlichen Toskana, an dem sie bis zu ihrem Tod arbeitet. Im Jahre 2000 schenkt sie etwa 400 ihrer Arbeiten dem Sprengel Museum in Hannover.

Literatur/Links

www.nikidesaintphalle.org

 

Carla Schulz-Hoffmann, Niki de Saint Phalle. Bilder-Figuren-Phantastische Gärten.

München, Prestel 1987 (NA 2008, S. 170 )

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