Sonia Delaunay (1885 - 1979)

Alphabet

Comptines trouvées et retrouvées par Jacques Damase

Paris: École des loisirs, 1972

[29] Bl., Lithographie,

28,8 x 25,7 cm, Pd.

 

OA: Künstlerbuch in limitierter Auflage von 150 Ex.

Von Hand geschriebener Text (französisch)

Milano: Emme-Electa,1969

35 x35 cm, Original-Lithographie

Das Exemplar Nr.3 befindet sich im Archivio Ópla – Biblioteca

Civica di Merano

 

Alfabeto

Da un’idea di Jacques Damase

Con una raccolta di filastrocche populari italiane, scelte e adattate da Rosellina Marconi e Guilia Niccolai

[29] Bl., Lithographie,

29 x 25,7 cm, Pb.

Milano: Emme Edizioni,o.J. (1970)

Nachdruck: Milano, Babalibri, 2010

Das Buch und seine Geschichte

Die Editionsgeschichte ist einigermaßen verwirrend, zumal die Texte der Ausgaben sich stark voneinander unterscheiden. Die französische Originalausgabe aus dem Jahr 1969 enthält Abzählverse und Wortspiele, die von Jacques Damase „gefunden und wiedergefunden“ wurden. In der ursprünglichen Fassung hat Sonia Delaunay die Texte handschriftlich in Druck- oder Schreibschrift in ihre Bildgestaltung der einzelnen Buchstaben einbezogen. Die gedruckte Ausgabe von 1972 stellt die Texte in einer kompakten Versalschrift separat, meist auf die linke Seite und lässt eigene Schriftfiguren entstehen. Die italienische Ausgabe aus dem Jahr 1970 trägt den Untertitel: „Mit einer Sammlung bekannter italienischer Kinderreime, handverlesen und angepasst von Rosellina Marconi und Guilia Niccolai“, und stellt die Texte als kleine Blöcke jeweils auf die linke Seite in die obere, äußere Ecke.

 

Alle Ausgaben präsentieren die Buchstabenbilder der Künstlerin im etwas verkleinerten Buchformat. Mit dem komplexen Umschlagbild signalisieren sie den hohen Anspruch eines Künstlerbuches. Die Buchstaben A bis F sind mit breitem Pinselstrich als mehrfarbige Versalien gestaltet und bilden eine auffällige, kompakte Bildfigur. Die folgenden Seiten sind jeweils einem einzelnen Buchstaben gewidmet, mit Ausnahme von vier Doppelseiten. Jede Buchseite kann als abstraktes Bild gelesen werden, das die von der Künstlerin so bezeichneten Simultankontraste immer wieder neu variiert. Darunter versteht Delaunay die unterschiedliche Wirkung von Farben, je nachdem in welcher Nachbarschaft sie stehen und gleichzeitig gesehen werden können. Die leicht mit weiß abgetönten Farben bilden stets wiederkehrende Variationen der Farben rot, blau, grün, selten gelb, häufig in Verbindung mit schwarz. Mit kräftigem, frei aus der Hand aufgetragenem Pinselstrich entsteht eine Lebendigkeit der Formen und der Zwischen- und Leerräume. Die von Seite zu Seite immer neuen Kombinationen erzeugen eine optische Spannung, die auf der Doppelseite mit dem Wort CHOCOLAT zum C ihren ersten Höhepunkt findet.

 

Die erste französische Ausgabe mit den kräftigen Textbildern trägt der ursprünglichen Form des Alphabets als Teil von Sprache Rechnung, während die späteren Nachdrucke die Bildseiten isolieren und den Kunstanspruch der Buchstabenbilder hervorheben. Eine neue französische Ausgabe mit wieder anderen Texten (Paris: Palette, 2014) fand sich 2017 im Shop der Tate Modern, London.

Kurzvita

Sonia Delaunay, geboren 1885 als Sarah Stern in Gradizsk, Ukraine, gestorben 1979 in Paris. Französisch-ukrainische Malerin und Designerin. Ihre Bilder sind in namhaften Sammlungen und Museen in der ganzen Welt vertreten.

 

Nach ihrem Studium an der Kunstakademie in Karlsruhe geht sie 1905 nach Paris, wo sie besonders die Malerei von Henri Matisse, den Fauves, Gauguin und van Gogh beeindruckt. Sie bevorzugt klare, groß angelegte Farbflächen und starke Konturen und findet schon bald zu einem abstrakten, geometrischen Stil. Seit 1910 ist sie mit dem Maler Robert Delaunay (1885 -1941) verheiratet, mit dem sie einen Sohn, geb. 1910, hat. Mit Robert Delaunay zusammen entwickelt sie großes Interesse an Gesetzmäßigkeit, Ordnung und Rhythmus der Farben. Während ihr Mann den „orphischen Kubismus“ weiterentwickelt, widmet sich Sonia Delaunay besonders der gleichzeitigen Wiedergabe verschiedener Farbrythmen mit komplementären und nichtkomplementären Farbkontrasten.

 

Ab 1914 lebt das Paar in Spanien und Portugal, ab 1921 wieder in Paris, wo sich Sonia Delaunay unter ökonomischem Druck dem Design zuwendet und Wandteppiche, Möbel, Stoffe, Kostüme für Ballett und Oper und Mode entwirft.

 

1976 vermacht sie ihr gesamtes grafisches Werk dem Centre Pompidou in ihrer Wahlheimat Paris. 2014/15 widmen ihr das Musée d’Art Moderne, Paris, und die Tate Modern, London, eine große Retrospektive, die die Künstlerin als Avantgardistin würdigt und ihren Einfluss auf Kunst und Textildesign.  

Literatur/Links

 

Sonia Delaunays Welt der Kunst. Aust.Katalog Kunsthalle Bielefeld, 2008

 

Stanley Baron, Jacques Damase: Sonia Delaunay. Ihre Kunst-Ihr Leben, München: Heyne, 1995

 

Sonia Delaunay. Les Couleurs de l'Abstraction.Ausst. Katalog, Musée de L'Art Moderne, Paris, 2014/15

auch: Tate Modern, London 2015

Zurück zur Sammlung