Andy Warhol (1928 – 1987)

Andy Warhol’s Children’s Book

Zürich: Galerie Bruno Bischofsberger, 1983

[6] Bl. incl. Deckel, Hartpappe

Acryl und Siebdruck auf Leinwand

(verkleinerte Wiedergabe von zwölf Toy Paintings)

18 x 14,2 cm, farb. Buchdeckel, Leinenrücken

Das Buch und seine Geschichte

Das als Buchdeckel genutzte, erste Blatt zeigt einen roten Apfel auf gelbem Grund als dominante Farbfläche mit flüchtig hingeworfenen Umriß- und Binnenlinien. Im Inneren folgen Bilder von Blechspielzeugen, die im Gegensatz zum eher abstrakten Titelbild sichtbar von technischem Spielzeug angeregt sind. So finden sich ein Pandabär mit Trommel, ein Papagei, ein Aufziehhund oder eine Aufziehmaus. Dazu ein Roboter als „Moon Explorer“ oder ein Hubschrauber mit der Aufschrift „Emergency“. Auf allen Bildern spielt die Schrift eine wichtige Rolle als Bestandteil der Komposition. Sie entstammt sehr unterschiedlichen Schriftfamilien und macht die Herkunft der Bilder von den jeweiligen Spielzeugverpackungen deutlich. Das kleinformatige, feste Pappbilderbuch ist selbst ein Spielzeug mit seinen einfachen Formen und knallbunten Farben und führt große und kleine Betrachter unmittelbar in die Welt des billig produzierten, globalen Massenspielzeugs, wie es Warhol in New Yorker Kaufhäusern vorgefunden hat.

 

Das Buch entsteht im Zusammenhang mit einer Ausstellung in der Züricher Galerie Bruno Bischofsberger, für die Warhol insgesamt etwa 300 sogenannte Toy Paintings malt. Warhol gestaltet außerdem für den Galerieraum eine blaue Tapete mit silbernen Fischen, auf der die Bilder sehr niedrig gehängt werden, damit Kinder ihnen auf Augenhöhe begegnen können. Der Galerist berichtet, dass sie damit die übliche Museumspraxis umkehren wollten. Wenn sonst kleinere Kinder von ihren Eltern hochgehoben werden müssen, um die Bilder zu betrachten, mussten sich in dieser Ausstellung die Erwachsenen bücken. Die Originale haben meist ein Format von etwa 35 mal 28 cm und befinden sich sowohl im Bestand der Galerie als auch im Warhol-Museum in Pittsburg, USA.

Kurzvita

Andy Warhol, geboren 1928 in Pittsburg, Pennsylvania, gestorben 1987 in New York City, gilt als bekanntester und wichtigster Vertreter der us-amerikanischen Pop-Art. Er arbeitet als Grafik-Designer, Maler und Filmemacher und betreibt seit Mitte der 60er Jahre seine „Factory“, eine Art Experimentierwerkstatt, in dem sein umfangreiches Werk zusammen mit Freunden und Mitarbeitern entsteht.

 

Von 1945 bis 1949 studiert Warhol am Carnegie Institute of Technology in seiner Geburtsstadt. Anschließend lebt er in New York, zunächst als erfolgreicher Werbegrafiker. Mit Beginn der 60er Jahre entdeckt er für sich die Technik des Siebdrucks, die ihm vielfältiges, serielles Arbeiten ermöglicht. Es entstehen seine berühmten Bilder mit in den USA allgegenwärtigen Motiven aus der Werbung: Campbell’s Suppendosen oder Coca-Cola-Flaschen, außerdem vielfach wiederholte Porträts nach Pressefotos bekannter Personen wie Marilyn Monroe oder Elvis Presley. Nach 1968 wendet er sich wieder verstärkt der Acrylmalerei und dem Siebdruck zu, die nach selbst gefertigten Polaroidfotos entstehen. Sein Thema bleibt die populäre Massenkonsumkultur, deren Allgegenwärtigkeit er durch die Produktion in seiner Factory wiederholt.

 

In den 50er Jahren beschäftigt sich Warhol viel mit grafischen Techniken, illustriert Bücher , darunter auch unveröffentlichte Kinderbuchprojekte, und gestaltet eigene Künstlerbücher. Gegen Ende der 50er Jahre erscheinen seine ersten gedruckten Kinderbuchillustrationen für den Buchclub von Doubleday. Für insgesamt sechs der 42 Bände umfassenden Reihe „Best in Children’s Books“ illustriert er jeweils eine Geschichte. Bei diesen eher herkömmlich anmutenden Zeichnungen dominiert die Konturlinie, doch beginnt er gleichzeitig seine „broken line“, eine gelegentlich abgesetzte Konturlinie, einzusetzen, um mehr Beweglichkeit und Spontaneität zu erzielen.

Literatur/Links

The Andy Warhol Museum 

 

Kunst – ein Kinderspiel

Max Hollein, Gunda Luyken (Hrsg.)

Ausstellungskatalog Schirn Kunsthalle Frankfurt/M., 2004

Frankfurt/Main: Revolver-Archiv für aktuelle Kunst, 2004

 

Reading Andy Warhol

Ausstellungskatalog Museum Brandhorst München

Ostfildern: Hatje Cantz, 2013

 

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