Otto Dix (1891 – 1969)

Bilderbuch für Hana und andere Trouvaillen

Ausstellungskatalog, Text von Peter Barth

Düsseldorf: Galerie Remmert und Barth, 2016

162 S., zahlr. farbige und sch/w. Abb.

Vollständige Wiedergabe der 14 Aquarelle, stark verkleinert.

(Originalformat: 50,8 x 36,0 cm, signiert)

Das Buch und seine Geschichte

Die Bilder zu diesem Bilderbuch wurden erst im Jahre 2016 im Nachlass der Familie Koch (Martin und Hana Koch, Kinder von Martha Dix aus erster Ehe) entdeckt und 2017 im Rahmen einer großen Otto Dix-Retrospektive in Düsseldorf gezeigt. Es wird auf ca.1925 datiert, ist also der damals etwa fünfjährigen Tochter seiner Frau Martha gewidmet.

 

Als Titelblatt wählt Dix ein die Bildfläche dominierendes, großes Füllhorn, umspielt von drei rundlichen Putten. Aus der nach unten zeigenden Öffnung scheinen die mit breitem Pinsel gemalten Buchstaben heraus zu purzeln. Das erste Bild zeigt die Familie Koch mit den beiden Kindern Martin und Hana in mittelalterlicher Kleidung hoch zu Ross vor einem Burgberg, dem Besitz der Familie Koch. Es folgen Bilder zu Märchen, Sagen und biblischen Geschichten, darunter auch dramatische Szenen wie der eindrucksvolle Kampf Davids gegen den Riesen Goliath, die Arche Noah im tobenden Meer, Samson, der den Löwen besiegt oder die ziemlich furchteinflößende Darstellung der Versuchung des heiligen Antonius. Auch bei der Darstellung der Sieben Todsünden, einem Tableau seltsam bedrohlicher Mischwesen, hat Dix sicher weniger an das kleine Mädchen gedacht. In den späteren Bilderbüchern für seine Söhne Ursus und Jan finden sich in Aufbau und Motiven verwandte Bilder, die dort allerdings als Karnevalszug (so nicht von Dix) bezeichnet sind. Die grotesken Mischwesen sind hier als Masken und kostümierte Menschen erkennbar.1933 malt Dix ein großes Bild mit dem Titel „Die sieben Todsünden“ (heute in der Kunsthalle Karlsruhe), das motivisch engen Bezug nimmt zu dem Aquarell für Ursus. 

Kurzvita

Otto Dix, geb.1891 in Gera, gest. 1969 in Singen, Maler und Grafiker der neuen Sachlichkeit und des Expressionismus.

Nach einer Lehre als Dekorationsmaler Studium an der Kunstgewerbeschule in Dresden. An den Kriegsdienst 1914 bis 1918 schließt sich ein Studium an der Staatl. Akademie der Bildenden Künste in Dresden an. Dix ist Mitbegründer der ‚Dresdner Sezession’ 1919. Er gilt als Bahnbrecher der neuen Sachlichkeit, eines neuartigen, sozialkritischen Realismus, auch als Verismus bezeichnet. Von1927 bis 1933 lehrt er als Professor an der Kunstakademie in Dresden. In dieser Zeit erlebt er seinen künstlerischen Durchbruch und Anerkennung durch Beteiligung an zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland. 1933 verliert er als einer der ersten Kunstprofessoren seine Anstellung an der Akademie durch die Nazis. Er entzieht sich dem politischen Druck und der latenten persönlichen Bedrohung durch innere Emigration und Verlegung des Wohnsitzes aufs Land nach Süddeutschland. 1937/38 werden acht seiner Bilder in der Ausstellung ‚Entartete Kunst’ in München gezeigt; insgesamt werden 260 Werke aus deutschen Museen beschlagnahmt. Ab 1936 lebt er hauptsächlich in seinem Haus in Hemmenhofen am Bodensee, das heute als Museum eingerichtet ist. Er hinterlässt ein umfangreiches Werk mit mehr als 6000 Zeichnungen und Skizzen.

Literatur/Links

Otto Dix Stiftung 

 

Otto Dix – zum 99. Kinderwelt und Kinderbildnis

Wendelin Renn (hrsg.) Ausstellungskatalog der Städt. Galerie

Villingen-Schwenningen, 1991

 

Olaf Peters: Otto Dix. Der unerschrockene Blick.

Eine Biographie, Stuttgart 2013

 

Otto Dix. Der böse Blick

Ausstellungskatalog, Hrsg. Kunstsammlung Nordrheinwestfalen

Düsseldorf, 2017/ London, Tate, 2017

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