Käte Steinitz (1889 - 1975)

Billy

Mit einem Nachwort von Martina Weiß und Stefan Soltek

Frankurt/ Main: Insel 2007

64 S., davon 30 farb. Abb., Bleistift, roter Buntstift, letzte Seite schwarzgrundig

30 x 22 cm, Pb., farb. Umschlagbild

Text in engl. Sprache, deutsche Fassung im Anhang

Faksimile als Erstausgabe

Das Original befindet sich seit 1978 im Klingspor Museum, Offenbach

 

Das Buch und seine Geschichte

Diese Faksimileausgabe gibt einen Einblick in den Entstehungsprozess ihres Bilderbuchprojektes, das die Künstlerin Käte Steinitz vermutlich in der zweiten Hälfte der 30er Jahre kurz nach ihrer Emigration nach New York begonnen hat. Es ist eine Art Dummy für ein weiteres künstlerisches Spiel mit geometrischen und typografischen Elementen und erzählenden Textblöcken. Es ist in engem Zusammenhang mit ihren Arbeiten für Bilderbücher zu sehen, die Mitte der 20er Jahre gemeinsam mit Kurt Schwitters entstehen (s. dort).

 

Hier handelt es sich um eine Reisegeschichte des Jungen Billy, der mit dem Zug von New York aufs Land fährt. Den Gegensatz von Stadt und Land, der eher technischen Welt der Großstadt und dem von Tieren und Landarbeit geprägten Landleben entwickelt Steinitz vor allem mit typografischen und abstrakten geometrischen Formen, lautmalenden Buchstabenreihungen und spannungsreichen Bildstrukturen. Die Figur des Billy nimmt diejenige des Bauersmanns in der „Scheuche“ im gleichnamigen Buch auf, das in Zusammenarbeit mit Kurt Schwitters und Theo van Doesburg 1925 entstanden ist. Der Großbuchstabe B wird leicht schräg auf Balkenbeine gesetzt, die Füße markieren jeweils ein kleines, quergelegtes b. Es lassen sich weitere verwandte Element finden, die die frühere Arbeit an den Bilderbüchern reflektiert. Entscheidend scheint die grundlegende Idee, die Personen durch ihre Anfangsbuchstaben zu charakterisieren und als abstrakte Bildfiguren über die Seiten zu führen.

 

Ihr Buch ist jedoch linear erzählt und dem Alltäglichen verpflichtet. Die kühnen Ungereimtheiten, die Formulierungen und skurrilen Bildsujets der früheren Arbeiten zusammen mit Kurt Schwitters, die gegen den Strich gelesen werden wollen, weichen eher geordneten, formalen Spielereien.

Kurzvita

Käte Steinitz ( Mädchenname Käthe Traumann, amerikanisiert Kate) geb. 1889 in Oberschlesien, gest.1975 in Los Angeles, Kalifornien. Deutsch-amerikanische Malerin, Fotografin und Autorin.

 

Ab 1908 besucht sie Zeichenkurse in Berlin bei Käthe Kollwitz, von 1909 bis 1911 Lovis Corinth’s „Malschule für Frauen“. 1912/13 schließt ein Aufenthalt in Paris an, wo sie Malerei und Kunstgeschichte studiert. 1913 heiratet sie den Arzt Ernst Steinitz, mit dem sie drei Töchter hat. Ab 1917 lebt die Familie in Hannover, wo sie mit ihrem Mann ein offenes Haus führt. Dort entsteht die enge Freundschaft und Zusammenarbeit mit dem Dadaisten Kurt Schwitters, der 1924/25 mit ihr zusammen den Aposs Verlag gründet, in dem unter anderem die gemeinsamen Kinderbücher erscheinen.

 

Sie schreibt für Zeitschriften, fotografiert. 1935 wird sie aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen und mit Publikationsverbot belegt. 1936 folgt sie ihrem Mann in die Emigration nach New York, wo sie als freie Journalistin und Grafikerin arbeitet und die amerikanische Staatsbürgerschaft annimmt. Nach dem Tod ihres Mannes 1942 bestreitet sie von 1945 bis 1975 als Bibliothekarin in der Leonardo da Vinci-Collection des Sammlers Elmer Belt in Los Angeles ihren Lebensunterhalt und erwirbt sich wissenschaftliche Anerkennung für ihre da Vinci-Forschungen.

 

Steinitz' künstlerischer  Nachlaß liegt im Sprengel Museum in Hannover.

 

 

Literatur/Links

Commemorative page to Kate and Ernst Steinitz in Hannover - https://zukunft-heisst-erinnern.de/orte-der-verfolgung/kunstsalon-kaete-steinitz-lang/


Steinitz, Kate Traumann, and William A. Emboden. 1994. Kate T. Steinitz: art into life into art : a retrospective of the life and work of one of the most diverse Bauhaus and Dada artists. Irvine, Calif: The Museum.


Kate Steinitz: Art and Collection: Avant-Garde Art in Germany in the1920s and 1930s. San Bernardino, CA: The Art Gallery, California State College San Bernardino, April 10 - May 14, 1982.


"Kate Steinitz, Librarian, Artist, Scholar: Being a Thirteen-Part Tribute to One Whose Verve Has Enlivened Some Eight Decades on Two Continents." Wilson Library Bulletin, 44, no. 5 (January 1970): 512-537. Contributions by Elmer Belt, Justin Bier, Bates Lowry, Jacob Zeitlin, Peter Selz, Jean Sutherland Boggs, Ladislao Reti, Weiland Schmeid, Robert Haas, Walter Hopps, J.M. Edelstein, and William A. Emboden, Jr.

 

Martina Weiß/Stefan Soltek : Nachwort zu Billy

 

Kate Steinitz. Eine Dokumentation.

Ausstellung und Katalog Dietmar Elger

Sprengel Museum Hannover, 1989

 

Kate T. Steinitz: Kurt Schwitters. Erinnerungen

Zürich: Arche 1965 (1987)

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