Bruno Munari (1907 – 1998)

buona notte a tutti

(Allen eine gute Nacht)

Mantua: Corraini Editore, 1997

[4] Bl. mit eingeklebten, unterschiedlich großen beweglichen Papieren

32 x 24 cm, Pb.,farb.

Reprint eines unveröffentl. Projekts aus dem Jahre 1945, zu dem weitere neun Bücher gehören, von denen sieben veröffentlicht wurden.

"Than I realised that what I had done for my own son could be interesting for other children".
Das Buch und seine Geschichte

Dies ist ein Gutenachtbuch der besonderen Art. Auf der ersten Seite ist ein Bett zu sehen, unter dessen Zudecke nur ein Haarbüschel hervorschaut. Gewitzte Kinder bemerken sofort den Aufklappeffekt der gestreiften Decke: darunter liegt ein kleiner Junge im gelben Schlafanzug, in der Hand die Schnur seiner Holzeisenbahn. Auf jeder nun folgenden Seite kann man kleine und größere Papiere aufklappen und darunter Tiere entdecken, bis auf der letzten Seite eine Tür zum Dachboden zu öffnen ist und dort hängen in ebenso schöner wie überraschender, formaler Eintracht eine schlafende Fledermaus und ein zugeklappter schwarzer Regenschirm.

 

Munari bietet mit diesem Buch, das zu einer ersten Serie von insgesamt zehn Heften gehört, ein Spiel an: Im großen Hochformat des Buches lassen sich verschiedene kleinere „Seiten“ auf der Buchseite umwenden und Geschichten in der Geschichte finden. Diese frühe Serie, die er für seinen Sohn Alberto, geboren 1940, erfunden hat, spiegelt Munaris Interesse am Objekt Buch und lädt zugleich Kinder ein, sich dem taktilen Vergnügen, das Papier anzufassen und zu blättern hinzugeben, kleine Geheimnisse zu finden und eigene Fantasien zu entwickeln. „I showed them (the dummies) to my son, my tester, to make sure, that they worked.” (Munari’s Books, S.70)

Kurzvita

Bruno Munari, geboren 1907 in Mailand, gestorben 1998 ebenda. Der Maler, Grafiker, Objektkünstler, Designer und Theoretiker gehört zu den einflussreichsten Künstler- Designern Italiens. Er besucht die Accademia di Belle Arti di Brera in Mailand und beteiligt sich bereits 1927 an einer Gruppenausstellung der italienischen Futuristen. In den 30er Jahren wendet er sich besonders dreidimensionalen Strukturen und Objekten zu und überwindet die traditionelle Definition von Skulptur. Im Mittelpunkt seiner Arbeiten stehen Zugang und Wahrnehmung der visuellen Welt, heute mit dem Schlagwort visuelle Kommunikation bezeichnet. Zwischen 1939 und 1945 arbeitete er als Grafiker für das Verlagshaus Mondadori und ist Art Director beim Magazin „Tempo“. 1948 gründet er mit anderen die Gruppe Movimento Arte Concreto (MAC) und schafft eine Reihe von Libri Illeggibile (Nicht lesbare Bücher), die, ohne Text und als Objekte konzipiert, erstmals 1950 ausgestellt werden. Munaris Interesse an einer rein visuellen Sprache (u.a. Verschiedenartigkeit und Taktilität von Papieren, von Formaten und Wirkung von Farben) spiegeln auch seine Bilderbücher, die ab 1945 erscheinen. Sie erzielen sofort großes Interesse und werden erstmals 1952 in der New York Public Library ausgestellt.

 

Bücher für Kinder nehmen einen großen Teil seiner Arbeit ein und bleiben ein lebenslanges Thema. Ihn interessierten die Möglichkeiten einer neuen visuellen Sprache in Kinderbüchern, die Geschichten mit Bildern und Symbolen, mit Farbwirkung und Materialität von Papieren erzählt und die Leser zu einer aktiven Kommunikation ermuntern. Neben seiner Arbeit als Industriedesigner, Gebrauchsgrafiker und Buchautor und -illustrator publiziert Munari theoretische Schriften zum Design und zur visuellen Kommunikation und befasst sich mit experimentellen Werkstätten für Kinder.

 

Literatur/Links

Corraini 

 

Giorgio Maffei, Munari’s Books

Mantua: Corraini Edizioni 2009, engl. Edition:  Princeton Architectural Press 2015.

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