André François (1915 – 2005)

C’est arrivé à Issy-Les-Brioches

(Das ist in Issy-Les-Brioches passiert)

Paris: La Bibliothèque Française, 1949

48 S., zweifarbig kol. Zeichnungen, Spritztechnik

27,5 x 21,5 cm, Pb., Leinenrücken

 

Erstes Bilderbuch mit Texten und Bildern des bekannten Zeichners, der von Tomi Ungerer und anderen als großes Vorbild genannt wird.
Das Buch und seine Geschichte

Es ist nicht auszumachen, wem diese kleine Erzählung in Wort und Bild mehr Spaß macht – dem Zeichner oder den Lesern. Im Dorf Issy-Les-Brioches stehen zwei Ereignisse vor der Tür. Ein alter Denkmalsockel soll mit einer neuen Statue geschmückt werden und ein Zirkus kommt. Die Bewohner werden vorgestellt, der Bäcker, der Metzger und der Fotograf, die sich alle selbst auf den Sockel träumen. Die Kinder interessiert jedoch nur der Zirkus, der in vielen Bildern gezeigt wird. Bei der Zirkusvorstellung fehlt der Löwe. Der kleine Pierre findet ihn und fragt ihn bang, ob sie nicht Freunde sein könnten. Was muss man tun, um Freunde zu sein? Man frisst sich nicht auf, man zeigt seine Schätze und erzählt sich Geschichten, lautet die Antwort. Der Löwe kennt keine Geschichten, aber von seinen Reisen will er gerne erzählen. Zurück im Dorf besteigen Pierre und der Löwe Ferroco den alten Sockel und der Junge verkündet: Der Löwe ist mein Freund. Ihr könnt alle herauskommen. Es gibt ein Fest und anschließend bestellt der Bürgermeister ein Standbild von Pierre und dem Löwen, der eine Brioche (traditionelles französisches Hefegebäck) von dem Jungen erhält.

 

Diese augenzwinkernde Dorfkomödie lebt vor allem aus den zweifarbig in rot, grün, blau und violett im Wechsel angelegten Zeichnungen, die in der Art von Cartoons sehr reduziert und mit wenigen Strichen die Figuren charakterisieren. Der Wechsel von ganzseitigen Tableaus und schmalen Bildstreifen mit kleinen Figuren setzt Akzente und macht die Lust des Zeichners an der kleinen Komödie deutlich. Denkbar ist, dass diese Bildergeschichte, ebenso wie „Krokodilstränen“ für die eigenen Kinder entstanden ist, die zu dieser Zeit im entsprechenden Alter waren.

Kurzvita

André François, geboren 1915 als André Farka in Temeswar, ehemals Ungarn, heute Rumänien, gestorben 2005 in Grisy-les-Plâtres (Departement Val-d’Oise), Frankreich. Besonders bekannt ist er als französischer Cartoonist, aber auch als Maler, Bildhauer und Graphik-Designer geworden.

Nach einem Studium an der Kunsthochschule von Budapest geht er 1934 nach Paris und arbeitet mit dem damals schon berühmten Grafikdesigner und Plakatkünstler Adolphe Cassandre zusammen, der an der École Nationale Superieure des Arts Décoratifs lehrt.

1939 wird François französischer Staatsbürger, heiratet noch im gleichen Jahr und wird bald Vater zweier Kinder, Catherine und Pierre. Mit Cartoons für Le Nouvel Observateur, das britische Satire-Magazin Punch und den New Yorker wird er bekannt. Sein Zeichenstil in schwarz-weiß, später auch farbig, ist besonders gekennzeichnet von einer humorvoll-satirischen Sichtweise. Milton Glaser bezeichnet François zusammen mit Saul Steinberg als „Shining light“ der 50er Jahre, der die junge Zeichnergeneration stark beeinflusst habe. Tomi Ungerer nennt ihn zusammen mit anderen als sein großes Vorbild. François macht sich auch einen Namen als Werbegrafiker für große Unternehmen wie Kodak, Olivetti, Citroen, Perrier u.a.

2002 zerstört ein Feuer in seinem Studio nahezu sein ganzes Werk. Das hinderte ihn nicht daran, in seinen letzten Lebensjahren einen neuen Werkkomplex zu schaffen. 2011 wurde das Centre André François in Margny-lés-Compiègne / Picardie eröffnet, das sich der Sammlung und Pflege des künstlerischen Nachlasses und der Förderung der Illustration widmet.

Literatur/Links

Centre André Francois : https://centreandrefrancois.fr/
Biography and illustrations https://www.pbase.com/csw62/andre_francois.

Sarah Moon “André Francois. Artist-Poet”, documentary, Garramedia 2004 (French with English subtitles) - https://www.youtube.com/watch?v=0pycrJeqhbc

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