William Nicholson (1872 – 1949)

Clever Bill

London: Egmont, 2016

Zuvor bei:

London: Faber & Faber, o.J. (1958)

[23] Bl., Farbzeichnungen, Gouache,

18 x 24,5 cm, Pb., farb. Schutzumschlag

 

OA: London,1926

"Among the few perfect picture books for children." (Maurice Sendak)
Das Buch und seine Geschichte

Dieses kleine querformatige Buch entsteht zu einer Zeit, als Nicholson von kleinen Kindern umgeben war: von seiner jüngsten Tochter Liza, geboren 1920, sowie Enkelkindern. Sie regen ihn zu einem Bilderbuch an, nachdem er mehr als 20 Jahre zuvor schon einmal mit einem quadratischen Alphabetbuch und einem über Tiere, beides in Holzschnitttechnik, zumindest auch an kindliche Leser, möglicherweise auch an seine eigenen, gedacht hat. Bei diesem Buch hat er jetzt zum Zeichenstift gegriffen und mit viel Schwung kleine, bewegte Szenen skizziert und zart laviert, mit vielen wiederkehrenden farbigen Akzenten. Die Art der gerahmten Bilder, teils als ovale Medaillons, erinnern mit schwarzen Konturen an Holzschnitte.

 

„Clever Bill“ ist eine einfache und dennoch eindrucksvolle kleine Spielzeuggeschichte. Die Bilder veranschaulichen detailreich, was die handschriftlichen, einzeiligen Texte andeuten. Das kleine Mädchen Mary packt seinen Koffer, um seine Tante zu besuchen. Auf mehreren Seiten zeigt Nicholson die Spielsachen, die mit auf die Reise müssen: das Holzpferd Apple Grey, die Puppe Susan, rote Schuhe, eine blaue Teekanne und Clever Bill, der Zinnsoldaten. Fünf Seiten lang schauen wir in den Koffer, sehen, dass nicht alles hineinpasst und so passiert das Malheur. Clever Bill bleibt zurück. Zunächst weint er bitterlich, doch dann rennt und rennt er durch die Landschaft, bis er Marys Zug in Dover erreicht. Nicholson gelingt es, dieses gute Ende noch zu steigern. Auf dem allerletzten Bild überreicht Clever Bill seiner Mary einen Blumenstrauß mit einer artigen Verbeugung. Was für eine Geschichte! 30 Jahre bevor der amerikanische Künstler Remy Charlip sein Buch „Dress up and let’s have a party!“ veröffentlicht, setzt William Nicholson eine erzählerische Dramaturgie ein, die das Umblättern der Seiten als wesentliches Moment in die Bilderzählung einbezieht. „The turning of the page“, nennt es Charlip später und verweist damit auf die einzigartige physische Struktur des Bilderbuchs.

Kurzvita

William Nicholson, geboren 1872 in Newark-on-Trent, gestorben 1949 in Blewbury, ist ein bekannter britischer Maler, Grafiker, Illustrator und Kinderbuchautor.

Nicholson beginnt seine Ausbildung 1884 mit privaten Zeichenstunden und studiert später an der Herkomer Kunstschule in Herfordshire. Schon früh beginnt er zusammen mit seinem Schwager James Pryde in einer Ateliergemeinschaft Werbegrafik und Plakate in einer eindrucksvoll knappen Bildsprache in der Holzschnitttechnik zu gestalten. 1896 erscheint sein erstes eigenes Buch „The Square Book of Animals“ mit 26 handkolorierten Holzschnitten zum Alphabet, bei dem er eigenen Aussagen zufolge sowohl an Erwachsene als auch Kinder denkt. Um 1900 widmet er sich verstärkt der Malerei, besonders dem Porträt. Ab den 1920er Jahren beginnt er mit Kinderbüchern, zunächst als Illustrationsauftrag.1922 illustriert er „The Velveteen Rabbit or How Toys Become Real“ von der bekannten Autorin Margery Williams in dem an Holzschnitte erinnernden Zeichenstil und einer subtilen Gouachetechnik, die er für seine beiden hier vorgestellten Bilderbücher ebenfalls verwendet. Diese Bilderbücher genießen besondere Anerkennung und werden z.B. von Maurice Sendak, hoch gelobt.

Literatur/Links

William Nicholson. The Graphic Work,

London: Barrie & Jenkins, 1992

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