Friedrich Karl Waechter (1973 - 2005)

Da bin ich

Zürich: Diogenes, 1997
[20 ] Bl., Pd., glanzkaschiert
28 x 22,5 cm, Bleistift, Tusche, Wasserfarben

„…glaube ich, dass „Da bin ich“ ein ganz brauchbares Kinderbuch geworden ist. Das sei allen Pädagogen ins Stammbuch geschrieben.“
Das Buch und seine Geschichte

Ein Katzenjunges oder ein Junge mit einem Katzenkopf ? in jedem Fall ein ziemlich menschliches Wesen, erzählt seine Geschichte: Wie es in eine große Familie geboren wird, aber nur knapp überlebt, als Fischer ihn zusammen mit zwei Geschwistern ertränken wollen. Er entkommt dem Katzenhai, findet ein Versteck samt Waffe im Wrack eines Schiffes, erschießt den Hai, geht an Land und findet schließlich den richtigen Klingelknopf an der Haustür: Da bin ich.

 

Mit flüchtigem Pinselstrich, der meist nur die Umrisslinien wiedergibt, erzählt Waechter diese bedrohliche Reise. Der Leser folgt ihr mit Anteilnahme, hervorgerufen von zartfarbigen, sparsamen Bildern. Der knappe Text liest sich dagegen wie eine Chronologie der Ereignisse. Mit wechselnden Formaten, doppelseitigen Tableaus und kleinformatigen Reihungen führt der Zeichner den Blick des Betrachters. Häufig stellt er das gleiche Motiv in extremer Nahsicht und als Ansicht gegenüber und schafft so Nähe und Distanz, Identifikation und Fremdheit zugleich.

 

Am Eindringlichsten ist diese Methode an den beiden einander gegenüberliegenden Schlussbildern ablesbar. Dem erwartungsvollen Blick im Porträt des Jungen wird seine sehr kleine Figur mit unsicher verschränkten Armen auf einer roten Fußmatte stehend gegenübergestellt. Während sich das großformatige Porträt auf der weißen Fläche der Seite entfaltet, schauen wir in Aufsicht auf den Kleinen vor einer gerahmten, schwarzen Fläche. Das Dunkel des Flurs, dem das Katzenkind entkommen möchte, verstärkt die aufkeimende Vorstellung von einem guten Ende.

Kurzvita

Friedrich Karl Waechter, geboren 1937 in Danzig, heute Polen, gestorben 2005 in Frankfurt/Main, hat sich als Zeichner, Karikaturist und Cartoonist, Autor von Theaterstücken und Bilderbüchern einen Namen gemacht. Zusammen mit anderen Künstlern, darunter Robert Gernhardt und F.W.Bernstein, bildete er in den 1960er Jahren die Gruppe Neue Frankfurter Schule, die eine eigene Kultur der politischen Karikatur, des satirischen Cartoons und der unterhaltenden Nonsens-Zeichnung erfand.


Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs kommt Waechter mit seiner Familie in den Westen. Er zeichnet auf Feldpostpapier, später in Schulhefte, die eigenen und die seiner Freunde. Er besucht die Kunstschule Alsterdamm in Hamburg, arbeitet als Gebrauchsgrafiker bis er 1962 Chefgrafiker bei dem Satiremagazin Pardon wird. Er zeichnet für Twen, Titanic, das Magazin der Wochenzeitung Die Zeit und veröffentlicht Cartoon-Bücher für Erwachsene und Bilderbücher.

 

F. K. Waechter nennt Wilhelm Busch und Saul Steinberg als seine großen Vorbilder. Sein zeichnerisches Werk umfasst etwa 34oo Arbeiten. Es befindet sich zusammen mit dem gesamten Nachlass im Deutschen Museum für Karikatur und Zeichenkunst Wilhelm Busch in Hannover.

 

Sein erstes Kinderbuch, Der Anti-Struwwelpeter, erscheint 1970 und ist geprägt von antiautoritären Strömungen in der Nachfolge der Studentenrevolution von 1968. Wie dieses Buch entstehen viele seiner frühen Kinder- und Bilderbücher im Kontext der Kinderladenbewegung. Häufig enthalten sie Spielanleitungen und Anregungen zum selbst bestimmten, vergnüglichen Spiel. Seine späteren großformatigen Bilderbücher wenden sich an Leser jeden Alters. Sie entstehen nach einer längeren Pause, in der er vor allem als Theaterautor und –regisseur arbeitet.

 

F.K.Waechter wird von gleichaltrigen wie jüngeren Zeichnern als eine Art zeichnender Philosoph beschrieben, als Erzähler, der Bild und Text als gleichbedeutendes Medium ansieht. So bewundert Tomi Ungerer beispielsweise F.K.Waechter, den Erzähler für Kinder und Erwachsene, der „mit Wort und Linie scharf und sanft“ zugleich sei.

 

 

Literatur/Links

Profil auf Wikiwand

 

F.K.Waechter, Manchmal „nicht ganz fertig“, Werkstattgespräch. Jahresgabe 2002. Freundeskreis des Instituts für Jugendbuchforschung, Frankfurt/M.

 

Waechters künstlerischer Nachlass befindet sich im Deutschen Museum für Karikatur und Zeichenkunst Wilhelm Busch, Hannover

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