Adolf von Menzel (1815 - 1905)

Das Kinderalbum

Hrsg. von Marie Riemann-Reyher
Berlin: Nicolai, 1997
Mit 44 farb. und zahlr. schw/w. Abb.
und ausführlichen Kommentaren zu sämtlichen Bildern
104 S., 25 x 25 cm, Ln

Eine sogen. Volksausgabe mit einer Auswahl von Bildern erschien erstmals 1912 in Leipzig.
Das Buch und seine Geschichte

Das Kinderalbum besteht aus 43 Blättern, die Menzel in den Jahren 1861 bis 1883 gemalt hat. In den letzten Jahren überarbeitet er wohl noch einige der frühen Blätter. Meist in Gouachetechnik ausgeführt, variieren sie im Format, in der Wahl der Perspektive, der Komposition und des Ausschnitts und betonen so die Qualität eines jeden Einzelbildes.

Belegt ist Menzels Absicht, jedes Jahr zum Geburtstag der Nichte Margarethe (geb. 1860) und des Neffen Otto (geb.1881), Kinder seiner Schwester Emilie, ein Blatt zu malen. Da die Blätter nur anfangs datiert sind, ist eine Zuschreibung bzw. Reihenfolge nicht zu bestimmen.

Die einzelnen Blätter stehen motivisch in keinem unmittelbaren Zusammenhang. Es finden sich vor allem Tierbilder, Hühner, Hund und Kälbchen, Enten, Fasane, ein Storch im Schilf, aber auch Zootiere wie Tiger und Bären. Fasziniert scheint der Maler besonders von exotischen Vögeln wie Kakadu, Ara oder Papagei, deren Gefieder er sich immer wieder widmet. Häufig nimmt er In seinen Bildern Skizzen auf, die er bei seinen Spaziergängen, oftmals zusammen mit den Kindern, im Berliner Tiergarten, im Zoologischen Garten und in der Sommerfrische auf dem Land angefertigt hat.

Die Bilder sind jedoch nicht direkt für die Kinderhände bestimmt, auch wenn die Widmung auf dem Deckblatt „Der Onkel den Kindern“ eindeutig zu sein scheint. Menzel befestigt die jeweils neu entstandenen Blätter im Notenschrank seines Vaters, der mit Glastüren versehen ist, wo die Kinder (und Erwachsenen) sie dann immer wieder anschauen können. Anschließend verwahrt er die Arbeiten in einer Mappe. Dies verdeutlicht Menzels Wertschätzung dieser Bilder, die er keineswegs als Nebenprodukte ansieht. Er bezeichnet diese Arbeiten mit dem Kunstwort „Albogen“, indem sowohl Album als auch Bilderbogen enthalten sind.

Kurzvita

Adolf von Menzel, geb. 1815 in Breslau, gest. 1905 in Berlin, gilt als bedeutender Vertreter des deutschen Realismus. Er arbeitet als Zeichner, Grafiker und Maler und erwirbt sich schon in jungen Jahren einen Ruf als Historienmaler.
Der Autodidakt feiert seinen ersten Erfolg 1840 mit 400 Holzschnitten zu Franz Kuglers „Geschichte Friedrich des Großen“. Seither wendet er sich verstärkt der Malerei zu und wird in den 50er Jahren bekannt mit Ölbildern vom preußischen Königshof. Zeit seines Lebens hat er gezeichnet und zahlreiche Skizzenbücher hinterlassen. Sie veranschaulichen seinen genauen Blick, seinen Sinn für Details und Besonderheiten ebenso wie sein Interesse an außergewöhnlichen Bildkompositionen, Ausschnitten und Blickwinkeln.

Eine Sonderstellung nimmt „Das Kinderalbum“ im umfangreichen Werk des Künstlers ein. Obwohl für Kinder gedacht, sind die Arbeiten unlösbar mit dem Gesamtwerk verbunden und werden auch vom Künstler, von Freunden und der Familie besonders wertgeschätzt. 1884 werden die 43 Blätter erstmals der Öffentlichkeit in einer Ausstellung in der Berliner National-Galerie vorgestellt und 1885 auch in Paris gezeigt. 1889 geht „Das Kinderalbum“ zusammen mit einem umfangreichen Konvolut des Künstlers an die Berliner National-Galerie. Hugo von Tschudi, der noch in Menzels Todesjahr 1905 eine große Ausstellung ausrichtet, hat sämtliche Bilder des „Kinderalbum“ mit Ausnahme des Titelblattes in seiner Werkausgabe abgebildet und sie so in den Gesamtzusammenhang gestellt. 1910 kommt posthum eine Auswahl von 25 Blättern in originalgroßen Lichtdrucken beim Leipziger E.A.Seemann Verlag heraus, zwei Jahre später erscheint eine kommentierte Volksausgabe.
In Paris erscheint eine franz. Ausgabe (um 1910) wahrsch. 1912, 1955 bei Seemann, 1986 bei Dausien. Die Originale des „Kinderalbum“ befinden sich heute im Berliner Kupferstichkabinett .

Literatur/Links

Werner Busch, Adolph Menzel. Leben und Werk.
München: Beck, 2005

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