Iela und Enzo Mari (1931 - 2014 / 1932 - 2020)

Der Apfel und der Schmetterling

München: Ellermann 1970, 2. Auflage 1971

[20] Bl., Tempera und Tusche, ohne Text

16,0 x 16,0 cm, Pd.

NA: Frankfurt/M.: Moritz, 2009

 

OA: La mela et la farfalla, Bompiani,1958,

Neuauflage: Emme Edizioni, Milano, 1969  

Das Buch und seine Geschichte

Mit vereinfachten Formen, klaren Strichzeichnungen und Farbkontrasten erzählt dieses Buch zwei sich bedingende Naturereignisse: die Metamorphose einer Raupe zum Schmetterling und das Vergehen und Neuentstehen des Apfels, in dessen Innerem das Ei des Schmetterlings zur Raupe heraunwächst. Gezeigt wird dies in mehreren, Zweidrittel der Buchseite beherrschenden Schnittzeichnungen. Außerhalb angekommen, verpuppt sich die Raupe, das Laub wird braun, fällt ab. Als die ersten kleinen grünen Blättchen wachsen, schlüpft der Schmetterling, fliegt zur Apfelblüte und bestäubt sie: Ein neuer Apfel entsteht.

Die klare, zeichenhafte Bildsprache dieses textlosen Bilderbuchs läßt zunächst an ein Sachbuch denken. Doch die Künstler gehen äußerst frei mit dessen zur damaligen Zeit traditionellen Gestaltungsformen um. Das großzügige Layout, der Umgang mit dem Bildraum, die Anordnung von Blättern, Zweigen, der Apfelblüte und des Schmetterlings und der Verzicht auf jedes erklärende Wort versetzt den Betrachter in Staunen. Der Faktor Zeit, durch den Wandel der Jahreszeiten verdeutlicht, und die Magie der vollkommen erscheinenden Form des Apfels öffnen ein Fenster ins Wunderbare. Dieses Buch ist sicherlich für die eigenen Kinder, damals wohl im Vorschulalter, entstanden.

Kurzvita

Enzo Mari, geboren 1932 in Novara, war Künstler, weithin bekannter Designer, Objektkünstler und Designtheoretiker in Mailand. Er besucht von 1952 bis 1956 die Accademia di Brera in Mailand. Seither arbeitet er in seinem eigenen Studio in Mailand und lehrt an verschiedenen Hochschulen. Anlass für die Beschäftigung mit Kinderbüchern sind die eigenen Kinder, deren Art der Wahrnehmung ihrer unmittelbaren Umwelt ihn fasziniert.1968 nimmt er an der Documenta 4 in Kassel und 1976 an der Biennale in Venedig teil. Mari ist mit vielen Designprodukten für bekannte Firmen wie Danese, Artemide, Zanotta, Alessi, KPM, Rosenthal bekannt geworden, die teilweise heute noch im Handel erhältlich sind. Bereits in den 50er Jahren widmet sich Mari zusammen mit seiner damaligen Frau Iela der Psychologie der visuellen Wahrnehmung. Er beginnt, verschiedene Gebrauchsgegenstände und Spielzeug für die Firma Danese, damals ein kleiner Betrieb für Kunsthandwerk, zu entwerfen.  

 

Iela Mari, geboren 1931 in Mailand, gestorben 2014. Auch sie studiert an der Accademia di Brera in Mailand. Iela Mari zeichnet nach der Trennung von Enzo Mari weiterhin Bilderbücher und lehrt am Europäischen Institut für Design in Mailand. 2010 ist ihr eine Retrospektive in Bologna gewidmet. Das Ehepaar Mari bekommt bereits im Alter von Anfang 20 zwei Kinder. Aufmerksam beginnen sie, die Art kleiner Kinder, die Welt kennen zu lernen und taktile und visuelle Erfahrungen zu machen, zu beobachten. Ein Kleinkind von zwei Jahren, so ihre Überzeugung, hat bereits eine Vorstellung von Raum, Bewegung und Wörtern und jede Erfahrung bringt eine neue Erkenntnis. So lerne das Kind denken. Diese Wahrnehmung setzen beide in Büchern und Enzo Mari auch in seinen Spielen um. Der jeweilige Anteil der beiden Künstler an den beiden hier vorgestellten, gemeinsamen Bilderbüchern ist nur annähernd zu erschließen.

Literatur/Links

Lire et Jouer avec Enzo Mari

46 S., 15,5 x15 cm, Ringheftung

Paris, Éditions les Trois Ourses, 2000

Begleitmaterial für die Ausstellung gleichen Titels, die die Editions Les Trois Ourses 2000 veranstaltet hat.

 

Iela Mari. Il mondo attraverso una lente (Die Welt durch eine Linse), Mailand, Babalibri 2010  

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