Friedrich Karl Waechter (1937 - 2005)

Der rote Wolf

Zürich: Diogenes, 1999
62 S., kol. Federzeichnung, Mischtechnik
28 x 22,5 cm, Pd., glanzkaschiert

„ ... das mich dann im Lauf der Zeit Geschichten anwehten, die direkt was mit mir zu tun hatten.“
Das Buch und seine Geschichte

Das Umschlagbild lässt Verwunderung aufkommen: Ziemlich mittig steht im oberen Drittel ein kleiner, kurzbeiniger, rötlich brauner Hund an einer Klippe und schaut in die Ferne. Ein Wolf? Erzählt wird in Text und Bild aus der Sicht dieses kleinen Hundes eine Geschichte von Flucht, Einsamkeit, Hunger, Überleben und Tod, von Freundschaft, Entwurzelung und Heimat. Waechter entwickelt sie mit scheinbar skizzenhaften Zeichnungen in unterschiedlichster Technik, Farbigkeit und Bildstruktur. Braun getönter Strich mit Pinsel oder Feder ausgeführt verbindet sich mit schraffierten und getuschten Flächen, mit sparsamen Umrisslinien skizzierte Figuren stehen detailliert ausgearbeiteten Tierporträts gegenüber. Diese bildliche Vielfalt korrespondiert mit der offenen Textgestalt, ist jedoch vor allem der komplexen Geschichte hinter der Geschichte geschuldet. Waechter erzählt in diesem Buch von der Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten, die zugleich Waechters persönliche Geschichte ist.

Kurzvita

Friedrich Karl Waechter, geboren 1937 in Danzig, heute Polen, gestorben 2005 in Frankfurt/Main, hat sich als Zeichner, Karikaturist und Cartoonist, Autor von Theaterstücken und Bilderbüchern einen Namen gemacht. Zusammen mit anderen Künstlern, darunter Robert Gernhardt und F.W.Bernstein, bildete er in den 1960er Jahren die Gruppe Neue Frankfurter Schule, die eine eigene Kultur der politischen Karikatur, des satirischen Cartoons und der unterhaltenden Nonsens-Zeichnung erfand.


Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs kommt Waechter mit seiner Familie in den Westen. Er zeichnet auf Feldpostpapier, später in Schulhefte, die eigenen und die seiner Freunde. Er besucht die Kunstschule Alsterdamm in Hamburg, arbeitet als Gebrauchsgrafiker bis er 1962 Chefgrafiker bei dem Satiremagazin Pardon wird. Er zeichnet für Twen, Titanic, das Magazin der Wochenzeitung Die Zeit und veröffentlicht Cartoon-Bücher für Erwachsene und Bilderbücher.

 

F. K. Waechter nennt Wilhelm Busch und Saul Steinberg als seine großen Vorbilder. Sein zeichnerisches Werk umfasst etwa 34oo Arbeiten. Es befindet sich zusammen mit dem gesamten Nachlass im Deutschen Museum für Karikatur und Zeichenkunst Wilhelm Busch in Hannover.

 

Sein erstes Kinderbuch, Der Anti-Struwwelpeter, erscheint 1970 und ist geprägt von antiautoritären Strömungen in der Nachfolge der Studentenrevolution von 1968. Wie dieses Buch entstehen viele seiner frühen Kinder- und Bilderbücher im Kontext der Kinderladenbewegung. Häufig enthalten sie Spielanleitungen und Anregungen zum selbst bestimmten, vergnüglichen Spiel. Seine späteren großformatigen Bilderbücher wenden sich an Leser jeden Alters. Sie entstehen nach einer längeren Pause, in der er vor allem als Theaterautor und –regisseur arbeitet.

 

F.K.Waechter wird von gleichaltrigen wie jüngeren Zeichnern als eine Art zeichnender Philosoph beschrieben, als Erzähler, der Bild und Text als gleichbedeutendes Medium ansieht. So bewundert Tomi Ungerer beispielsweise F.K.Waechter, den Erzähler für Kinder und Erwachsene, der „mit Wort und Linie scharf und sanft“ zugleich sei.

 

 

Literatur/Links

Profil auf Wikiwand

 

F.K.Waechter, Manchmal „nicht ganz fertig“, Werkstattgespräch. Jahresgabe 2002. Freundeskreis des Instituts für Jugendbuchforschung, Frankfurt/M.

 

Waechters künstlerischer Nachlass befindet sich im Deutschen Museum für Karikatur und Zeichenkunst Wilhelm Busch, Hannover

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