J.R.R. Tolkien (1892 - 1973)

Die Briefe vom Weihnachtsmann

Aus dem Englischen von Anja Hagemann

Stuttgart: Klett-Cotta,1977

[24] Bl., Illustr. in unterschiedl. Technik,

durchgehend farbig

28 x 22,5 cm, Pb.

 

OA , posthum: The Father Christmas Letters,

London: Allan & Unwin, 1976

Die Neuausgabe von 1999, deutsch 2005 (Klett-Cotta) enthält viele Briefe als Faksimile und zusätzliches Material.

 

Das Buch und seine Geschichte

Die Briefe, die Tolkien seinen Kindern in der Rolle des Weihnachtsmanns schreibt, sind ursprünglich nicht für eine Publikation vorgesehen. Die posthume Veröffentlichung gibt einen Teil der Brieftexte und Bilder wieder. Die zweite, umfangreichere Ausgabe von 1999 enthält die Brieftexte in der Originalfassung.

 

Der erste Brief kommt Weihnachten 1920, als sein erster Sohn John drei Jahre alt ist, der letzte datiert von 1938 (in der Neuauflage von 1943). Zu dieser Zeit sind die drei Söhne solchen Weihnachtsritualen entwachsen und auch Tochter Priscilla elf bzw. 14 Jahre alt. Tolkien zeichnet Briefmarken auf die Umschläge und schreibt mit krakeliger Schrift eindrucksvolle Adressen. Diese aufwendig verschlungene Schrift ist natürlich ein Kunstgriff, damit seine Kinder nicht die Handschrift ihres Vaters erkennen. Tolkien malt Bilder vom Nordpol, einem Eispalast, dem Renntiergespann und vom Helfer, dem tapsigen Polarbären. Manches Jahr hat der Weihnachtsmann viel zu viel zu tun, aber stets erwähnt er dankbar die Briefe seiner vier Kinder, die sie ihm geschrieben haben. Auch sorgt er sich, ob die Geschenke richtig sind. Vor allem aber lässt er mit Text und Bildern eine ferne Weihnachtswelt entstehen, wo Geschenke für jedes Kind ausgesucht, verpackt und auf die Reise geschickt werden. Im Laufe der Jahre erfindet Tolkien immer weitere Begleiter, einen Schneemann, einen alten Höhlenbären, freundliche Elben, freche Kobolde und die Neffen des Polarbären, die nichts als Unsinn vorhaben. Manch kleine Fantasie hat sich sicherlich aus seinem „Mittelerde-Kosmos“ in die Briefe hineingeschlichen, z.B. der Elb Ilbereth, der später als Erster Sekretär den Weihnachtsmann tatkräftig unterstützt. Auch spart Tolkien nicht mit Zeitbezügen, wenn er ab 1939 Krieg und Leid der Menschen erwähnt.

 

Diese “Briefe vom Weihnachtsmann“ sind zwar im eigentlichen Sinn kein Bilderbuch, doch ihr wunderbar liebevoller Tenor, ihre über viele Jahre fortgesetzte Geschichte in Text und Bild bilden ein eindrucksvolles Zeugnis für „Kunst für Kinder“.

Kurzvita

J.R.R.Tolkien (John Ronald Reuel Tolkien), geboren 1892 in Bloemfontein, Südafrika, gestorben 1973 in Bournemouth, Großbritannien, gilt als bekanntester Vertreter und „Urvater“ der modernen phantastischen Literatur.

 

Tolkien kommt 1895 nach England. Bereits als Junge beginnt er intensiv zu zeichnen, absolviert aber nie eine künstlerische Ausbildung. Er studiert klassische und englische Philologie in Oxford. Ab 1920 lehrt er in Leeds, von 1925 bis 1959 in Oxford. Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit schreibt er literarische Texte und illustriert sie selbst. Seine bekanntesten Bücher sind „The Hobbit or There and Back Again“, 1937, und „The Lord of the Rings“, 1954/55, die jeweils in mehr als 40 Sprachen übersetzt werden. Beide Bücher fußen auf seinen anhaltenden Studien alter Sprachen und Quellen, die ihn zur Entwicklung eines eigenen mythologischen Kosmos führen. Das als Kinderbuch geschriebene „The Hobbit“ versieht Tolkien ebenso mit eigenen Zeichnungen wie seine anderen für Kinder geschriebenen Texte.

Literatur/Links

Wayne G. Hammond, Christina Scull: J.R.R.Tolkien. Der Künstler, Stuttgart: Klett-Cotta, 1996

Wayne G. Hammond, Christina Scull: J.R.R.Tolkien Companion and Guide, 3 vols. London: Harper Collins, rev. ed., 2017 

 

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