Wolf Erlbruch (geb. 1948)

Die große Frage

Wuppertal: Hammer, 2004

[26] Bl., Mischtechnik, Collage, Zeichnung,

29,8 x 17,5 cm, farb. Pd.

 

OA: La Grande Question. Paris: Éditions Être, 2003

Das Buch und seine Geschichte

Dieses schmale, hochformatige Bilderbuch besteht aus vielen Antworten, die Bruder, Schwester, Katze, Hund, Ente, Vogel, aber auch der dicke Mann, die Großmutter, ein Matrose, ein Stein und viele mehr geben auf die nicht gestellte Frage: warum bin ich auf der Welt? Jede Doppelseite weist eine kurze Textzeile und die jeweilige Figur auf. Wir sehen einen Piloten in einem schräg nach oben fliegenden Flugzeug bei dem Versuch, eine Wolke zu küssen, den dicken Mann, der mit seinem massigen Körper zwei Drittel der Doppelseite füllt, der natürlich meint, man sei zum Essen auf der Welt. Der Tod findet: „Du bist auf der Welt, um das Leben zu lieben.“ Der riesige Stein mitten auf der Doppelseite gibt die nicht weniger philosophische Antwort: “Du bist da, um da zu sein.“

 

Der Leser blättert durch eine Abfolge plakativ gestalteter Motive, geprägt von geschnittenen Umrissen und einfarbigen oder leicht gemusterten Flächen. Mit dieser Collagetechnik, den gebrochenen, wiederkehrenden Farbwerten und der abwechslungsreichen Folge von freien Flächen und Figuren steigert Erlbruch die Assoziationskraft seiner Bilder. Sie lassen Raum für eigene Vorstellungen und dank der Übertreibung oder Verknappung der Form zielen sie auf mögliche weitere Fragen oder Antworten auf die große Frage.

Kurzvita

Wolf Erlbruch, geb. 1948 in Wuppertal, lebt bis heute dort als Zeichner, Grafiker, Illustrator und Autor. Bis 2011 lehrte er Illustration, zuletzt an der Folkwang Hochschule der Künste in Essen. Er gilt in Deutschland als Erneuerer der Kinderbuchillustration der 90er Jahre. Mit teils ungewöhnlich knappen, oft collagierten Zeichnungen und Assemblagen kreiert er einen neuen Stil plakativer Bildgestaltung, der zahlreiche seiner Schüler beeinflusste.

 

Nach einem Grafik-Design-Studium an der Folkwangschule für Gestaltung in Essen arbeitet er seit 1974 als Illustrator für Magazine und für Werbeaufträge, gestaltet Plakate und Buchumschläge. 1984 illustriert er sein erstes Kinderbuch, nachdem er selbst Vater geworden ist. Mit den Illustrationen zu seinem zweiten Buch „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“ mit einem Text von Werner Holzwarth erzielt er 1989 große Aufmerksamkeit, was möglicherweise auch dem ungewöhnlichen Thema geschuldet ist. Das Buch zählt zu den zeitgenössischen Bilderbuchklassikern, erschien in mehr als 30 Sprachen und erreichte eine Auflage von über einer Million Exemplare.Seit diesem Erfolg widmet Wolf Erlbruch sich neben seiner Lehrtätigkeit intensiv der Kinderbuchillustration und schreibt auch eigene Texte. Erlbruch sieht sich selbst als Illustrator, empfindet jedoch seinen Zugang zum Text als autonomen Vorgang, der eigengesetzliche, dem Künstlerbuch verwandte Arbeitsweisen freisetzt.

 

Wolf Erlbruch wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, zuletzt 2017 als erster deutscher Illustrator mit dem Astrid Lindgren Memorial Award, dem höchstdotierten internationalen Kinderbuchpreis.

Literatur/Links

Kinderliteratur im Gespräch – Wolf Erlbruch: Ein postmoderner Künstler? in: Lesezeichen. Mitteil. des Lesezentrums der PH Heidelberg, 15, 2004, S.25-56

 

Benedikt Erenz. Ich habe geglotzt wie ein Schaf. Interview mit Wolf Erlbruch, in: Die Zeit, 14.6.2017

 

Andreas Platthaus: Wer vom Sterben erzählt, muss das schlicht tun. in: FAZ, 9.6.2007

 

Andreas Platthaus: Aus dem kleinen, feinen Reingarnichts, in: FAZ, 5.4.2017

 

Vom kleinen Maulwurf und anderen Helden. Bilderbuchillustrationen von Wolf Erlbruch. Ausstellungskatalog Bilderbuchmuseum der Stadt Troisdorf, 1999

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