Wolf Erlbruch (geb. 1948)

Die Katzen von Kopenhagen

Text von James Joyce
Deutsch von Harry Rowohlt
München: Hanser, 2013
{16] Bl., Farbkreide,
24,7 x 28,3 cm, farbiger Pd.

Der englische Textes a. d. Jahr 1936 wird erstmals 2012 in Dublin von der Ithys Press, 2012, veröffentlicht
Das Buch und seine Geschichte

Vom Cover des Buches blickt ein strenger Herr mit runden Brillengläsern, Schnauzbart, kräftigem Kinn und Hut. Der literarisch versierte Erwachsene erkennt den berühmten irischen Autor James Joyce. Kindern mag sich die Frage stellen, was es mit dem eigenwilligen Porträt auf sich haben mag, zumal in Verbindung mit dem Buchtitel „Die Katzen von Kopenhagen“. Das Rätsel löst sich auf der ersten Seite. Wir sehen den älteren Herrn als Briefschreiber vor einem leeren Blatt. Es geht also um eine Brieferzählung in Bildern. Wolf Erlbruch hat den skurrilen Text beim Wort genommen und ihm mit bunten Kreiden scheinbar einfache Strichzeichnungen zugesellt.

 

In einem Interview beschreibt Erlbruch seine Vorgehensweise beim Illustrieren.“ Ich muss genau diesen Text in Stücke schneiden und sehen, was ich als Zeichner für ihn tun kann. Auch wenn Text und Illustration zusammenkommen, hat doch jedes seine eigene Spielregel.“( Lesezeichen, S.7)

 

Bei diesem Text handelt es sich um einen erstmals in Dublin 2012 veröffentlichten Brief des Großvaters James Joyce an seinen vierjährigen Enkel Stephen. Erlbruch gestaltet eine Folge verschieden großer Blätter, die den Eindruck vermitteln, der Briefschreiber selbst habe sie als Bilderzählung auf unterschiedlich große Papiere gezeichnet, die gerade zur Hand waren. Diese variable Seitengestaltung entspricht den erstaunlichen Berichten über Polizisten, die im Bett rauchen und Buttermilch trinken, rotgekleidete Jungen, die Briefe per Fahrrad zustellen und Katzen, die der Großvater das nächste Mal mit nach Kopenhagen nehmen will. Die Genese dieses Buches weist noch eine Besonderheit auf: In der SZ vom 11./12.04.2015 finden sich Abbildungen von surrealistischen Collagen, die Erlbruch zunächst gestaltet hat, jedoch verwirft, nachdem er feststellt, dass der Brieftext sich an ein kleines Kind richtet.

Kurzvita

Wolf Erlbruch, geb. 1948 in Wuppertal, lebt bis heute dort als Zeichner, Grafiker, Illustrator und Autor. Bis 2011 lehrte er Illustration, zuletzt an der Folkwang Hochschule der Künste in Essen. Er gilt in Deutschland als Erneuerer der Kinderbuchillustration der 90er Jahre. Mit teils ungewöhnlich knappen, oft collagierten Zeichnungen und Assemblagen kreiert er einen neuen Stil plakativer Bildgestaltung, der zahlreiche seiner Schüler beeinflusste.

 

Nach einem Grafik-Design-Studium an der Folkwangschule für Gestaltung in Essen arbeitet er seit 1974 als Illustrator für Magazine und für Werbeaufträge, gestaltet Plakate und Buchumschläge. 1984 illustriert er sein erstes Kinderbuch, nachdem er selbst Vater geworden ist. Mit den Illustrationen zu seinem zweiten Buch „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“ mit einem Text von Werner Holzwarth erzielt er 1989 große Aufmerksamkeit, was möglicherweise auch dem ungewöhnlichen Thema geschuldet ist. Das Buch zählt zu den zeitgenössischen Bilderbuchklassikern, erschien in mehr als 30 Sprachen und erreichte eine Auflage von über einer Million Exemplare.Seit diesem Erfolg widmet Wolf Erlbruch sich neben seiner Lehrtätigkeit intensiv der Kinderbuchillustration und schreibt auch eigene Texte. Erlbruch sieht sich selbst als Illustrator, empfindet jedoch seinen Zugang zum Text als autonomen Vorgang, der eigengesetzliche, dem Künstlerbuch verwandte Arbeitsweisen freisetzt.

 

Wolf Erlbruch wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, zuletzt 2017 als erster deutscher Illustrator mit dem Astrid Lindgren Memorial Award, dem höchstdotierten internationalen Kinderbuchpreis.

Literatur/Links

Kinderliteratur im Gespräch – Wolf Erlbruch: Ein postmoderner Künstler? in: Lesezeichen. Mitteil. des Lesezentrums der PH Heidelberg, 15, 2004, S.25-56

 

Benedikt Erenz. Ich habe geglotzt wie ein Schaf. Interview mit Wolf Erlbruch, in: Die Zeit, 14.6.2017

 

Andreas Platthaus: Wer vom Sterben erzählt, muss das schlicht tun. in: FAZ, 9.6.2007

 

Andreas Platthaus: Aus dem kleinen, feinen Reingarnichts, in: FAZ, 5.4.2017

 

Vom kleinen Maulwurf und anderen Helden. Bilderbuchillustrationen von Wolf Erlbruch. Ausstellungskatalog Bilderbuchmuseum der Stadt Troisdorf, 1999

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