Peter Sís (geb.1949)

Die Konferenz der Vögel

Deutsch von Brigitte Jakobeit
Hamburg: Aladin, 2013
26 x 18,5 cm, Mischtechnik, Federzeichnung, Aquarell,
durchgehend illustriert
[160] Bl., Pd., farb.

 

OA: The Conference of the Birds, London: Penguin, 2011

“Love loves difficult things. We’re on our way.”
Das Buch und seine Geschichte

Diesem umfangreichen Buch, das formal nicht dem Typus Bilderbuch entspricht und doch ein Künstlerbuch ist, liegt ein persisches Versepos aus dem 12. Jahrhundert zugrunde. Der Mystiker Fariduddin Attar erzählt darin von der Suche einer Gruppe Vögel nach ihrem wahren König, dem mythischen Fabelwesen Simorgh. Peter Sis hat daraus eine poetische Bild- und Texterzählung gestaltet, die von Seite zu Seite eine fantastische Welt entfaltet.

 

Wir verfolgen die geheimnisvolle Reise der Vögel, die Sis sowohl in Einzelbildern als auch in immer neuen Bildern in der unüberschaubaren Menge vorstellt. Der Vogelschwarm überquert auf seinem Flug sieben Täler, muss Gefahren bestehen, Hindernisse überwinden, Furcht, Hunger und Elend bezwingen, bis schließlich eine kleine Gruppe von 30 Vögeln zum Berg Kaf kommt und dort erkennt, dass sie selbst der Vogelkönig sind. Für jedes der Täler, das für eine bestimmte Herausforderung steht, findet der Künstler eine andere Farbe, ein anderes Symbol, eine überraschende Aufsicht auf eine fantastische Landschaft, eine andere Bildgestalt mit gerahmten Motiven oder randlos, scheinbar unbegrenzte Weite andeutend.

 

Häufig findet sich das Symbol eines Irrgartens in Kreisform, immer wieder anders, doch gleich in der Bedeutung. Die (Lebens-)Reise gleicht einem Kreis ohne Anfang und ohne Ende, sie führt die Vögel zu sich selbst – dieser uralten Weisheit verleiht Sis mit seinem „Bildergedicht“ eindrucksvoll Ausdruck. Am Ende des Buches schreibt Sis, dass er, seit er sich erinnern kann, fliegende Vögel gezeichnet habe, sein (verstecktes) Symbol für die ersehnte Freiheit im kommunistischen Prag. Mit diesem Buch erzählt er einmal mehr von sich selbst.

Kurzvita

Peter Sís, geboren 1949 in Brünn, Tschechien, lebt als international bewunderter Illustrator, Grafiker, Autor  und Gestalter von Trickfilmen nördlich von New York City.

 

Sís wächst im kommunistischen Prag in einem Künstlerhaushalt auf, studiert von 1968 bis 1974 an der Kunstgewerbeschule in Prag Filmgrafik und gestaltet anschließend eine Reihe von Trickfilmen, die große Aufmerksamkeit erzielen. Nach seiner Teilnahme am Trickfilmfestival in Los Angeles kehrt er 1982 nicht nach Prag zurück. Seit 1984 lebt er in New York und bestreitet seinen Lebensunterhalt zunächst mit Illustrationsaufträgen für Zeitungen wie die New York Times, die Washington Post und Zeitschriften wie Time Magazine, Forbes oder Newsweek. Erste Bilderbücher erscheinen. Mit The Three Golden Keys, seinem Erinnerungsbuch an seine Heimatstadt Prag für seine kleine Tochter Madeleine gelingt ihm 1994 der Durchbruch als Kinderbuchautor und –illustrator. Insgesamt hat er mehr als 60 Kinderbücher illustriert, die in über 20 Sprachen übersetzt werden. Für viele von ihnen schreibt er auch die Texte und entwickelt seine viel bewunderte Art der Erzählung mit Bildern und Text.

 

Seit längerem fühlt sich Peter Sís auch dem Großformat verbunden. Er gestaltet Wandbilder und Mosaike für öffentliche Gebäude, darunter ein Mosaikbild für eine New Yorker U-Bahnstation (86th Street). Zuletzt sind Wandteppiche zum Thema Menschenrechte entstanden für Art for Amnesty, die im Winter 2017/18 im Civil Rights Institute in Birmingham, Alabama, in einer Ausstellung gezeigt werden.

 

Peter Sís wird mit vielen Auszeichnungen geehrt, zunächst für einzelne Bücher, darunter auch 1999 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis für "Tibet – Das Geheimnis der roten Schachtel". 2003 erhält er das in den USA hoch angesehene Stipendium MacArthur Fellowship einer Stiftung, die jährlich Kreative und Wissenschaftler auszeichnet. Schließlich erlangt er mit der Hans-Christian-Andersen-Medaille, die IBBY, die weltweit tätige internationale Kinderbuchorganisation, ihm im Jahre 2013 verleiht, große internationale Anerkennung. Zuletzt ehrten ihn das Eric Carle Museum in Amhurst, Illinois, mit der Retrospektive "The Picture Book Odyssey of Peter Sís", 2019 und das Prager DOX Art Center mit der Ausstellung "On Flying and other Dreams" 2019/20.

Literatur/Links

https://www.theatlantic.com/entertainment/archive/2011/11/peter-sís-tackles-the-adult-picture-book-in-conference-of-the-birds/247727/

Interview auf Riverart.org

Tapestries for Civil Rights 

www.dox.cz/ Peter Sís. On flying and other dreams, Exhibition, Prague 2019/20

 

Constance Vidor, Peter Sís. Artist of Freedom, In: Bookbird, Vol. 50, No.4, 2012


Barbara Scharioth, Peter Sís, A Quest for a Life in Truth, In: Bookbird, Vol. 47, No.3, 2009


Peter Sís, My Life with Censorship, In: Bookbird, Vol.47, No.3, 2009

 

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