Friedrich Karl Waechter (1937 - 2005)

Die Mondtücher

Ein Märchen
Zürich: Diogenes, 1988
[24] Bl., kol. Federzeichnung
28 x22,5 cm, Pd., glanzkaschiert

„Ich mache diese Bücher für mich und ich sehe nicht ein, dass Bücher, nur weil sie mit Bildern erzählt werden, automatisch für Kinder sind.“
Das Buch und seine Geschichte

In diesem Buch spielt Waechter mit Märchenmotiven. Der Text ist im Tenor dem des 19.Jahrhunderts angelehnt, die Figuren und Motive sind aus den europäischen Märchenfundus vertraut: ein Königssohn, der seine Königin finden will, ein Schloss und eine Kröte, die häufig als guter Geist oder Schatzhüterin fungiert. Der Affe indes entstammt eher dem außereuropäischen Sagen- und Mythenschatz. Waechter nutzt diesen Kontrast, um das Vertraute mit dem Fremden zu verbinden, das in seine Märchenwelt eindringt. Als Schiffbrüchiger wickelt der Affe sich in die golddurchwirkten Tücher der Kröte ein, die diese auf den Felsen der Küste ausbreitet. So gewandet gelangt der Affe in das Schloss, die Kröte versteckt sich ebenfalls unter den flatternden Tüchern. Und wie es im Märchen so kommt, tanzt der Königssohn mit der hinter einem Fächer versteckten Kröte und sie verwandelt sich in ein schönes Mädchen.

 

Waechter zeichnet doppel- und ganzseitige Bilder in altmeisterlicher Schraffurtechnik und mit sparsamem Kolorit. Die historisierenden Motive, ein altes Segelschiff im Kampf mit riesigen Wellenbergen, ein klassisch dekorierter Torbogen als Schlosseingang, eine romanische Gewölbehalle und die ritterliche Kostümierung der Figuren bilden zusammen ein Märchenpanorama, das jedoch vielfach gebrochen wird durch die Eigenart der Bildfolge. Es sind Einzelbilder, die jeweils eigene Assoziationen freisetzen. Das Innen und Außen der Räume verbindet sich ebenso wie die Empfindungen und Gefühle der Figuren im Betrachter.

Kurzvita

Friedrich Karl Waechter, geboren 1937 in Danzig, heute Polen, gestorben 2005 in Frankfurt/Main, hat sich als Zeichner, Karikaturist und Cartoonist, Autor von Theaterstücken und Bilderbüchern einen Namen gemacht. Zusammen mit anderen Künstlern, darunter Robert Gernhardt und F.W.Bernstein, bildete er in den 1960er Jahren die Gruppe Neue Frankfurter Schule, die eine eigene Kultur der politischen Karikatur, des satirischen Cartoons und der unterhaltenden Nonsens-Zeichnung erfand.


Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs kommt Waechter mit seiner Familie in den Westen. Er zeichnet auf Feldpostpapier, später in Schulhefte, die eigenen und die seiner Freunde. Er besucht die Kunstschule Alsterdamm in Hamburg, arbeitet als Gebrauchsgrafiker bis er 1962 Chefgrafiker bei dem Satiremagazin Pardon wird. Er zeichnet für Twen, Titanic, das Magazin der Wochenzeitung Die Zeit und veröffentlicht Cartoon-Bücher für Erwachsene und Bilderbücher.

 

F. K. Waechter nennt Wilhelm Busch und Saul Steinberg als seine großen Vorbilder. Sein zeichnerisches Werk umfasst etwa 34oo Arbeiten. Es befindet sich zusammen mit dem gesamten Nachlass im Deutschen Museum für Karikatur und Zeichenkunst Wilhelm Busch in Hannover.

 

Sein erstes Kinderbuch, Der Anti-Struwwelpeter, erscheint 1970 und ist geprägt von antiautoritären Strömungen in der Nachfolge der Studentenrevolution von 1968. Wie dieses Buch entstehen viele seiner frühen Kinder- und Bilderbücher im Kontext der Kinderladenbewegung. Häufig enthalten sie Spielanleitungen und Anregungen zum selbst bestimmten, vergnüglichen Spiel. Seine späteren großformatigen Bilderbücher wenden sich an Leser jeden Alters. Sie entstehen nach einer längeren Pause, in der er vor allem als Theaterautor und –regisseur arbeitet.

 

F.K.Waechter wird von gleichaltrigen wie jüngeren Zeichnern als eine Art zeichnender Philosoph beschrieben, als Erzähler, der Bild und Text als gleichbedeutendes Medium ansieht. So bewundert Tomi Ungerer beispielsweise F.K.Waechter, den Erzähler für Kinder und Erwachsene, der „mit Wort und Linie scharf und sanft“ zugleich sei.

 

 

Literatur/Links

 http://www.fkwaechter.de/home.html 

 

F.K. Waechter, Manchmal „nicht ganz fertig“ Werkstattgespräch. Jahresgabe 2002. Freundeskreis des Instituts für Jugendbuchforschung, Frankfurt/M.
 
Collection Caricature and Design of the Museum Wilhelm Busch, which holds the artistic estate of K.F. Waechter - https://www.karikatur-museum.de/en/collection-caricature-and-design/ 

Waechters künstlerischer Nachlass befindet sich im Deutschen Museum für Karikatur und Zeichenkunst Wilhelm Busch, Hannover

Zurück zur Sammlung