Shaun Tan (geb. 1974)

Die Regeln des Sommers

The Rules of Summer

Aus dem Engl. von Eike Schönfeld

Hamburg: Aladin, 2014

[26] Bl., Acryl, Öl auf Papier u. Ln.

27,5 x 30,5 cm, Pd., farbig

 

OA: The Rules of Summer, Sydney: Lothian, 2013

...” Bilderbücher– sie sind ein narratives Medium, das Text, Bild und Design vereint und sich für die Umsetzung bestimmter Themen und Ideen bestens eignet.“
Das Buch und seine Geschichte

Mit einer digitalen App zu diesem Buch hat Tan ein multimediales Experiment unternommen, das neben den Bildern weitere Zeichnungen und Musik enthält.

 

Dieses nahezu quadratische Bilderbuch kommt mit wenigen Textzeilen aus. Jeweils zu einem randlosen, sich über das Seitenformat ausdehnenden Bild, manchmal auch eine ganze Doppelseite ausfüllend, steht eine kurze Zeile. „Nie eine rote Socke auf der Wäscheleine hängen lassen“ heißt es da zum Beispiel. Das zugehörige Bild zeigt ein zwischen hohen Bretterzäunen kauerndes, rotes Kaninchen, davor zwei kleine eng zusammen gedrängte Jungen. An einer Wäscheleine hängt die rote Socke, im Hintergrund Teile eines Fabrikkomplexes. Es folgen eine Reihe fantastischer Szenen, beispielweise zwei Jungen jeweils hoch oben auf Wasserspeichern, wie sie auf Hausdächern zu finden sind. Die Kinder versuchen, dort oben mit Schmetterlingsnetzen bunte Insekten zu fangen. Dem kleineren Jungen fällt das Schraubglas herunter. Dazu lesen wir: Nie eine Glas fallen lassen.

 

Beim Weiterblättern wird immer deutlicher. Es geht um zwei Jungen, ihre Beziehung zu einander und ihre Umwelt, die von Sommersonne und grauer Vorstadtödnis geprägt ist, aber auch um ihre Träume, Ängste und Abenteuerlust. Die überraschenden Bilder und Sujets, häufig mit grobem Pinselstrich gemalt und als größere Formate entstanden, wirken wie eigenständige Werke und bilden doch ein formales Ganzes. Am Schluss nach einer Reihe fantastischer Szenerien findet sich der Satz: Immer den Heimweg kennen. Zwei Seiten weiter sitzen die beiden Jungen gemütlich vor dem Fernseher, daneben steht die lapidare Kurzformel: „Das wär’s.“ Auf seiner Website reflektiert Tan seine Bilderzählung folgendermaßen: Jedes Bild könnte als Kapitel eines ungeschriebenen Märchens angesehen werden, das sich erst in der Fantasie des Lesers entwickelt, etwas, das dem Bilderbuch sehr gut entspricht. (mündl., September 2013)

Kurzvita

Shaun Tan, geboren 1974 in Perth / Westaustralien, lebt als Maler, Autor, Zeichner und Bilderbuchkünstler in Melbourne.


Tan studiert Kunst und Englische Literatur an der University of Western Australia mit Abschluss 1995. Seinen eigenen Aussagen zufolge war das Studium eher theoretischer Natur, seine künstlerischen Fertigkeiten erarbeitet er sich bereits als Schüler und später als Student, indem er Beiträge für kleinere Science Fiction Magazine fertigt und in der Zusammenarbeit mit anderen Künstlern Grundsätzliches über Illustration und Zeichnung lernt. Für ihn ist Zeichnen eine eigene Form des Denkens. Und: „Meine Geschichten beginnen zumeist weniger mit Worten als mit Bildern, mit bescheidenen, ziemlich ziellosen Skizzen“, die ihm oft selbst als seltsam formulierte Fragen erscheinen. Mit seinem textlosen Bilderbuch „The Arrival“, 2006, wird er international bekannt. 2011 wird er, gerade einmal 37 Jahre alt, mit dem Astrid Lindgren Memorial Award ausgezeichnet, der als “kleiner Nobelpreis“ angesehen wird.

Literatur/Links

Offizielle Homepage

 

Blog von Shaun Tan

 

Shaun Tan, Skizzen aus einem namenlosen Land. Die Kunst von Ein neues Land, Hamburg: Carlsen, 2011 (OA: 2010)

 

Bookbird 4/2011, Vol.49, S.1-23

 

Shaun Tan. Bücher & Bilder/ Books & Images Ausstellungskatalog Hrsg.: Maria Linsmann, Troisdorf: Burg Wissem 2009

 

The Lost Thing. A Short Animated Film, Passion Pictures and Screen, Australia, 2010

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