Arik Brauer (1929 - 2021)

Die Ritter von der Reutenstopf

Wien: Annette Betz, 1987
[12 ] Bl., 10 ganzs. Farbbilder
3o x 21 cm, Pb. mit Schutzumschlag

"Meine Malerei ist eine erzählerische."
Das Buch und seine Geschichte

Brauer erzählt mit märchenhaften Texten und Bildern von der Bedrohung und Rettung einer Landschaft. Den fantastischen, bunten Gestalten auf den Bildern, die ganz im Stil von Brauers freier Malerei gehalten sind, stellt der Künstler Wortschöpfungen und Fantasiebezeichnungen zur Seite. Ein angehängtes Glossar hilft bei der Entschlüsselung, ebenso wie der Hinweis, dass Brauer sich im Dezember 1984 an der Seite von Umweltschützern für die Rettung eines Donaulandstrichs eingesetzt hat. Die Au von Reutenstopf sollte einem Donaukraftwerk zum Opfer fallen. Es konnte verhindert werden.

 

Zwei Bilder widmet er einem riesigen Betonklotz, der die Landschaft verstellt. Seine Protestler, im Text als Ritter bezeichnet, sind bunt gekleidete Figuren mit eindrucksvoll hoch stehenden, grünen Blattgebilden auf dem Kopf als eine Art Helm. Ein riesiger Knüppel schaut aus einem grünen fliegenden Sack heraus. Als er zuschlägt, sieht man den Sack als menschliche Bekleidung. Bedrohung zeigt Brauer ambivalent. Sie hat sowohl etwas Dunkles als auch Spielerisches, etwas Ernstes als auch Komisches.

 

Dieses Buch entspricht Brauers künstlerischem Credo, sich mit fantastischen Formen und üppigen Farbkontrasten an das Mitempfinden der Betrachter zu wenden und deren je eigene „Lesart“ anzuregen. „Meine Malerei ist eine erzählerische“, sagt Brauer. So entfaltet er auch diese Geschichte in einem fantastischen Kosmos in dem festen Vertrauen, das sein Publikum, ob klein oder groß, seinem künstlerischen Impetus folgt.

Kurzvita

Arik Brauer, geb. 1929 in Wien, gestorben 2021 ebenda, lebte dort und in Israel als Maler, Grafiker, Bühnenbildner, Sänger, Dichter und Architekt. Er war Mitbegründer der Wiener Schule des Phantastischen Realismus.

 

Brauer studiert von 1945 bis 1951 an der Wiener Akademie der Bildenden Künste und ab 1947 auch Gesang an der Musikschule Wien. Nach Wanderjahren und längerem Aufenthalt in Paris lebt er seit 1964 in Israel und Wien. Von 1986 bis 1997 ist er Hochschullehrer an der Akademie der Bildenden Künste. Verschiedene große Ausstellungen machen ihn international bekannt, z.B. 1953 bis 1965 eine große Wanderausstellung mit Künstlern der Wiener Schule. In seinem umfangreichen malerischen und musikalischen Werk nimmt er häufig Bezug auf aktuelle Ereignisse, freilich auf eher verschlüsselte Weise. Dies zeigt sich auch in seinem einzigen Bilderbuch.

Literatur/Links

Offizielle Homepage

 

https://www.youtube.com/watch?v=ef2Bzfeqtqs Interview with the artist (in German)

 

Alexandra Matzner, Kuratorin der Ausstellung im Leopold Museum, über Arik Brauer auf ArtinWords.de

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