William Steig (1907 - 2003)

Doktor De Soto

Aus dem Englischen von Barbara Haupt
Frankfurt/Main: Insel Taschenbuch, 1989
[20] Bl., kol. Federzeichnung
17,8 x 12,5 cm, Pb.

 

OA: Doctor De Soto 

New York: Farrar, Straus & Giroux, 1982

Das Buch und seine Geschichte

Diese Geschichte vom Mäusezahnarzt und seiner Frau, die eines Tages die Behandlung eines für sie gefährlichen Patienten, einen Fuchs, aus Mitleid nicht ablehnen können, gehört zu den hierzulande bekanntesten Büchern Steigs.

 

Große Tiere stellen stets eine besondere Herausforderung für den kleinen Zahnarzt dar, und im Maul eines natürlichen Feindes zu hantieren, erfordert äußerste Mittel. Dr. De Soto rettet sein Leben, indem er, bevor der von Schmerzen befreite Fuchs zubeißen kann, das Gebiss des Tieres mit einem Klebemittel bestreicht, das ihm das Maul für einige Zeit verschließt. Steig variiert in diesem Buch nahezu alles, was Groß und Klein im Zusammenhang mit einer Zahnarztvisite
vor Augen hat. Doch nicht der Patient hat Angst, sondern der Doktor.

 

Die Bilder wechseln häufig die Perspektive. Mal schauen wir angstvoll von oben auf die Straße, dann in das Maul eines Tieres, wir sehen den Arzt oben auf der Leiter, dann arbeiten die beiden winzigen Mäuse unten an der Kurbel eines Flaschenzugs, um den faulen Zahn zu ziehen.

 

Schmunzelnd lernen wir zum Schluss: der listige Fuchs ist von dem freundlichen Zahnarztpaar überlistet worden – und wie!

Kurzvita

William Steig, geboren 1907 in Brooklyn, New York, gestorben 2003 in Boston, vom Newsweek Magazine 1995 zum König des Cartoons gekürt, wird seit dem Ende der 60er Jahre auch mit vielfach ausgezeichneten Bilder- und Kinderbüchern bekannt.

 

Aufgewachsen in bescheidenen Verhältnissen als Sohn polnischer Immigranten in der Bronx, lernt er von 1925 bis 1929 Zeichnen an der National Academy of Graphic and Design in New York. Bereits 1930 kann er einen ersten Cartoon beim New Yorker unterbringen. Bis zu seinem Tod hat er mehr als 1600 Cartoons und etwa 120 Titelblätter für das bis heute angesehene, intellektuelle Stadtmagazin gezeichnet. John Updike sagte über ihn, dass seine Cartoons nicht nur einen Scherz visualisieren, sondern uns dazu bringen, über die Natur der Realität, die uns umgibt, nachzudenken.
Steig entwickelt in den 30er Jahren seinen Stil der vielschichtigen Zeichnung, die humorvoll, gelegentlich auch ironisch-bissig, Seelenzustände und Emotionen veranschaulicht und für viele nachfolgende Zeichner zum Vorbild wurde.
Seit Ende der 1930er Jahre veröffentlicht er eine Reihe von Cartoonbänden, ehe er sich mit bereits 60 Jahren eher zufällig dem Bilderbuch zuwendet und seither über 30 Titel herausbringt. Weltweit wird er bekannt durch den animierten 3D-Film und in der Folge einer Serie von Computerspielen nach seinem Bilderbuch Shrek!, 1990.

 

Steig sagt von sich, er habe stets eine enge Bindung zu dem Kind in sich gehabt, und auch viele seiner frühen Cartoons beziehen Kinder mit ein. Seine besondere Bewunderung gilt Pablo Picasso, den er einmal wie folgt zitiert: “All children are artists. The problem is how to remain an artist once we grow up.“ Dass Steig seine Bilderbücher als Teil seiner Kunst versteht, macht folgendes Zitat aus seiner Rede anlässlich der Auszeichnung mit der Caldecott Medal für “Sylvester and the Magic Pebble“,1969, deutlich: Art has the power to make any spot on earth the living center of the universe.” 

Literatur/Links

Und dann fange ich an, Unfug zu treiben.

William Steig zum 90.

Hildesheim: Gerstenberg, 1997

 


Claudia J. Nahson: The Art of William Steig,

Jewish Museum, New York, 2007

New Haven and London: Yale University Press, 2007

 


Lee Lorenz, The World of William Steig,

Artisan, 1998

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