André Hellé (1871 – 1945)

Drôles de Bêtes

(Merkwürdige Tiere)

Textes et Dessins de André Hellé

Reprint: Editions Memo, Nantes 2011

[48] Bl., Texte in Druckschrift vom Künstler kalligraphiert und mit Zeichnungen,

20 eingeklebte Farbtafeln, in zehn Farben in Pochoirtechnik gedruckt.

42 x 31 cm, Pd. farbig, Ln.-Rücken

 

OA: Paris: A.Tolmer et Cie, 1911

Deutsche EA: Meine grosse Tier-Menagerie

Aus dem Franz. Von Susanne Schmidt-Wussow

München: Knesebeck, 2013

Deutsche NA 2013 zum 100. Geburtstag des opulenten KünstlerBilderBuches.
Das Buch und seine Geschichte

Das Buch erscheint erstmals 1911 beim Verlag Alfred Tolmer in Paris in aufwendigem Großformat in Kooperation mit dem Pariser Kaufhaus Le Printemps, dort allerdings unter dem Titel „L’Arche de Noé“. Das Kaufhaus bietet in seinem Weihnachtskatalog zusammen mit dem Buch ein Set von Holztieren mit einer Arche an sowie von Hellé entworfene Kindermöbel.

 

Die Editionsgeschichte weist noch eine dritte Ausgabe unter dem Titel „Grosses Bêtes et Petites Bêtes“, 1924, und eine us-amerikanische Ausgabe, ebenfalls 1924 beim Verlag Stokes mit dem Titel „Big beasts and little beasts“ im Querformat aus. Hellé selbst verwendet 1925 den Titel „L’Arche de Noé“ erneut für eine überarbeitete Ausgabe beim Verlag Garnier im kleineren, üblichen Buchformat, für die er die Bilder im Art Déco-Stil überarbeitet.

 

An der opulenten Erstausgabe von „Drôles de Bêtes“ trägt der Verleger Alfred Tolmer (1876-1957) einen wesentlichen Anteil, fühlt er sich doch besonders den kunsthandwerklichen Drucktechniken und einem künstlerisch geprägten Layout verbunden. Das Buch ist das erste einer Reihe von Büchern für Kinder von bekannten Künstlern in seinem Verlag.

 

Diese „merkwürdigen“ Tiere rechnen sowohl zu den wilden als auch zu den Haustieren. Auf je zwei Seiten werden insgesamt 20 Tiere vorgestellt. Die jeweils rechte Seite beginnt mit einem Tierbild auf eingeklebten, farbigen Papieren. Die unterschiedlichen Bildformate entsprechen den jeweiligen groben Umrissformen. So nimmt der liegende Tiger nur etwa das obere Drittel der Seite ein, während Kuh oder Löwe nahezu die halbe Seite benötigen, die Giraffe die volle Höhe der Seite ausnutzt und dem Elefanten sogar Zweidrittel des Seitenformats zugestanden werden. Alle Figuren leben aus abstrahierenden, vereinfachten Umrissen und Schildkröte oder Bär wirken beispielsweise in ihrer Einfachheit emblematisch.

 

Unter oder neben den Farbbildern ist mit kräftigem Strich in sorgfältig dekorativ angelegter Versalschrift der Name des Tieres zu finden. Darunter steht ein in gut lesbarer Druckschrift geschriebener Text mit kleinen, eingestreuten Strichzeichnungen. Text und Zeichnungen entsprechen mit einfachen Beschreibungen von Eigenart und Aussehen dem Farbbild, doch lassen verschiedene inhaltliche Details in Text und Zeichnung häufig lustige oder hintersinnige Gedankenverbindungen aufblitzen. Manche der Farbbilder und Strichzeichnungen zeigen einen kompakten Fuß, auf dem vor allem die Zweibeiner stehen, ganz so, wie bei dem Spielzeugensemble der Arche Noah. Diese Ambivalenz von formaler Charakterisierung des Tieres und der vereinfachenden Holzfigur lädt zu einem vergnüglichen Spiel ein. Der Leser fühlt sich sowohl in der Buch- als auch in der Spielwelt zu Hause – für Kinder eine gänzlich vertraute Sache.

 

Die grafische Gestaltung dieses aufwendigen, großformatigen Bilderbuchs dient zugleich der Hervorhebung des künstlerisch gestalteten Holzspielzeugs, mit dem André Hellé in Frankreich große Beachtung erfährt.

Kurzvita

André Hellé (Geburtsname: Laclôtre), geboren 1871 in Paris, gestorben ebenda 1945, ist Presse- und Comiczeichner, Grafiker, Maler, Designer von Möbeln für Kinder und Spielzeug. Bekannt geworden ist er mit seinem ersten Bilderbuch „Drôles de Bêtes“, das gleichzeitig mit einem Set von Holzfiguren zur Arche Noah erscheint.

 

Seit 1904 widmet sich Hellé besonders den einfachen Formen und sucht dem kindlichen Blick Ausdruck zu verleihen. Seine Figuren erhalten immer mehr den Charakter von Spielzeugfiguren. Neben Beiträgen für verschiedene Zeitschriften ist er Verfasser von über 60 Bilderbüchern. Bekannt sind seine Illustrationen zu Claude Debussys „La boite à joujoux“ (Die Spielzeugschachtel), 1913 als illustrierte Partitur in Paris bei Durand & Fils Editeur erschienen. Das Ballett für Kinder wird 1919 uraufgeführt. 

Literatur/Links

Gallica - Database of the French National Library in Paris, with digital editions of some of Hellé’s most famous children’s books: https://gallica.bnf.fr/conseils/content/andr%C3%A9-hell%C3%A9 (last access 16 January 2020)

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