Günter Bruno Fuchs (1928 – 1977)

Ein dicker Mann wandert

Aufgeschrieben und in Bildern nacherzählt von Günter Bruno Fuchs

 

Köln: Middelhauve, 1967

München: Hanser, 1995

22 S., mehrfarb. Monotypien

28 x 23 cm, farb. Pd.

Das Buch und seine Geschichte

Dieses Bilderbuch entsteht, der Widmung zufolge, für Fuchs’ Tochter Anja (geb. 1964) und seine zweite Frau Jutta. Mit großflächigen Bildern in den Grundfarben blau, grün, gelb, dazu schwarz, und wenigen Textzeilen erzählt der Graphiker und Autor eine fantastische Geschichte von einem dicken Mann. So bezeichnet er sich gelegentlich selbst, hat er doch einen beeindruckenden Körperumfang. Auf den Bildern scheint er eher klein, jedoch mit einem großen, blauen Bauch ausgestattet, einem schwarzen Hut und ebenso schwarzen Gliedmaßen. Die Bilderzählung wirkt wie mit schwungvollem Pinsel gemalt, mit Übermalungen, Klecksen und Aussparungen. Das erreicht der Holzschneider und Druckgraphiker Fuchs durch die Technik der Monotypie, bei der die Farbe direkt auf den Druckträger aufgetragen wird. Auch die klare Typographie mit großen, gut lesbaren Buchstaben stammt vom Künstler, der zu den Mitbegründern der 1963 in Berlin entstandenen Künstlerwerkstatt Rixdorfer Drucke zählt. Die Buchausgabe verdanken wir der Kölner Verlegerin Gertraud Middelhauve, die, immer auf der Suche nach künstlerisch anspruchsvoll gestalteten Bilderbüchern, dieses sehr private Projekt in ihr Verlagsprogramm aufnimmt.

 

Der Text erzählt eine verspielte Nonsense-Geschichte, in der Alltagserfahrungen lustvoll auf den Kopf gestellt werden: die Lehrerin, die nichts weiß, die Vogelscheuche, die dem Polizisten die Uniform wegnimmt, oder der blaue Vogel, der behauptet, der Abend zu sein.

Kurzvita

Günter Bruno Fuchs, geboren 1928 in Berlin, gestorben ebenda 1977, ist vor allem als Autor fantastischer Geschichten und als Lyriker bekannt geworden.

 

Nach einer Zeit als Luftwaffenhelfer und Kriegsgefangenschaft in Belgien studiert er an der Berliner Hochschule für Bildende Künste und der Meisterschule für Graphik. Ab 1952 lebt er als freier Autor und Graphiker, schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch, gründet zusammen mit anderen die Galerie „Zinke“, später die Rixdorfer Drucke. Seine schriftstellerische Arbeit beginnt mit einigen Texten für Kinder, wechselt jedoch bald zu Texten für Erwachsene. Diese Unterscheidung hat er selbst nie getroffen, vielmehr bleibt er dem staunenden Kinderblick immer treu, auch in seinen satirischen Zuspitzungen.“Ein dicker Mann wandert“ ist sein einziges Bilderbuch. Im gleichen Jahr erscheint, ebenfalls im Middelhauve Verlag, seine Übersetzung von Leo Lionnis berühmten Bilderbuch “Frederick“.

Literatur/Links

Rolf Michaelis, Melancholisches Wunderkind, in: Die Zeit, 6.5.1977 und 21.11.2012

Hans W.Hofmann, Günter Bruno Fuchs,in: kreuzberger-chronik.de

Thomas Propp, Ordnung muß sein, sprach der Anarchist... Eine Reise zum Dichter Günter Bruno Fuchs und zurück,

Lüneburg,1985

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