Wolf Erlbruch (geb. 1948)

Ente, Tod und Tulpe

München: Kunstmann, 2007
[16] Bl., Zeichenstift, Collage
30 x 24cm, farb. Pd.

Das Buch und seine Geschichte

Auf dem Cover streckt sich in der Mitte schmal und lang eine nur mit wenigen Schraffuren gezeichnete Ente in hellem Gefieder nach oben. Nach drei weiteren Porträts dieser Ente, die nur Ente heißt, blickt sie erschrocken hinter sich auf den Tod. Sein Totenschädel dominiert die ebenfalls schmale Figur in einem karierten, beigen Mantel, unter dem ein schmaler rotkarierter Streifen hervorscheint. Hinter seinem Rücken hält er eine dunkelviolette Tulpe. Auf den folgenden Seiten beginnen Tod und Ente sich gegenüberstehend ein Gespräch, sie gehen zum Teich, sitzen zusammen in einer Baumkrone. Schließlich liegt die Ente flach ausgestreckt auf grünblauem Grund, der Tod sitzt bei ihr wie ein trauernder Freund. Zum Schluss schickt der Tod die Ente zu ihrer letzten Reise auf dem Fluss, die dunkle Tulpe auf ihrem ausgestreckten Körper. Das letzte Bild zeigt den Tod umkreist von Fuchs und Hase als Sinnbild des Lebens und seiner Bedrohung und zugleich einer neuen Aufgabe für den Tod. Mit klaren, die Körperformen vereinfachenden Umrisslinien, einem matten Beige, dem dominanten Schwarzgrau des Karomusters und wenigen Farbakzenten schafft Erlbruch in diesem Buch eine stille und unerbittliche Atmosphäre – so sagt Erlbruch es selbst (2017). „Darum ging es mir: zu zeigen, dass er ( der Tod) sehr sanft und charmant sein kann. (…) Aber unerbittlich, unausweichlich in jedem Fall.“

Kurzvita

Wolf Erlbruch, geb. 1948 in Wuppertal, lebt bis heute dort als Zeichner, Grafiker, Illustrator und Autor. Bis 2011 lehrte er Illustration, zuletzt an der Folkwang Hochschule der Künste in Essen. Er gilt in Deutschland als Erneuerer der Kinderbuchillustration der 90er Jahre. Mit teils ungewöhnlich knappen, oft collagierten Zeichnungen und Assemblagen kreiert er einen neuen Stil plakativer Bildgestaltung, der zahlreiche seiner Schüler beeinflusste.

 

Nach einem Grafik-Design-Studium an der Folkwangschule für Gestaltung in Essen arbeitet er seit 1974 als Illustrator für Magazine und für Werbeaufträge, gestaltet Plakate und Buchumschläge. 1984 illustriert er sein erstes Kinderbuch, nachdem er selbst Vater geworden ist. Mit den Illustrationen zu seinem zweiten Buch „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“ mit einem Text von Werner Holzwarth erzielt er 1989 große Aufmerksamkeit, was möglicherweise auch dem ungewöhnlichen Thema geschuldet ist. Das Buch zählt zu den zeitgenössischen Bilderbuchklassikern, erschien in mehr als 30 Sprachen und erreichte eine Auflage von über einer Million Exemplare.Seit diesem Erfolg widmet Wolf Erlbruch sich neben seiner Lehrtätigkeit intensiv der Kinderbuchillustration und schreibt auch eigene Texte. Erlbruch sieht sich selbst als Illustrator, empfindet jedoch seinen Zugang zum Text als autonomen Vorgang, der eigengesetzliche, dem Künstlerbuch verwandte Arbeitsweisen freisetzt.

 

Wolf Erlbruch wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, zuletzt 2017 als erster deutscher Illustrator mit dem Astrid Lindgren Memorial Award, dem höchstdotierten internationalen Kinderbuchpreis.

Literatur/Links

Kinderliteratur im Gespräch – Wolf Erlbruch: Ein postmoderner Künstler? in: Lesezeichen. Mitteil. des Lesezentrums der PH Heidelberg, 15, 2004, S.25-56

 

Benedikt Erenz. Ich habe geglotzt wie ein Schaf. Interview mit Wolf Erlbruch, in: Die Zeit, 14.6.2017

 

Andreas Platthaus: Wer vom Sterben erzählt, muss das schlicht tun. in: FAZ, 9.6.2007

 

Andreas Platthaus: Aus dem kleinen, feinen Reingarnichts, in: FAZ, 5.4.2017

 

Vom kleinen Maulwurf und anderen Helden. Bilderbuchillustrationen von Wolf Erlbruch. Ausstellungskatalog Bilderbuchmuseum der Stadt Troisdorf, 1999

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