William Steig (1907 - 2003)

Erwachsene machen, was sie wollen

(Grown-Ups Get to Do All the Diving)

Aus dem Amerikanischen von Edmund Jacoby und Nicola T. Stuart

Hildesheim: Gerstenberg, 1996

[24] Bl., kol. Federzeichnungen,

21 x 26 cm, Pb., Leinenrücken

 

OA: Grown-Ups Get to Do All the Driving

New York: Harper Collins, 1995

„For some reasons I’d never felt grown up.“
Das Buch und seine Geschichte

Dieses Buch enthält keine Geschichte. Es ist eine Art Cartoonbuch, zu dem der damals 88jährige Steig Erwachsene und Kinder einlädt. Er hat es Holly McGhee gewidmet, New Yorker Verlegerin und Kunstagentin.

 

Die Zeichnungen leben aus einem Furor, den Steig in seinen Kinderbüchern sonst vermieden hat. Hier aber geht er zur Sache: Die Erwachsenen verstehen die Kinder nicht, wollen geküsst werden, wollen stets brave Kleine, lieben es, sie zu bestrafen, werden schnell müde, wollen ihre Ruhe, können nicht rennen, sind gemein und so weiter. Herrlich, wie Steig kleine Situationen zu seinen Statements in Szene setzt und die Figuren und Gesichter mit wenigen, kräftigen Strichen aufs Papier bringt. Die Erwachsenen sind dem gnadenlosen Kinderblick ausgesetzt und Zielscheibe bissiger Charakterisierung, auch wenn im Text dazu lediglich lapidare Feststellungen zu lesen sind. Der Subtext ist ein klares Plädoyer für mehr Toleranz Kindern gegenüber, denen genau so viel Individualität und Eigensinn zugestanden werden sollte wie den Erwachsenen.

 

Mit dieser Sammlung kommt Steig seinen Cartoons für ein erwachsenes Publikum nahe, die er seit den 1930er Jahren für den New Yorker und andere Magazine und Zeitungen gezeichnet hat. Die Cartoons in diesem Spätwerk machen in ihrer Vielschichtigkeit keinen Unterschied zwischen dem Lebensalter der möglichen Betrachter. Sie wenden sich an das “ innere Kind“ in jedem Menschen.

Kurzvita

William Steig, geboren 1907 in Brooklyn, New York, gestorben 2003 in Boston, vom Newsweek Magazine 1995 zum König des Cartoons gekürt, wird seit dem Ende der 60er Jahre auch mit vielfach ausgezeichneten Bilder- und Kinderbüchern bekannt.

 

Aufgewachsen in bescheidenen Verhältnissen als Sohn polnischer Immigranten in der Bronx, lernt er von 1925 bis 1929 Zeichnen an der National Academy of Graphic and Design in New York. Bereits 1930 kann er einen ersten Cartoon beim New Yorker unterbringen. Bis zu seinem Tod hat er mehr als 1600 Cartoons und etwa 120 Titelblätter für das bis heute angesehene, intellektuelle Stadtmagazin gezeichnet. John Updike sagte über ihn, dass seine Cartoons nicht nur einen Scherz visualisieren, sondern uns dazu bringen, über die Natur der Realität, die uns umgibt, nachzudenken.
Steig entwickelt in den 30er Jahren seinen Stil der vielschichtigen Zeichnung, die humorvoll, gelegentlich auch ironisch-bissig, Seelenzustände und Emotionen veranschaulicht und für viele nachfolgende Zeichner zum Vorbild wurde.
Seit Ende der 1930er Jahre veröffentlicht er eine Reihe von Cartoonbänden, ehe er sich mit bereits 60 Jahren eher zufällig dem Bilderbuch zuwendet und seither über 30 Titel herausbringt. Weltweit wird er bekannt durch den animierten 3D-Film und in der Folge einer Serie von Computerspielen nach seinem Bilderbuch Shrek!, 1990.

 

Steig sagt von sich, er habe stets eine enge Bindung zu dem Kind in sich gehabt, und auch viele seiner frühen Cartoons beziehen Kinder mit ein. Seine besondere Bewunderung gilt Pablo Picasso, den er einmal wie folgt zitiert: “All children are artists. The problem is how to remain an artist once we grow up.“ Dass Steig seine Bilderbücher als Teil seiner Kunst versteht, macht folgendes Zitat aus seiner Rede anlässlich der Auszeichnung mit der Caldecott Medal für “Sylvester and the Magic Pebble“,1969, deutlich: Art has the power to make any spot on earth the living center of the universe.” 

Literatur/Links

Und dann fange ich an, Unfug zu treiben.

William Steig zum 90.

Hildesheim: Gerstenberg, 1997

 


Claudia J. Nahson: The Art of William Steig,

Jewish Museum, New York, 2007

New Haven and London: Yale University Press, 2007

 


Lee Lorenz, The World of William Steig,

Artisan, 1998

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