Celestino Piatti (1922 - 2007)

Eulenglück

Text von T. von Hoijtema

Übertragen und hrsg. von Erwin Burckhard

Zürich, Stuttgart: Artemis, 1963

[16] Bl., Deckfarben / Tusche

21,5 x 30 cm, Pb mit Ln.Rücken

Das Buch und seine Geschichte

Auf dem Innentitel findet sich der Hinweis: Nach der holländ. Erstausgabe von T. van Hoijtema übertragen und herausgegeben von Erwin Burckhard. Der holländische Zeichner und Lithograph Theodor van Hoijtema, 1863-1917, publizierte „Uilengeluk“ 1895. Der Grafiker Celestino Piatti bedient sich also eines vorliegenden Stoffes für seine „Bildergalerie“.

Dieses erste Bilderbuch Piattis erfährt bei seinem Erscheinen große Aufmerksamkeit. Die großflächig ins Querformat gemalten, auf der weißen Bildseite freigestellten Figuren verblüffen und bringen frischen Wind ins Bilderbuch der Nachkriegszeit. Sie entsprechen so gar nicht den bis dahin dominierenden „Erzählbildern“, die in ihrem Detailreichtum eine narrative, den Texten angelehnte Qualität entfalten. Hier geht es deutlich sichtbar ums Bild, nicht um Illustration. Die leise Botschaft des Textes wird von den eindrucksvoll konturierten „einfachen“, plakativen Tierbildern aufgenommen und verstärkt. Das Glück, so die kleine philosophische Betrachtung, liegt im eigenen Blick auf die Welt begründet und Schönheit ist überall zu finden. Mit harmonisch-ruhigen Formen in gedeckter Farbpalette, die nur durch gelegentliche rote oder gelbe Akzente aufgebrochen wird, und einem ungewöhnlichen Wechsel der Bildgegenstände in Nahsicht, weiter Landschaft oder Tierporträt entzündet Piatti ein persönliches Gedankenspiel des Betrachters. Nicht umsonst war dieses Buch zu seiner Zeit ein beliebtes Geschenk für Kinder und Erwachsene, wurde in viele Sprachen übersetzt und mehrfach aufgelegt.

Kurzvita

Celestino Piatti, geboren 1922 in Wangen, Schweiz, gestorben 2007 in Duggingen, ebenfalls Schweiz. Besucht ab 1937 die Kunstgewerbeschule in Zürich und absolviert eine Grafikerlehre. Seit 1948 arbeitet er als freier Grafiker, Plakatkünstler, Maler, Illustrator und Buchgestalter. Bekannt geworden ist er durch seine innovative Plakatkunst und die Gestaltung der Taschenbuchreihe dtv, die er von 1961 bis Mitte der 90er Jahre von der Typografie bis zur Bildgestaltung betreut. Seine über 500 Plakate und mehr als 6300 Buchumschläge beeinflussen maßgeblich die Buchgestaltung der 60er und 70er Jahre in Deutschland. Sein klares Bekenntnis zu einem weißen Bildgrund, auf dem reduzierte, auf das Wesentliche beschränkte Farbformen stehen, lassen vielfach an Holz-, Linolschnitt oder Lithografien denken, sind jedoch meist als Gouache oder Aquarell mit schwarzen Konturen ausgeführt. Mit dieser malerischen Technik überwindet Piatti die Wahrnehmung einer kommerziellen Gebrauchskunst. Auch seine frühen Bilderbücher leben aus lebhaften Kontrasten, stark konturierten Formen und satten Farben.

 

Literatur/Links

Manuel Gasser, Celestino Piatti. Das gebrauchsgrafische, zeichnerische und malerische Werk, Zürich. ABC Verlag, 1979

 

Bruno Weber (hrsg.): Celestino Piatti. Meister des grafischen Sinnbildes, München, dtv, 1982

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