Leo Lionni (1910 - 1999)

Frederick

Deutsch von Günter Bruno Fuchs
Köln: Gertraud Middelhauve, 1967
[16] Bl, Collage aus gerissenen und geschnittenen Papieren, Aquarell, Mischtechnik
28 x 22,5 cm, farb. Pd.

 

OA: New York: Pantheon,1967

„...all children’s books are inevitably autobiography.“
Das Buch und seine Geschichte

Dieses Bilderbuch gehört zu den modernen Klassikern, nicht nur in Deutschland. Die Geschichte von der Maus, die, statt nahrhafte Vorräte für den Winter zu sammeln, unbeirrt Sonnenstrahlen, Farben und Wörter sammelt, überzeugt mit wenigen Sätzen und großflächigen Collagen aus geschnittenen Papieren. Lionnis Mäuse entsprechen einer einfachen Grundform, ein schwarzes Oval für den Körper, ziemlich große, rundliche Ohren, ein langer Schwanz, große Knopfaugen und manchmal kräftige Streichholzbeinchen. Dieser kleinen Gesellschaft von Gleichen steht Frederick gegenüber, der über den kalten, grauen Felsen Sonnenstrahlen imaginiert, die Mäusegesellschaft mit Gedanken an blaue Kornblumen und ein rotes Mohnfeld beglückt und schließlich seine Freunde mit einem Gedicht betört.

 

Lionni erzählt in Bild und Text eine Fabel vom Wesen der Kunst, ein kleines philosophisches Lehrstück über Träume, Phantasie und die Kraft der Gedanken und der Schönheit. Der Zauber dieses Buches entsteht vor allem durch die Wahl der bildnerischen Mittel: die einfachen Formen der Gegenstände und Figuren und das sparsame Kolorit entfalten Bildräume wie auf einer Bühne. „Das Bilderbuch“, so sagte er einmal, „ ist ein kleines Theaterstück. Das Buch ist die Bühne, die Leute, die daraus vorlesen, sind die Schauspieler.“ Und, nicht weniger überzeugend, formuliert Lionni: „Im Bilderbuch erlebt das Kind seine erste Begegnung mit einer strukturierten Phantasie…“(zitiert nach Bruno Bettelheim, Vorwort zum Sammelband Frederick und seine Freunde,1985)

Kurzvita

Leo Lionni, geboren 1910 in Amsterdam, gestorben 1999 in Radda / Chianti, Italien, als vielfach ausgezeichneter Grafik-Designer, Maler, Bildhauer und international anerkannter Bilderbuchkünstler.

 

Von Jugend an widmet sich Lionni dem Zeichnen und Malen, erhält jedoch nie eine künstlerische Ausbildung. 1925 zieht die Familie nach Genua. Dort besucht er eine technische Oberschule, um anschließend Wirtschaftswissenschaften zu studieren. Das Studium schließt er 1935 mit einer Promotion ab. Seit 1931 in Mailand im Umkreis der italienischen Künstlergruppe der Futuristen lebend, arbeitet er auch als Maler, Fotograf und Werbegrafiker. 1939 wandert er in die USA aus und lebt seit 1941 als Art Director in Philadelphia. 1947 kann er in einer ersten Einzelausstellung seine Bilder in New York zeigen. Von 1949 bis 1960 arbeitet er dort als Art Director des Fortune-Magazine, Mitherausgeber des Print-Magazins und im eigenen Studio.

 

Lionni sieht sich von Anfang an als Künstler/Designer und bezieht als einer der ersten Bildende Künstler in die Werbegrafik ein, mit denen er oft freundschaftlichen Kontakt pflegt. Besonders fühlt er sich den Ideen des Bauhauses verbunden und sieht grafisches Design als integralen und bedeutenden Bestandteil der Kunst.

 

Seit 1962 lebt er bis zu seinem Tod vor allem in Italien. Neben seiner Arbeit als Bildhauer und Maler widmet er sich fortan besonders Bilderbüchern, für die er auch die Texte selbst schreibt. „Geschichten erzählen war das Wesentliche meines Stils“, schreibt er in seiner Autobiographie und bezieht diese Feststellung nicht nur auf seine Bücher. In einer Rede in der Library of Congress in Washington erklärt er „...like all fiction, illustrated children’s books are inevitably autobiography.“ Und: „Like Swimmy, the creator of picture books for children has the responsibility to see for the others. He has the power and hence the mission to reveal beauty and meaning. A good picture book should have both.“

Literatur/Links

Leo Lionni, Zwischen Zeiten und Welten. Autobiographie München: Middelhauve 1998, OA: Between Worlds, New York: A. Knopf, Inc.,1997


Steven Heller, Many Things to Many People, in: Leo Lionni at the Library of Congress, Washington 1993


Leo Lionni, L’immaginario come mestiere (etwa: Fantasie als Beruf) Milano: Electa, 1990

(Ausstellungskatalog, Bologna, Galleria d’Arte Moderna, 1990)

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