Joachim Ringelnatz (1883 – 1934)

Geheimes Kinder-Spiel-Buch

Für Kinder von 5 bis 15 Jahren gedichtet und

bebildert von Joachim Ringelnatz

Einmalige Sonderausgabe in 500 Exemplaren des fotomechanischen Nachdrucks

Berlin: Eulenspiegel, 1985

48 S. mit 11 schwarzweiß Zeichnungen,

19 x 17,5 cm. Pb., farb. Umschlagzeichnung,

 

OA: Potsdam: Gustav Kiepenheuer, 1924

Das Buch und seine Geschichte

Ringelnatz hat mit diesen meist kurzen Nonsense-Gedichten Grenzen überschritten und unverzüglich Zweifel erweckt, ob es sich überhaupt um Lyrik für Kinder handele. Auch seine Zeichnungen sind Skizzen eines freien, unbekümmerten Geistes, fern jeder Konvention und allein den eigenen Vorstellungen und Einfällen verpflichtet.

 

Das Kinderspiel als anarchischer Akt, allein dem freien, unkontrollierbaren Willen folgend und keineswegs einer nachvollziehbaren Logik. Spielen bedeutet ihm, frei zu sein, das Betreten eines nicht von Normen und Logik geordneten Raums. So begleitet er seine Unsinns-Poesie mit Unsinns-Zeichnungen und macht damit klar, was alles in unseren Köpfen, ob kleinen oder großen, wuchern kann. Natürlich geht es keineswegs um wirkliche Spielanleitungen. Es sind Ermunterungen zum eigenständigen Denken, kreativen Kritzeln, zum Wörtererfinden und -zusammenfügen, zum ver-rückten Collagieren von Einfällen aller Art, zum freien Denken, Fühlen und Handeln.

Kurzvita

Joachim Ringelnatz (d.i. Hans Bötticher), geb. 1883 in Wurzen bei Leipzig, gest.1934 in Berlin, zählt zu den sogenannten Malerpoeten. Er ist einem breitern Publikum bekannt als Schriftsteller und Kabarettist, weniger als Maler und Zeichner. 

Große Resonanz erlangt er mit seiner Nonsense-Poesie, dem Gedichtband „Kuttel Daddeldu oder das schlüpfrige Leid“ und mit Kabarettbeiträgen für den Münchner „Simpl“ und das Berliner Kabarett „Schall und Rauch“.

Ringelnatz beendet 1901unfreiwillig die Schulzeit und geht als Schiffsjunge auf Indienfahrt. Er versucht sich in unzähligen Berufen, wird Matrose und im Ersten Weltkrieg Marinesoldat. Zwischen 1901 und 1909 erscheinen seine ersten Gedichte u.a. in einer Zeitschrift, die sein Vater, Georg Bötticher, herausgibt. Ab 1919 veröffentlicht er unter dem Pseudonym Joachim Ringelnatz. In dieser Zeit widmet er sich auch der Malerei und kann seine Bilder 1925 in einer Ausstellung der Akademie der Künste zeigen. Nach dem Publikations- und Auftrittsverbot durch die Nazis 1933 nennt er sich Kunstmaler. 

Ringelnatz zeichnet bereits als Kind ununterbrochen, hat jedoch nie eine akademische Ausbildung absolviert. Bevor seine beiden bekannten, hier aufgeführten Kinderbücher entstehen, schreibt und zeichnet er 1923 „Das Märchen vom Rotkäppchen“ als Originalmanuskript in zehn Exemplaren mit zwölf Zeichnungen des Autors im Text, eine davon aquarelliert. Ein Exemplar ist im Auktionskatalog von Ketterer Kunst Nr. 385, 2011, abgebildet.

Literatur/Links

Helga Bemmann: Daddeldu, ahoi. Leben und Werk des Dichters, Malers und Artisten Joachim Ringelnatz, Frankfurt /Main: Fischer Taschenbuch, 1982

Frank Möbus u.a. (Hrsg.): Ringelnatz! Ein Dichter malt seine Welt, Göttingen: Wallstein 2000

Joachim Ringelnatz Museum, Cuxhaven – ringelnatzmuseum.de 

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