William Steig (1907 - 2003)

Gelb und Rosa

Aus dem Amerikanischen von Edmund Jacoby

Hildesheim: Gerstenberg, 2000

[16] Bl., kol. Federzeichnung

21,7 x 16 cm, farb. Pb.

 

OA: Yellow & Pink 

New York: Farrar, Straus and Giroux, 1984

Das Buch und seine Geschichte

Diese kleine philosophische Betrachtung über den Ursprung des Daseins scheint zunächst eine Art Schöpfungsgeschichte zu sein. Doch Steig wäre nicht der hintersinnige Zeichner, wenn er es dabei beließe. Zwei hölzerne Männchen, eines rosa, das andere gelb, mit kleinen Hüten und dicken knopfartigen Kreisen auf ihren Bäuchen treffen in der freien Natur aufeinander und wundern sich. Sie finden keine wirkliche Antwort auf die Fragen nach dem Woher und Wohin und beschließen, einfach den schönen Tag zu genießen, bis – ja, bis ein Mann sie aufhebt, dreht und wendet, „trocken“ sagt, sie sich unter den Arm klemmt und zum Haus geht. Dem Leser bleibt nicht anderes, als das Büchlein von vorne zu beginnen mit der Frage, was er wohl übersehen haben könne. Damit lädt Steig ein zu einer weiteren Betrachtung der Details, zum Nachdenken und zum Bewundern dieser sparsam inszenierten Parabel vom Leben, das zwei hölzernen Figuren gehört.

 

Steig inszeniert diese kleine Geschichte mit Hilfe der Farbe, die er sparsam und nur auf die beiden Holzkerle bezieht. Landschaft, Tiere, Wolken oder Felsen sind durchgehend grau. Die gefühlte Fremdheit der beiden Holzkerle könnte nicht deutlicher sein. Das neugierig-fremdelnde Staunen der Leser auch nicht.

 

Die Widmung „Für einige Neuankömmlinge: Jonas, Jonathan, Nathaniel, Max, Paige, Will, Serena“ macht deutlich, wem Steig diese Geschichte schenkt.

Kurzvita

William Steig, geboren 1907 in Brooklyn, New York, gestorben 2003 in Boston, vom Newsweek Magazine 1995 zum König des Cartoons gekürt, wird seit dem Ende der 60er Jahre auch mit vielfach ausgezeichneten Bilder- und Kinderbüchern bekannt.

 

Aufgewachsen in bescheidenen Verhältnissen als Sohn polnischer Immigranten in der Bronx, lernt er von 1925 bis 1929 Zeichnen an der National Academy of Graphic and Design in New York. Bereits 1930 kann er einen ersten Cartoon beim New Yorker unterbringen. Bis zu seinem Tod hat er mehr als 1600 Cartoons und etwa 120 Titelblätter für das bis heute angesehene, intellektuelle Stadtmagazin gezeichnet. John Updike sagte über ihn, dass seine Cartoons nicht nur einen Scherz visualisieren, sondern uns dazu bringen, über die Natur der Realität, die uns umgibt, nachzudenken.
Steig entwickelt in den 30er Jahren seinen Stil der vielschichtigen Zeichnung, die humorvoll, gelegentlich auch ironisch-bissig, Seelenzustände und Emotionen veranschaulicht und für viele nachfolgende Zeichner zum Vorbild wurde.
Seit Ende der 1930er Jahre veröffentlicht er eine Reihe von Cartoonbänden, ehe er sich mit bereits 60 Jahren eher zufällig dem Bilderbuch zuwendet und seither über 30 Titel herausbringt. Weltweit wird er bekannt durch den animierten 3D-Film und in der Folge einer Serie von Computerspielen nach seinem Bilderbuch Shrek!, 1990.

 

Steig sagt von sich, er habe stets eine enge Bindung zu dem Kind in sich gehabt, und auch viele seiner frühen Cartoons beziehen Kinder mit ein. Seine besondere Bewunderung gilt Pablo Picasso, den er einmal wie folgt zitiert: “All children are artists. The problem is how to remain an artist once we grow up.“ Dass Steig seine Bilderbücher als Teil seiner Kunst versteht, macht folgendes Zitat aus seiner Rede anlässlich der Auszeichnung mit der Caldecott Medal für “Sylvester and the Magic Pebble“,1969, deutlich: Art has the power to make any spot on earth the living center of the universe.” 

Literatur/Links

Und dann fange ich an, Unfug zu treiben.

William Steig zum 90.

Hildesheim: Gerstenberg, 1997

 


Claudia J. Nahson: The Art of William Steig,

Jewish Museum, New York, 2007

New Haven and London: Yale University Press, 2007

 


Lee Lorenz, The World of William Steig,

Introduction by John Updike

New York: Artisan, 1998

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