Anton Stankowski (1906 – 1998)

Gucken. Ein Kinderbuch von A. Stankowski

Text von E. Gomringer 

Stuttgart: Bibliothek S., 1979

[36] Bl.,Farbserigraphie

26x22,5 cm, Ln.

 

"...damit ihr alle viel guckt, ratet, merkt und erkennt."
Das Buch und seine Geschichte

Dem Impressum und einem Nachwort ist zu entnehmen, dass Anton Stankowski dieses Buch zwischen 1958 und 1965 erarbeitet, jedoch zunächst keinen Verlag findet. Das verwundert wenig. Der Künstler hat 25 Seitenpaare gebildet, auf denen Quadrate verschiedener Farben und Größen zueinander geordnet sind. Es sind abstrakte Bilder und es geht ums genaue Hinschauen. Ein kleines schwarzes Quadrat steht auf einem großen, grünen. Gegenüber findet sich ein großes schwarzes auf dem grünen Quadrat. Dazu der Text: klein, aber stark, wie ein Kern in der Mitte. Zu dem gegenüberliegenden Bild heißt es: groß geworden, ziemlich mächtig. Weiter geht das Spiel mit Farbwirkungen, die das Größenempfinden verändern, mit gekippten Quadraten, die Bewegung veranschaulichen, aber auch mit Anordnungen, die dem Zusammendrängen der Formen ein Auseinanderstreben gegenüberstellen.

 

Am Ende des Buches gibt es eine klein gedruckte Anleitung, wie man die Quadrate anders und immer wieder neu sehen kann. Thema des Bilderbuches ist also die optische Wahrnehmung beim Betrachten farbiger Formen auf unterschiedlich farbigem Grund. Die Wirkung ist jedes Mal verblüffend anders.

 

Mit diesem Bilderbuch öffnet Stankowski eine Tür zur konkreten Kunst, die wie alle Abstraktion bei vielen Menschen auf Unverständnis und Ablehnung stößt. Der Reduktion auf Farbe, Form und Bewegung mit dem Ziel der Erschließung übergeordneter Gesetzmäßigkeiten, widmet der Künstler diese „Sehschule“ für Kinder und Erwachsene. Die Einführung von Eugen Gomringer, Gründervater der konkreten Poesie und Professor für Theorie der Ästhetik, wendet sich an erwachsene Kinder, die ihr Erwachsensein gerne mit Kindern teilen „damit ihr alle viel guckt, ratet, merkt und erkennt.“

Kurzvita

Anton Stankowski, geboren 1906 in Gelsenkirchen, gestorben 1998 in Esslingen, zählt als deutscher Grafiker, Maler und Fotograf zu den konstruktiv-konkreten Künstlern.

Nach Lehre und Gesellenprüfung als Dekorationsmaler studiert er an der Essener Folkwangschule Grafik, Typografie und Fotografie. Ab 1929 lebt er in Zürich, entwickelt seine konstruktive Grafik und knüpft Verbindungen zu Max Bill, Richard Paul Lohse und anderen Künstlern der konkreten Kunst. Nach Kriegseinsatz und Gefangenschaft kommt er erst 1948 zurück und gründet 1951 in Stuttgart sein eigenes grafisches Atelier. Er arbeitet als Grafikdesigner für große Firmen, z.B. IBM und SEL, und entwickelt zahlreiche Firmenlogos und visuelle Erscheinungsbilder, die wie das Zeichen für die Deutsche Bank bis heute bestehen. Gleichzeitig widmet er sich mehr und mehr der Malerei.

Stankowski gilt als Wegbereiter des modernen Kommunikationsdesigns. Als Mitbegründer der Künstlervereinigung „Konstruktive Tendenzen“ fühlt er sich der konkreten Kunst verbunden, verweigert aber jede Unterscheidung von freier und angewandter Kunst.

 

Das Bilderbuchmuseum Burg Wissem in Troisdorf zeigte 2014 eine Ausstellung mit Arbeiten des Künstlers.

Literatur/Links

Website of the Stnakowski Foundation: https://www.stankowski-stiftung.de/ - https://www.stankowski-stiftung.de/english/index_eng.html

 

Exhibition catalogue: Stankowski 06. Aspekte des Gesamtwerkes
Stuttgart: Hatje/Cantz, 2006

 

 

 

 

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