Herbert Achternbusch (geb. 1938)

Guten Morgen!

Weitra: Bibliothek der Provinz (publication PN°1) o.J. (1997)

[16] Bl. plus Vorsatz, 15 Illustrationen, teils aquarelliert und collagiert,

Beschriftungen im Bild, schwarzer Stift; gedruckt auf blauem Grund

21,5 x 15,3 cm, Pd. rot

 

Widmung: Für Naomi Achternbusch

München, 1. August 1995, unleserlich,

Ein jeder Tag

ein guter Tag

Das Buch und seine Geschichte

Die Untergründe der Bilder sind Teile von weißen oder braunen, gerissenen Papieren oder großformatigen Briefumschlägen, teils unter Einbeziehung von Briefmarken. Dies ist besonders schön auf dem Bild einer großen Kröte gelungen. Auf deren Körper sind zwei kleine Kröten zu sehen, die Teil einer tschechischen Briefmarke sind. Das Bild mit Katze enthält Reste einer handschriftlichen Adresse: Herrn Herbert Achternbusch, Burgstr. 81. Die Umrisszeichnungen der Tiere sind meist mit spitzem, schwarzem Stift ausgeführt, farbig übermalt oder ausgefüllt, teils auch nur mit dem Pinsel angelegt, wobei helle Partien manchmal einfach ausgespart bleiben, wie z.B. auf dem Bild mit dem Schriftzug NAOMI, die 1993 geboren wurde.

 

Diese Briefumschlagbilder entsprechen der spontanen Malweise des Künstlers, die Tiere sind reduziert auf Grundformen und durch lautmalende Beschriftung MIAUO oder MUH gekennzeichnet. Vermutlich lag der Spaß an den Bildern in der spontanen, schwungvollen Ausführung und einer begleitenden lautmalenden Erzählung des Vaters.

 

Das kleine Buch ist aus einzelnen Blättern als Gutenacht-Ritual entstanden. Der Titel „Guten Morgen“ verweist auf das sich stets wiederholende Zubettbringen hin mit dem tröstlichen Versprechen, dass bald ein neuer Morgen kommt.

 

Kurzvita

Herbert Achternbusch, geboren am 23. Nov. 1938 in München, ist ein bekannter deutscher Schriftsteller, Filmemacher und Maler. Er lebt auf dem Land und in München. Nach einer Ausbildung an der Kunstakademie in Nürnberg und der Akademie der Bildenden Künste in München hat er bald schon Erfolge als Autor. Ab den 1970er Jahren wird er besonders bekannt mit zahlreichen avantgardistischen Filmen. In den letzten Jahren verstärkt sich wieder sein Interesse an der Malerei.

 

Achternbusch ist seit je bekannt für das Anarchische und Unangepasste in der Kunst. Er liebt die Provokation und verstört häufig mit seinem ins Groteske übersteigertem Humor, der ihm mehrfach den Vorwurf der Blasphemie eingebracht hat. Achternbusch pflegt sowohl den bayerischen Dialekt als auch eigene Sprachschöpfungen. Er schreibt Erzählungen, Romane, Theaterstücke und die Drehbücher für seine Filme. In der Malerei arbeitet er meist mit Wasserfarben oft auf spröden Untergründen (Rauhfasertapete, Bambus), scheinbar hingeworfen mit breitem Pinsel, erzählt mit farbig expressiven Formen und Figuren auf großen Formaten.  

Literatur/Links

Jörg Drews (hrsg.): Herbert Achternbusch, Frankfurt / Main, 1982

 

Marina Schneede (hrsg.): Herbert Achternbusch, der Maler.

Katalog zur Ausst. in München, Düsseldorf, Wien, Hamburg, Berlin. München, 1988  

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