Hap Grieshaber (1909 - 1981)

Herzauge

München: Parabel Verlag, 1969

Nachwort von Hap Grieshaber

[8] Bl. (Hartpappe), farb. Holzschnitte,

29,2 x 24,2 cm, Pd., Schutzumschlag

Das Buch und seine Geschichte

In seinem Nachwort „Hat das Herz noch ein Auge“? unterzeichnet mit hap grieshaber ostern 1969, schildert er die Entstehungsgeschichte des Buches. 1937 kann der Künstler trotz Malverbot 20 Exemplare auf Glanzpapier drucken. Die noch feuchten Farbdrucke bearbeitet er mit dem Pinselstil nach. Nach Kriegsende findet sich ein Exemplar des Buches bei einem Enkel des Schriftstellers Karl Wolfskehl. Die vorliegende Ausgabe ist Grieshabers Tochter Ricca gewidmet.

 

Kurzen, in großen Lettern rhythmisch auf  die jeweils linken, weißen Buchseiten gesetzten Sätzen stehen starkfarbige Bildtafeln gegenüber. Die teils großflächigen Formen mit grober Binnenzeichnung lassen viel Raum für eigene Vorstellungen des Lesers. Es wird keine Geschichte erzählt, sondern die Bildgegenstände verbinden sich mit dem Text zu einer Art Rätsel- oder Fantasiespiel. Grieshaber hofft, dass die Bilder mit dem Herzen - der Intuition? - verstanden werden. Er beginnt mit einem Winterbild, das Baum, Vogel und Eis zeigt. Es folgt ein Segelschiff, im Vordergrund dominiert von einem riesigen Poller. Die Bildfolge endet mit dem Satz „Wir haben Ferien“, dazu ein blauer See, mit Springbrunnen, Schwänen und dunkelvioletten Rosenblüten. Die Formen sind der Natur angelehnt, doch weisen sie in ihrer Vereinfachung über sie hinaus. Der Betrachter ist aufgefordert, in seiner Vorstellung die Sätze und Bilder mitzugestalten.

Kurzvita

HAP (Helmut Andreas Paul) Grieshaber, geboren 1909 in Rot an der Rot, gestorben 1981 in Eningen bei Reutlingen. Maler, Grafiker, Drucker und Holzschneider. Bekannt wird er vor allem durch seine großflächigen Farbholzschnitte für Mappenwerke, Buchillustrationen und Wandbilder. Er nimmt dreimal (1955, 1959 und 1964) an der Kasseler Documenta teil.

 

Nach einer Schriftsetzerlehre studiert er von 1926 bis 1928 Kalligraphie an der Staatlichen Kunstgewerbeschule in Stuttgart. Fortsetzung der Studien in London, Paris, Ägypten und Griechenland. Nach 1933 wird er mit Berufsverbot durch die Nationalsozialisten belegt. Nach Kriegsdienst und Gefangenschaft lebt er auf der schwäbischen Achalm und schafft ab 1946 ein umfangreiches Werk. Er lehrt an der Kunstakademie in Karlsruhe und später an der Akademie der Künste in Berlin.

 

Durch seine Bevorzugung druckgrafischer Techniken, d.h. der impliziten Vervielfältigung seiner Arbeiten ohne Qualitätsverlust, erlangt er große Bekanntheit. In seinen Holzschnitten ist das Gegenständliche nur soweit abstrahiert, dass Figuren und Gegenstände trotz starker Vereinfachung erkennbar bleiben.

Literatur/Links

Offizielle Homepage

 

Margot Fürst (hrsg.), Grieshaber. Das Werk, Stuttgart: Cantz 1989

 

Paul Swiridoyy. Die Holzwege des HAP Grieshaber, Künzelsau 1999

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