Joan Miró (1893 -1983)

Il était une petite pie

(Es war einmal eine kleine Elster)

Il était une petite pie 

7 chansons et 3 chansons pour Hyacinthe von Marie Hirtz

avec 8 dessins en couleur par Joan Miró.

 

Paris: Jeanne Bucher, 1928

[17] Bl., farb. Abb. in Pochoir-Technik nach Gouachen von Miró, Text: Fasimiles der Handschrift der Autorin,

gedruckt bei Saudé, Paris

34 x 26 cm, lose Blätter in Leinenmappe

Auflage: 300 Ex., 1 - 20 auf Japan-Papier,

signiert Joan Miró und Lise Hirtz

 

Das Buch und seine Geschichte

Diese kleine Mappe wird allgemein als herausragendes Beispiel eines Künstlerbuches für Kinder zitiert. Auf Grund seines großen (Unikat-)Wertes bleibt es jedoch den Museumsvitrinen und Sammlerarchiven vorbehalten. Originalausgaben befinden sich im Institut Valencia d’Art Moderne, Spanien, und in San Francisco im Fine Arts Museum, USA.

 

Es ist die erste bibliophile Arbeit des damals 35jährigen Miró und gleichzeitig sind es seine ersten Illustrationen zu Gedichten. Die Texte stammen von Anne-Marie Hirtz, besser bekannt unter dem Namen Lise Deharme, einer engen Freundin von André Breton. Dieser hatte die Gedichte 1927 an Miró geschickt mit der Bitte, sie zu illustrieren. Miró fertigte acht Gouachen, die später in der Pariser Druckerei Saudé in Pochoir Technik übertragen und von Hand koloriert wurden.

 

Die surrealen Texte sind von der Autorin als Gedichte für Kinder gedacht, wie der Hinweis „et 3 chansons pour Hyacinthe“, ihren zweiten Sohn, im Untertitel belegt. Miró versieht die Texte mit sparsamen Illustrationen, die Linien, Flächen und Zahlen miteinander in Beziehung setzen. Sein Interesse an den Texten könnte auch der großen Anziehungskraft, die Kinder und ihre Bilder auf ihn ausübten, geschuldet sein. So beschreibt Michel Leiris Mirós Bemühen, Spontaneität und Authentizität der eigenen Kindheit wieder zu finden, als wichtiges Motiv seiner Kunst (Fineberg,1995, S.148).

 

Ob dieses Buch als Kinderbuch gedacht ist, bleibt dennoch unbestimmt. Ein kleines, surrealistisches Kunstwerk – auch für Kinder – ist es allemal. Die kurzen Verse/ Nonsense-Gedichte sind z.B. überschrieben mit Titeln wie: Une petite pomme (Ein kleiner Apfel), La poule noire (Das schwarze Huhn), Les pàquerettes (Die Gänseblümchen), Les petites ânes ( Die kleinen Esel) oder dem titelgebenden Il était une petite pie.

 

Kurzvita

Joan Miró, geb. 1893 in Barcelona, gestorben 1983 in Palma de Mallorca gilt als bekanntester und populärerster spanischer (katalanischer) Maler, Grafiker, Buchkünstler, Bildhauer und Keramiker. Nach dem Besuch einer Handelsschule und Tätigkeit als Buchhalter erkrankt er schwer und kann schließlich seinen Wunsch Künstler zu werden, durchsetzen. Von 1912 bis 1915 besucht er die Kunstschule von Francesco Gali in Barcelona. 1919 reist er nach Paris, wo er Pablo Picasso und bald auch die Dadaisten und Surrealisten um André Breton trifft. Ab Mitte der 20er Jahre wendet er sich einer abstrakten Formensprache aus Farben, Linien und Symbolen zu und malt seine „Traumbilder“. Ab 1928 entstehen erste Papier- und Objektcollagen, bibliophile Bücher und Lithografien, ab 1933 auch Radierungen. Später gestaltet er auch Bühnenbilder, Kostüme, monumentale Wandbilder und Mosaiken. Während des spanischen Bürgerkriegs lebt er in Frankreich, seit 1956 ist er in Palma de Mallorca ansässig. Retrospektiven1940/41 in New York, 1960 in Paris, Grand Palais und 2004 nochmals in Paris, Centre Pompidou.

 

Lise Hirtz, 1907 bis 1980, ist Romanautorin, Lyrikerin und als Muse der Pariser Surrealisten um André Breton bekannt geworden. 1927 heiratet sie Paul Deharme, einen Radiojournalisten, mit dem sie zwei Söhne hat: Tristan und Hyacinthe, sowie später einen Sohn Daniel mit Darius Milhaud. Ab 1933 übernimmt sie die Redaktionsleitung eines surrealistischen Magazins. 1937 erscheint „Le Coeur de Pic. 32 poèmes pour les enfants“ mit 20 Fotografien von Claude Cahun, das sie noch einmal sehr bekannt machte.

Literatur/Links

Joan Mirò Arbeiten auf Papier 1901 – 1977.Hrsg. Carl Haenlein, Kestner Gesellschaft Hannover 1972

 

Joan Mirò The Illustrated Books. Catalogue Raisonnée. Hrsg. Patrick Cramer, P.Cramer, Genf 1989

 

Jonathan Fineberg, Mit den Augen des Kindes. Ausst.-Katalog Lenbachhaus, München, 1995

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