Art Spiegelman (geb. 1948)

Jack and the Box

New York: Raw Junior, 2008

32 S., durchgehend farbig ill.

16 x 23,5 cm, Pd.farb,

Das Buch und seine Geschichte

Dieses kleine, querformatige Buch ist eine Mischung aus Bilderbuch und Comic. Es erinnert in der Aufmachung – fester Pappband mit optisch abgesetztem Rückenfalz, fein gemusterten Vorsatzpapieren und Innendeckeln und einer subtilen Farbigkeit auf festem, qualitätvollen Papier - an den Typus der französischen „Bande Dessinée“ und weniger an die üblichen als Softcover-Hefte gestalteten Comicausgaben hierzulande. Andererseits lassen die auf den Bildseiten dominierenden Sprechblasen mit kurzen Sätzen oder lautmalerischen Ausrufen in handschriftlichen Druckbuchstaben sofort an Comics denken.

 

Der kleine Hasenjunge Jack erhält ein Geschenk, eine Art „Kasper in der Kiste“, bei dem die Figur unvermutet aus dem Karton herausschnellt, sobald der Deckel angehoben wird. Art Spiegelman entwickelt in seinen Zeichnungen ein stets aufs Neue überraschendes Spiel zwischen Jack, dem Hasenkind, und Zack, dem Kasper, der im Amerikanischen „Jack-in-the-Box“ heißt. In seinem hohen Hut wohnt sein Freund Mack, der wiederum die Ente Quack mit vielen Entenkindern als Haustier hat. Im Laufe der Bildfolge entsteht ein wunderbares Kinderzimmer-Chaos, doch als die Eltern ins Zimmer kommen, ist natürlich alles in bester Ordnung.

 

Mit klaren Konturen und zarten Farben, teils Ton-in-Ton, teils in blassem Komplementärkolorit, erzählt Spiegelman vor allem von Gefühlen: Freude, Ärger, Wut, Staunen, Schreck, Übermut und Widerstand des Hasenjungen wechseln sich ab, ablesbar an Körperhaltung und Gebärden und sprechen schon sehr kleine Kinder an. Zudem gelingt es Spiegelman, das Kinderspiel im Buch so anzulegen, dass es endet, um sofort wieder neu zu beginnen. Und schließlich lernen die Kleinen Buchstaben kennen und verstehen, noch ehe sie lesen können.

Kurzvita

Art Spiegelman, geboren 1948 in Stockholm als Sohn polnischer Ausschwitz-Überlebender, gilt als einer der berühmtesten Comic-Zeichner und -Kenner unserer Zeit.

In New York aufgewachsen, besucht er dort zunächst die High School of Art and Design. Mit 16 Jahren beginnt er zu zeichnen und studiert am Harpur College (Binghampton University) Kunst und Philosophie. Mit seinem Comic „Maus. A Surviver’sTale“, der Geschichte seiner Eltern, dessen erster Band 1986 erstmals in Buchform erscheint, wird er weltberühmt. Als bisher erster und einziger Comic-Zeichner erhält er 1992 den hoch angesehenen Pulitzer Preis, nachdem 1991 der zweite Band von „Maus“ erschienen ist. Anfang der 80er Jahre gründet er zusammen mit seiner Frau Françoise Mouly das avantgardistische Comic-Magazin „Raw“, in dem zunächst auch „Maus“ in mehreren Folgen erscheint.

Mit seinem großformatigen Comic „In the Shadow of no Towers“, in dem er seine Erlebnisse im Zusammenhang mit den Attentaten auf das World Trade Center im Süden von Manhattan vom 11. September 2001 verarbeitet, stellt er einmal mehr seine Meisterschaft in diesem Genre unter Beweis. Spiegelman sagt von sich, dass er Lesen durch und mit Comics gelernt habe und sieht in den vor allem durch Zeitungen weit verbreiteten Strips einen fundamentalen Beitrag zur Alltagskultur Amerikas. Seine Arbeit sei „writing with a picture“. 2013 widmet das Kölner Museum Ludwig dem Künstler eine umfangreiche Retrospektive, die zuvor in der französischen Stadt Angoulème und im Centre Pompidou, Paris zu sehen war.

Literatur/Links

Art Spiegelman, Maus. Die Geschichte eines Überlebenden,

Reinbek b. Hamburg: Rowohlt, 1993 (OA: A Surviver’s Tale, 1986)

 

Art Spiegelman: Im Schatten keiner Türme, Zürich: Atrium, 2011 (OA: In the Shadow of No Towers, 2004)

 

Art Spiegelman, Meta-Maus, New York: Pantheon, 2011,

dt. Ausgabe: Frankfurt /Main: S. Fischer, 2012

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