Paula Schmidt (geb.1954)

Jorinde und Joringel

Text von Jacob und Wilhelm Grimm

Köln: Middelhauve, 1991
[18] Bl., Öl, gestempelte Schrift
34 x 25 cm, farb. Pappband

OA: Köln: Middelhauve, 1978, mit einem anderen Cover

Das Buch und seine Geschichte

Mit diesem ersten Bilderbuch – es folgt nur noch ein zweites – erlangt die junge Kunststudentin Paula Schmidt große Aufmerksamkeit. Es kommt auf die Auswahlliste des Deutschen Jugendliteraturpreises und facht einmal mehr die Debatte über die Frage an, wie ein Bilderbuch beschaffen sein sollte. Die ungewöhnlich malerischen, sich über die Buchseiten großflächig hinziehenden Bilder entsprechen so gar nicht den gängigen Vorstellungen von dem, was kleinen Kindern zuträglich sei. Das Erscheinen des Buches verdankt sich besonders dem risikofreudigen Engagement der Verlegerin Gertraud Middelhauve, die für ihren Verlag stets auf der Suche nach dem Außergewöhnlichen ist. Immerhin wagt sie mit der hier vorliegenden Neuausgabe 1991 eine erneute Auflage von 6000 Exemplaren, eine für ein Bilderbuch in Deutschland ungewöhnliche Höhe.

Das Buch ist zudem ein Beispiel für ein Künstlerbuch, dessen sämtliche Elemente sich gegenseitig bedingen und ausschließlich dem künstlerischen Konzept der Malerin entspringen. Die großformatigen Bilder sprengen den Rahmen und die allgemeinen Vorstellungen von der Illustration eines Märchens. Die eigenständige Bilderzählung stellt dem düsteren Zaubermotiv des Märchens die alles überdauernde Liebe eines jungen Paares entgegen und verleiht im Verbund mit dieser Akzentuierung Bildern und Text eine außerordentliche, emotionale Ausstrahlungskraft.

Mit zwei Ausnahmen geht die Künstlerin stets von der Doppelseite aus und bildet mit von Hand gestempelten Schriftenzeilen eine Verbindung von Bildfigur und Textbild. Relativ großformatige Buchstaben scheinen auf gedachten Hilfslinien zu tanzen und nehmen damit das Motiv der bewegten Pinselstriche auf. Auf vielen der dunkelfarbigen Bilder dominieren kräftig-schwarze Konturlinien, die von flüssig wirkenden Farbpartien kontrastiert werden.

Kurzvita

Paula Schmidt, geboren 1954 in Mainz, lebt als Malerin und Grafikerin in Berlin.
Sie studiert an der Berliner Hochschule der Künste, u.a. bei Jürgen Spohn. Nach ihrem zweiten Bilderbuch „Hans mein Igel“, einem Grimmschen Märchen in der Textfassung von Sarah Kirsch, wendet sie sich der freien Malerei und der grafischen Gestaltung zu. Sie kann auf eine große Zahl von sowohl bei Einzel- als auch Gruppenausstellungen zurückblicken.

Literatur/Links
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