Herbert Achternbusch (geb. 1938)

Karpfn

Weitra: Bibliothek der Provinz (publication PN°1) o.J. (1999)

Text, Illustrationen und Gestaltung Herbert Achternbusch

[16] Bl. plus Vorsatz, Wasserfarbe

22,5 x 22,3 cm, Pd., grün, mit Illustration auf den Buchdeckeln

Das Buch und seine Geschichte

Auch dieses Buch hat Achternbusch für seine Tochter Naomi gemalt, als sie drei Jahre alt ist. So steht es im gedruckten Text auf der ersten Seite.

 Die Bilder und Textzeilen in mattblauer Wasserfarbe gehen häufig ineinander über und bilden eine zusammengehörige Bildfigur. Offensichtlich wurde zuerst der Text geschrieben und dann mit den Motiven Wasser und verschiedenartigen Fischen übermalt. Dadurch ist manchmal die Schrift verwischt. Figuren oder Hände sind nur in Andeutungen wiedergegeben. Der Eindruck des Malens und Schreibens beim Erzählen ist unmittelbar spürbar.

 Zur besseren Lesbarkeit des Buches ist der Text zusätzlich gesetzt, gelegentlich leicht abweichend von der gemalten Schrift oder diese ergänzend.

 Die Geschichte: Zwei Karpfen schwimmen im Teich vor Naomis Haustür und fragen sich, ob es wohl etwas Anderes als Wasser gibt? Einer der Karpfen springt schließlich so hoch, dass er auf der Wiese landet. Naomi rettet ihn und erzählt ihren Eltern davon.

 Auch in dieser Geschichte ist die direkte Verbindung zwischen der Erfahrungswelt des Kindes und der Erzählhaltung des Vaters spürbar. Diese Geschichte malt und schreibt der Vater für das Kind, wahrscheinlich in seinem Beisein. Er erzählt mit dem Pinsel, bezieht die kleine Tochter als Zuschauerin und Zuhörerin mit ein. Die Geschichte endet mit dem Hinweis, dass der Vater später, wenn das Kind im Bett liegt, noch eine weitere erzählen wird.

Kurzvita

Herbert Achternbusch, geboren am 23. Nov. 1938 in München, ist ein bekannter deutscher Schriftsteller, Filmemacher und Maler. Er lebt auf dem Land und in München. Nach einer Ausbildung an der Kunstakademie in Nürnberg und der Akademie der Bildenden Künste in München hat er bald schon Erfolge als Autor. Ab den 1970er Jahren wird er besonders bekannt mit zahlreichen avantgardistischen Filmen. In den letzten Jahren verstärkt sich wieder sein Interesse an der Malerei.

 

Achternbusch ist seit je bekannt für das Anarchische und Unangepasste in der Kunst. Er liebt die Provokation und verstört häufig mit seinem ins Groteske übersteigertem Humor, der ihm mehrfach den Vorwurf der Blasphemie eingebracht hat. Achternbusch pflegt sowohl den bayerischen Dialekt als auch eigene Sprachschöpfungen. Er schreibt Erzählungen, Romane, Theaterstücke und die Drehbücher für seine Filme. In der Malerei arbeitet er meist mit Wasserfarben oft auf spröden Untergründen (Rauhfasertapete, Bambus), scheinbar hingeworfen mit breitem Pinsel, erzählt mit farbig expressiven Formen und Figuren auf großen Formaten.  

Literatur/Links

Jörg Drews (hrsg.): Herbert Achternbusch, Frankfurt / Main, 1982

Marina Schneede (hrsg.): Herbert Achternbusch, der Maler.

Katalog zur Ausst. in München, Düsseldorf, Wien, Hamburg, Berlin. München, 1988  

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