Joachim Ringelnatz (1883 – 1934)

Kinder-Verwirr-Buch

Berlin: Eulenspiegel, 1985

66 S., 12 schwarzweiß Zeichnungen

und eine Bauanleitung

19 x 17,5 cm, Pb., farb. Umschlagzeichnung

Nachdruck der OA, 1931

 

OA: Berlin: Rowohlt, 1931 und Potsdam: Kiepenheuer, 1931  

"Nie bist du ohne Nebendir."
Das Buch und seine Geschichte

Dieser zweite Band mit Unsinnsgedichten und Zeichnungen enthält zusätzlich einen längeren, als Märchen bezeichneten Text und ein „Rätselhaftes Ostermärchen“, das wie ein einfacher Rebus funktioniert. Dazu eine Anleitung zum Bau einer Windmühle.

In den meisten dieser Texte spielt Ringelnatz wiederum mit unkonventionellen Wort- und Gedankenverbindungen wie „Nie bist du ohne Nebendir“ oder der Zeichnung vom brennenden Schneemann. Mit scheinbar kindlich-naivem Tonfall und kritzelndem Strich führt Ringelnatz seine Leser in Abgründe menschlichen Verhaltens, immer an der impliziten Frage entlang, ob dies denn ein Kinderbuch sei. An seinem rabenschwarzen Humor, seinen bitteren Wahrheiten und seinem tabufreien Blick haben sich Eltern und Pädagogen seit je gerieben. Ringelnatz gehört zu jenen Künstlern, die sich vordergründig an Kinder wenden und/oder Kinderfragen behandeln, doch meint er in Wirklichkeit den Menschen und weigert sich, seine Texte und Bilder dem jeweiligen Lebensalter zuzuteilen. Naivität als künstlerisches Prinzip.

Kurzvita

Joachim Ringelnatz (d.i. Hans Bötticher), geb. 1883 in Wurzen bei Leipzig, gest.1934 in Berlin, zählt zu den sogenannten Malerpoeten. Er ist einem breitern Publikum bekannt als Schriftsteller und Kabarettist, weniger als Maler und Zeichner. 

Große Resonanz erlangt er mit seiner Nonsense-Poesie, dem Gedichtband „Kuttel Daddeldu oder das schlüpfrige Leid“ und mit Kabarettbeiträgen für den Münchner „Simpl“ und das Berliner Kabarett „Schall und Rauch“.

Ringelnatz beendet 1901unfreiwillig die Schulzeit und geht als Schiffsjunge auf Indienfahrt. Er versucht sich in unzähligen Berufen, wird Matrose und im Ersten Weltkrieg Marinesoldat. Zwischen 1901 und 1909 erscheinen seine ersten Gedichte u.a. in einer Zeitschrift, die sein Vater, Georg Bötticher, herausgibt. Ab 1919 veröffentlicht er unter dem Pseudonym Joachim Ringelnatz. In dieser Zeit widmet er sich auch der Malerei und kann seine Bilder 1925 in einer Ausstellung der Akademie der Künste zeigen. Nach dem Publikations- und Auftrittsverbot durch die Nazis 1933 nennt er sich Kunstmaler. 

Ringelnatz zeichnet bereits als Kind ununterbrochen, hat jedoch nie eine akademische Ausbildung absolviert. Bevor seine beiden bekannten, hier aufgeführten Kinderbücher entstehen, schreibt und zeichnet er 1923 „Das Märchen vom Rotkäppchen“ als Originalmanuskript in zehn Exemplaren mit zwölf Zeichnungen des Autors im Text, eine davon aquarelliert. Ein Exemplar ist im Auktionskatalog von Ketterer Kunst Nr. 385, 2011, abgebildet.

Literatur/Links

Helga Bemmann: Daddeldu, ahoi. Leben und Werk des Dichters, Malers und Artisten Joachim Ringelnatz, Frankfurt /Main: Fischer Taschenbuch, 1982

Frank Möbus u.a. (Hrsg.): Ringelnatz! Ein Dichter malt seine Welt, Göttingen: Wallstein 2000

Joachim Ringelnatz Museum, Cuxhaven –www.ringelnatzmuseum.de

 

 

 

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