Lou Scheper-Berkenkamp (1901 - 1976)

Knirps, ein ganz kleines Ding

Nachdruck, Berlin: Bauhaus-Archiv, 2012
[10 ] Bl., kolor. Federzeichnung,
Schrift gezeichnet von Josefa Frank
10,8 x 15 cm, Pd.
Vor- und Nachwort der Künstlerin, Nachwort von Renate Scheper zur Neuausgabe

 

OA: Leipzig: Ernst Wunderlich, 1948

Das Buch und seine Geschichte

Im Vorwort erzählt die Künstlerin von der Entstehungsgeschichte des Büchleins, die eng mit der deutschen Nachkriegszeit verbunden ist. Nachdem ein kleiner Junge von herumliegender Munition verletzt wurde, liegt er im Krankenhaus. Zum Trost setzt Lou Scheper ihm einen Knirps auf die Bettdecke, der Geschichten erzählen und die Zeit vertreiben kann. Auch hier ist es wieder das Motiv „Hänschen klein, ging allein...“ In einem Holzschuh segelt Knirps davon, erlebt Abenteuerliches, wird aus Sturm und Einsamkeit gerettet, kommt ins Schokoladenmeer, nascht allerlei süße Sachen und landet schließlich versteckt in einem Puddingfisch auf dem Teller des freundlichen Admirals, der ihn schon einmal gerettet hat. Im Nachwort lädt Knirps alle Kinder ein, zu ihm ans Ende der Welt zu kommen.

 

Das erzählerische und zeichnerische Prinzip ähnelt dem aus Puppe Lenchen mit seinen fantastischen Einfällen und der unbekümmerten Verknüpfung überraschender Motive zu Bild- und Textfiguren. Da findet sich ein Strauchigel, also ein kugeliges Gebüsch, das Knirps fortträgt, aus dem Schokoladenmeer ragen Krokantfelsen, im Land Kartufflien lebt die kartoffelkönigliche Familie, die aus Kartoffeln zu bestehen scheint, und schließlich bringt ein großer Puddingfisch die Rettung für den kleinen Helden.

Kurzvita

Lou Scheper-Berkenkamp, geb. 1901 in Wesel, gest. 1976 in Berlin, lebt als Malerin und Zeichnerin bis zur Schließung des Bauhauses in dessen künstlerischen Umfeld.

Ab 1920 studiert sie am Bauhaus Wandmalerei und belegt Formlehrkurse bei Johannes Itten, Paul Klee und Wassily Kandinsky. Nach ihrer Eheschließung mit dem Bauhaus-Lehrer Hinnerk Scheper, der über Jahre die Werkstatt für Wandmalerei leitet, bricht sie 1922 ihre Studien ab, arbeitet als freie Künstlerin und widmet sich der Familie. Durch die Lehrtätigkeit ihres Mannes bleibt sie dem Bauhaus verbunden. Neben freier Malerei und Mitwirkung an der Bauhausbühnenwerkstatt entstehen erste Bilderbuchentwürfe für die eigenen Kinder Jan, geb. 1923, und Britta, geb.1926. Die Hitlerjahre lebt die Familie zurückgezogen, 1938 wird ein zweiter Sohn geboren. Erst als Hinnerk Scheper Ende 1945 zum Leiter des Berliner Amtes für Denkmalpflege und Landeskonservator bestellt wird, beginnt Lou Scheper sich wieder mehr eigenen künstlerischen Vorhaben zuzuwenden, darunter den Bilderbuchprojekten, später der Wandmalerei.

Literatur/Links

Ulrike Müller, Lou Scheper- Berkenkamp, in: Ulrike Müller, Bauhaus-Frauen. Meisterinnen in Kunst, Handwerk und Design, Berlin: Insel, 2014, S. 100-108

 

Barbara Murken, Eigentlich sitze ich lieber auf Luftlinien als auf Sesseln. Die magische Bilderwelt der Bauhauskünstlerin Lou Scheper-Berkenkampin: Das Bücherschloss. Mitteilungen aus der Internationalen Jugendbibliothek, München, 2009, S. 77-84

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