André François (1915 – 2005)

Krokodilstränen

Feldafing: Buchheim Verlag, o.J. (1956)

[20] Bl., mit Pastellkreide kolorierte Zeichnungen

8,5 x 26 cm, quer, Pb. mit farb. Schuber 

 

OA.: Les larmes de crocodile, Paris: Delpire,1954

NE: Crocodile tears, New York 2017

 

 

New York Times Best Illustrated Children's Book 1956
Das Buch und seine Geschichte

Der als Luftpostverpackung gestaltete Schuber ist mit blauroten schräg gestellten Randstreifen, Adressenfeld und Briefmarken versehen. Auf der Rückseite finden sich die Schriftzeilen: Vorsicht Krokodil! Nicht werfen, schütteln, necken! Vor Kälte schützen! Dazu die als Aufkleber gestalteten Felder: Eilbote-Express und: Mit Luftpost/Par Avion. Das Umschlagbild des längsrechteckigen Buches zeigt einen Teil des Krokodilskörpers, der im Innendeckel und auf dem rückwärtigen Buchdeckel weitergeführt wird. So dreht man zuerst das Buch hin und her, um den Anfang zu finden, bzw. das Krokodil in voller Länge zu sehen. Mit weichem, schwarzen Strich und sparsam eingesetzten roten und grünen Pastellkreiden zeichnet François eine kleine absurde Geschichte über das Wort Krokodilstränen. Dazu muss natürlich erst einmal ein Krokodil aus Ägypten geholt, in einer langen Kiste per Post nach Hause geschickt werden und es muss in der Familie leben bis es einmal Grund zum Weinen hat. Dann sieht man, was Krokodilstränen sind. 

Im Stil eines Cartoons erzählt der Künstler diese kurze, heitere Geschichte mit vielen, verrückten Details, die einladen, immer wieder von vorne zu beginnen, bis – möglicherweise ist das der Impuls des Künstlers zu diesem Buch – die Tränen des Kindes getrocknet sind. Das kleine Buch war ungeheuer erfolgreich, wurde in mindestens 14 Sprachen übersetzt und gilt als Klassiker unter den Bilderbüchern Frankreichs.

Kurzvita

André François, geboren 1915 als André Farka in Temeswar, ehemals Ungarn, heute Rumänien, gestorben 2005 in Grisy-les-Plâtres (Departement Val-d’Oise), Frankreich. Besonders bekannt ist er als französischer Cartoonist, aber auch als Maler, Bildhauer und Graphik-Designer geworden.

Nach einem Studium an der Kunsthochschule von Budapest geht er 1934 nach Paris und arbeitet mit dem damals schon berühmten Grafikdesigner und Plakatkünstler Adolphe Cassandre zusammen, der an der École Nationale Superieure des Arts Décoratifs lehrt.

1939 wird François französischer Staatsbürger, heiratet noch im gleichen Jahr und wird bald Vater zweier Kinder, Catherine und Pierre. Mit Cartoons für Le Nouvel Observateur, das britische Satire-Magazin Punch und den New Yorker wird er bekannt. Sein Zeichenstil in schwarz-weiß, später auch farbig, ist besonders gekennzeichnet von einer humorvoll-satirischen Sichtweise. Milton Glaser bezeichnet François zusammen mit Saul Steinberg als „Shining light“ der 50er Jahre, der die junge Zeichnergeneration stark beeinflusst habe. Tomi Ungerer nennt ihn zusammen mit anderen als sein großes Vorbild. François macht sich auch einen Namen als Werbegrafiker für große Unternehmen wie Kodak, Olivetti, Citroen, Perrier u.a.

2002 zerstört ein Feuer in seinem Studio nahezu sein ganzes Werk. Das hinderte ihn nicht daran, in seinen letzten Lebensjahren einen neuen Werkkomplex zu schaffen. 2011 wurde das Centre André François in Margny-lés-Compiègne / Picardie eröffnet, das sich der Sammlung und Pflege des künstlerischen Nachlasses und der Förderung der Illustration widmet.

Literatur/Links

Centre André Francois : https://centreandrefrancois.fr/
Biography and illustrations https://www.pbase.com/csw62/andre_francois.

Sarah Moon “André Francois. Artist-Poet”, documentary, Garramedia 2004 (French with English subtitles) - https://www.youtube.com/watch?v=0pycrJeqhbc

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