Warja Lavater (1913 - 2007)

La Belle au Bois Dormant

(Dornröschen)

Une imagerie d’après le conte de Charels Perrault

Paris: Adrien Maeght Editeur, 1982

20 Faltungen, Leporello, Originallithografie

16,2 x 11,2 cm, Leinendeckel

Vorsatz vorne ausklappbar mit Erläuterungen der Symbole  

Das Buch und seine Geschichte

Für ihre Bilderzählung dieses Märchens wählt Warja Honegger-Lavater anfangs sehr helle Farben, ein mit weiß abgetöntes Grün, hellgrau, beige mit leichtem Rosé und ein sehr helles Purpurrot für die Rosen. Dornröschen ist als olivgrüner Kreis wiedergegeben mit einem den Rosen entsprechenden inneren, hellroten Farbkreis. Die böse Fee überzeugt als ein in der Größe variierender schwarzer Kreis. Nachdem Dornröschen von der Spindel, einer feinen schwarzen Linie mit kurzem Querstrich, gestochen wird, finden wir sie als eine sich nach allen Richtungen auflösende Kreisform in rosa und olivgrün, zwei Farben, die in der Folge in dunkleren Variationen dominieren und den langen Schlaf der verzauberten Königstochter veranschaulichen, bis sie wieder in das hellere Spektrum wechseln. Jetzt findet zunehmend Ultramarinblau Verwendung, zunächst bei den Rechtecken der Türen, später den Romben des Prinzen. Dazu kommt Purpurrot für die Rosen und Dornröschens inneren Kreis. Zum Schluss, nachdem der Prinz Dornröschen aufgeweckt hat, dominieren wieder die hellen Farben. Der Wald wird ebenso hellgrün wie anfangs mit höheren Weißanteilen. An diesem Leporello wird einmal mehr das umfassende, erzählerische Bildkonzept deutlich, das sämtliche Elemente der Gestaltung auf einander bezieht und den Betrachter auf unterschiedlichen Ebenen anspricht.

Kurzvita

Warja (Honegger) Lavater, geboren 1913 in Winterthur, gestorben 2007 in Zürich, ist die Tochter der Schriftstellerin Mary Lavater-Sloman. Ihre Ausbildung absolviert sie von 1931 bis 1935 an der Kunstgewerbeschule in Zürich, an der am Bauhaus geschulte Lehrer unterrichten. Nach Studienaufenthalten in Stockholm, Basel und Paris gründet sie zusammen mit Gottfried Honegger, ihrem späteren Mann, ein Grafik-Atelier in Zürich. Von 1944 bis 1958 betreut sie die grafische Gestaltung einer Jugend-Zeitschrift. Besondere bildnerische Anregungen bezog sie von der zeitgenössischen, amerikanischen Werbegrafik während verschiedener Aufenthalte in New York von 1958 bis 1960. Mit ihrem ersten Leporello (Folded Story 1) “Wilhelm Tell“, das vom Museum of Modern Art in New York 1962 herausgegeben wird, findet sie zu ihren eigenwilligen Faltbüchern. Diese Leporellos erscheinen seit Ende der 60er Jahre unter dem Mädchennamen der Künstlerin und unter dem von ihr eingeführten Begriff „Imagerie“, schwer zu übersetzen mit Bildsymbolik.

 

Die Künstlerin erzählt mit Chiffren oder Symbolen, mit abstrakten Formen und einem wohl durchdachten Farbkonzept gänzlich ohne Worte eigene Geschichten oder bekannte Märchen. Dabei bleibt sie stets der Bildwirkung, der Ästhetik der begrenzten und dennoch fortlaufenden Bildfläche verbunden. Damit stellt sie besondere Erwartungen an die Vorstellungskraft ihrer kleinen und großen Leser, die die Symbole und verschlüsselten Handlungsstränge erkennen und deuten müssen. Besondere Aufmerksamkeit erzielt sie auch dadurch, dass ihre Bilderfolgen/ Bildfriese als Originallithografien gedruckt werden. Sie rücken damit in die Nähe des Künstlerbuchs und setzen sich deutlich von dem in größeren Auflagen auf glattem „Industriepapier“ gedruckten Bilderbuch ab. Vielen gilt die Künstlerin als Pionierin des Genres Künstlerbuch / Livre d’Artiste / Artist’s Book der Zeit nach dem II. Weltkrieg. Besondere Unterstützung erfährt sie dabei unter anderem von der Pariser Galerie Adrien Maeght, die die kleinen Buchobjekte in ihrer Kunstanstalt „Ateliers Arte“, Paris, drucken lässt und sie international vor allem in Galerien und weniger im Buchhandel vertreibt.

 

2003 widmet das Haus Konstruktiv in der Zentralbibliothek Zürich der Künstlerin zum 90. Geburtstag eine retrospektive Ausstellung. Dort liegt auch er künstlerische Nachlass der Künstlerin.

Literatur/Links

Warja Lavaters Kunst der chiffrierten Erzählung: Ein blauer Punkt für…

 

Zeitlose Punkte voll erzählerischer Kraft: Ihre Bücher sind...

 

 
 
Christophe Meunier, "Les imageries de Warja Lavater : une mise en espace des contes...", in: Les territoires de l'album. L'espace dans les livres pour enfants. Januar 2013, https://lta.hypotheses.org/396 (20/02/20)
 
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