Andy Warhol (1928 – 1987)

Le livre des Coloriages de ’Andy Warhol

Paris: Editions Palette, 2007

[12] Bl., Tuschzeichnungen

41 x 30 cm, farb. Pd.

 

OA: New York: Callaway Editions, 1990, mit dem Titel: A Colouring Book. Drawings by Andy Warhol.

Auch beim Deutschen Kunstverlag, 2012, mit dem Titel: Ein Malbuch. Zeichnungen von Andy Warhol.

Pour les enfants de tous les ages…(Für Kinder jeden Alters…)
Das Buch und seine Geschichte

Das großformatige Heft ist als Malbuch angelegt. Es enthält zwölf ganzseitige Tierzeichnungen, dazu eine doppelseitige in der Mitte, jeweils auf festem, weißen Karton. Die hintere Innenseite des Einbandkartons enthält vier verkleinerte Zeichnungen des Malbuches, die Warhol eigenhändig koloriert hat.

 

Der französische Verlag beschreibt das Malbuch als die Adaption einer Broschüre, die Warhol an Weihnachten1961 als Werbegeschenk für die Lederwarenfirma Fleming-Joffe in New York unter dem Titel „The Wonderful World of Fleming-Joffe“ mit einer Auflage von 800 Exemplaren gestaltet hat. Mit echten Lederflecken bestückt und Bezeichnungen wie Calcutta Lizard oder Exotic Calf für die Tiere sollte offensichtlich augenzwinkernd die breite Palette der Firma vorgestellt werden. Über die Umstände der posthumen Neuausgabe mit geändertem Titel ist nichts bekannt. Das Copyright liegt bei der Lederwarenfirma und nicht wie bei den meisten Arbeiten des Künstlers bei einer der mit seinem Nachlass beauftragten Institutionen.

 

In diesem Malbuch setzt Warhol die von ihm entwickelte „blotted line“ ein, ein Verfahren, das mit flüssigen, teils unterbrochenen Tuschelinien arbeitet. Es entsteht eine skizzenhafte, eher flüchtige Konturlinie, die Offenheit und Bewegung vermittelt. Die Art der Linienführung entwickelt Warhol Ende der 50er Jahre ebenso wie die Stempeltechnik, die er hier bei der Umschlaggestaltung und einigen dekorativen Elementen einsetzt.

Kurzvita

Andy Warhol, geboren 1928 in Pittsburg, Pennsylvania, gestorben 1987 in New York City, gilt als bekanntester und wichtigster Vertreter der us-amerikanischen Pop-Art. Er arbeitet als Grafik-Designer, Maler und Filmemacher und betreibt seit Mitte der 60er Jahre seine „Factory“, eine Art Experimentierwerkstatt, in dem sein umfangreiches Werk zusammen mit Freunden und Mitarbeitern entsteht.

 

Von 1945 bis 1949 studiert Warhol am Carnegie Institute of Technology in seiner Geburtsstadt. Anschließend lebt er in New York, zunächst als erfolgreicher Werbegrafiker. Mit Beginn der 60er Jahre entdeckt er für sich die Technik des Siebdrucks, die ihm vielfältiges, serielles Arbeiten ermöglicht. Es entstehen seine berühmten Bilder mit in den USA allgegenwärtigen Motiven aus der Werbung: Campbell’s Suppendosen oder Coca-Cola-Flaschen, außerdem vielfach wiederholte Porträts nach Pressefotos bekannter Personen wie Marilyn Monroe oder Elvis Presley. Nach 1968 wendet er sich wieder verstärkt der Acrylmalerei und dem Siebdruck zu, die nach selbst gefertigten Polaroidfotos entstehen. Sein Thema bleibt die populäre Massenkonsumkultur, deren Allgegenwärtigkeit er durch die Produktion in seiner Factory wiederholt.

 

In den 50er Jahren beschäftigt sich Warhol viel mit grafischen Techniken, illustriert Bücher , darunter auch unveröffentlichte Kinderbuchprojekte, und gestaltet eigene Künstlerbücher. Gegen Ende der 50er Jahre erscheinen seine ersten gedruckten Kinderbuchillustrationen für den Buchclub von Doubleday. Für insgesamt sechs der 42 Bände umfassenden Reihe „Best in Children’s Books“ illustriert er jeweils eine Geschichte. Bei diesen eher herkömmlich anmutenden Zeichnungen dominiert die Konturlinie, doch beginnt er gleichzeitig seine „broken line“, eine gelegentlich abgesetzte Konturlinie, einzusetzen, um mehr Beweglichkeit und Spontaneität zu erzielen.

Literatur/Links

The Andy Warhol Museum 

 

Kunst – ein Kinderspiel

Max Hollein, Gunda Luyken (Hrsg.)

Ausstellungskatalog Schirn Kunsthalle Frankfurt/M., 2004

Frankfurt/Main: Revolver-Archiv für aktuelle Kunst, 2004

 

Reading Andy Warhol

Ausstellungskatalog Museum Brandhorst München

Ostfildern: Hatje Cantz, 2013

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