Leonora Carrington (1917 – 2011)

Leche del Sueño

(Milch des Traums)

Mexiko Stadt: Fondo de Cultura Economica, 2013

[22] Bl., Mischtechnik (Feder, Buntstift) handschriftl. Notizen, teils auf farb. Papieren, Texte wiederholt in Druckschrift, Faksimile der Bildseiten, teils unter Weglassung der Handschrift 10 x 18 cm, farb. Pd.

Eine für Kinder zusammengestellte, gekürzte Ausgabe
Das Buch und seine Geschichte

Diese posthum erschienene Faksimile-Ausgabe ist eine für Kinder gekürzte Fassung eines umfangreicheren Bandes in größerem Format mit einem anderen Titelbild. Laut Verlagsmitteilung sind die Zeichnungen und Texte für ihre beiden Söhne Gabriel (geb. 1946) und Pablo (geb. 1947) entstanden. Es sind surreale Nonsense-Geschichten und surreale Zeichnungen. 

 

So hat der kleine Juan Flügel an den Ohren und der kleine Jorge isst gerne die Wände seines Zimmers auf. In Chihuahua muss man auf der Strasse vorsichtig sein, weil man dort Chavela Ortiz begegnen kann, einem Monster mit sechs Beinen. Es sieht allerdings nicht besonders furchterregend aus, dafür eher lustig mit seinen unterschiedlichen Beinen und Schuhen, seinem geblümten Rücken, dem Eselskopf einerseits und dem an einen Frauenkopf mit Rüssel erinnernden weiteren Kopf. Ein verrücktes Doppelwesen, an dem noch viele Details zu entdecken sind, lässt die Fantasie spielen und eher nicht an ein Monster denken, obwohl Carrington die Geschichte mit “El Monstruo de Chihuahua“ betitelt. Es folgen weitere “Erzählbilder“, also Zeichnungen, die möglicherweise während des Erzählens von der Mutter gezeichnet wurden.

 

Der Titel des Büchleins, in etwa “Milch des Traums“ deutet auf die Situation seiner Entstehung hin. Zu dieser Zeit hatte die Künstlerin begonnen, im mexikanischen Exil im Kreis von Künstlerfreunden wieder viel zu malen und zu schreiben, hier wohl erstmals auf Spanisch. 

Kurzvita

Leonora Carrington, geboren 1917 in der britischen Grafschaft Lancashire, gestorben 2011 in Mexiko-Stadt, ist eine international bekannte surrealistische Malerin, Bildhauerin und Schriftstellerin, deren Werke in vielen großen Museen vertreten sind. Als Kunststudentin lernt sie 1937 Max Ernst kennen und lebt bis zu dessen Verhaftung und Deportation 1940 durch die Deutschen mit ihm in Südfrankreich. Bedroht durch ihre Beziehung zu Max Ernst, emigriert sie über Spanien und Portugal nach New York. 1942 kommt sie nach Mexiko-Stadt, wo sie 1946 den ungarischen Fotografen Emerico Weisz heiratet und mit einigen Unterbrechungen bis zu ihrem Tode lebt. 

 

Seit 1938 veröffentlicht Carrington auch Prosatexte und Dramen, alle Ausdruck ihres unkonventionellen, surrealen, teils mystischen Weltverständnisses. Im gleichen Jahr nimmt sie auch an einer großen Pariser Surrealismus-Ausstellung teil und lernt viele in Paris lebende Künstler wie Pablo Picasso, Joan Miro, Yves Tanguy und andere kennen.Themen ihrer Bilder sind Träume, Fantasie- und Fabelwesen, Schreck- und mystische Tiergestalten und idealisierte Landschaften. Häufig nimmt die Malerin auch Motive der mexikanischen Kultur und Landschaften auf. 

 

Anlässlich ihres 90. Geburtstags wird 2007 in Mexiko eine Ausstellung mit Skulpturen der letzten Jahre ausgerichtet. Im Frühjahr 2015 ist in der Tate Liverpool eine große Ausstellung ihrer Arbeiten zu sehen mit dem Titel “Wild at Heart“. 

Literatur/Links

Offizielle Homepage

 

The Guardian, 26. Mai 2011 (Joana Moorhead: Leonora Carrington Obituary)

 

The Guardian, 28.Jan. 2015 , (Charlotte Higgins:Leonora Carrington: Wild at Heart)

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