Leonora Carrington (1917 – 2011)

Leche del Sueño

(Milch des Traums)

Mexiko Stadt: Fondo de Cultura Económica, 2013


Vorwort von Gabriel Weisz

Vorbemerkung von Ignacio Padilla

Nachwort von Alejandro Jodorowsky


[30] Bl., Faksimile der Bildseiten mit handschriftlichem Texten, Feder, Bunststift,

gegenüberliegend Text in Druckschrift,

25 x 29 cm, Pd. mit Prägung, querformatig gebunden, aufzuschlagen als Hochformat, Schuber

Das Buch und seine Geschichte

Diese Faksimileausgabe gibt die Originalblätter wieder, einschließlich Wasserflecken und Einrissen. Das Vorwort hat der Sohn Gabriel verfasst. Er erzählt von den Eindrücken seiner Kindheit, von den Bildern der Mutter, die auch im Kinderzimmer eine Wand bedeckten. Auf den Bildern dieses Buches geht es um die Straße vor der Tür, die Wohnung und wie die Fantasie die Alltagswelt in die „eigentliche“, die Traumwelt verwandelt. Er erinnert auch den Gipsgeschmack seiner Kinderzimmerwand (s. El nino Jorge) und spricht von der alchimistischen Küche seiner Mutter, die die Fantasiewelt nährte. Die Blätter für die beiden kleinen Söhne sind wohl um das Jahr 1950 entstanden. Der vieldeutige Titel bezieht sich möglicherweise im übertragenen Sinne auf den Blick der Künstlerin auf ihre Mutterrolle.

 

Die erste Geschichte erzählt vom kopflosen Juan, der so sehr mit den Ohren wackelt, daß seinKopf eines Nachts davonfliegt. Zwar kann er ihn wieder einfangen, aber seine Mutter klebt ihn leider verkehrtherum an. Seither paßt Juan besser auf. Neben solcherart Beispielgeschichten finden sich auch kleine Szenen, etwa von Senora Gomez Castllo mit einem eindrucksvollen Kopf, oder Senor Mustache Mustache mit zwei Gesichtern. Sehr komisch auch die Geschichte vom kleinen Jorge, der die Wände seines Zimmer isst. Der Vater kauft ihm “Wandpillen“, was dazu führt, daß Jorges Kopf sich zu einem Haus auswächst. Jorge spielt mit seinem Haus, doch der Vater grämt sich, weil die Leute sagen:"Was für ein komisches Kind". Oftmals scheinen die knappen Strichzeichnungen, wie in dieser Geschichte, die fantastischen Ideen zu beglaubigen. Gelegentlich zeichnet Carringtom auch aufwändigere, farbige Fantasiewesen. 

 

Der bekannte mexikanische Autor Ignacio Padilla würdigt die Erzählerin Carrington, die aus der Mündlichkeit schöpft sowie aus ihrer surrealistischen Vorstellungswelt und Träume, Schrecken und Wünsche der Kindheit im Zusammenhang mit der Psychoanalyse sieht. Der Traumzustand sei als Ausgangspunkt des Kindseins zu sehen und die Basis des späteren Lebens. Im Nachwort schildert der chilenische Regisseur, Schauspieler, Autor und Comiczeichner Alejandro Jodorowsky seine Begegnung mit Leonora Carrington und ihren intensiven geistigen Gleichklang. So kamen auch die Blätter zu ihm, doch die Begegnung mit ihrem Sohn Gabriel Weisz veranlasste ihn, die Sammelmappe mit den Zeichnungen zurückzugeben. Der Autor hebt auf eine eher mystisch inspirierte Beziehung zu der bekannten Künstlerin ab, die ihn in seinem Schaffen sehr beeinflusst habe. 

Kurzvita

Leonora Carrington, geboren 1917 in der britischen Grafschaft Lancashire, gestorben 2011 in Mexiko-Stadt, ist eine international bekannte surrealistische Malerin, Bildhauerin und Schriftstellerin, deren Werke in vielen großen Museen vertreten sind. Als Kunststudentin lernt sie 1937 Max Ernst kennen und lebt bis zu dessen Verhaftung und Deportation 1940 durch die Deutschen mit ihm in Südfrankreich. Bedroht durch ihre Beziehung zu Max Ernst, emigriert sie über Spanien und Portugal nach New York. 1942 kommt sie nach Mexiko-Stadt, wo sie 1946 den ungarischen Fotografen Emerico Weisz heiratet und mit einigen Unterbrechungen bis zu ihrem Tode lebt. 

 

Seit 1938 veröffentlicht Carrington auch Prosatexte und Dramen, alle Ausdruck ihres unkonventionellen, surrealen, teils mystischen Weltverständnisses. Im gleichen Jahr nimmt sie auch an einer großen Pariser Surrealismus-Ausstellung teil und lernt viele in Paris lebende Künstler wie Pablo Picasso, Joan Miro, Yves Tanguy und andere kennen.Themen ihrer Bilder sind Träume, Fantasie- und Fabelwesen, Schreck- und mystische Tiergestalten und idealisierte Landschaften. Häufig nimmt die Malerin auch Motive der mexikanischen Kultur und Landschaften auf. 

 

Anlässlich ihres 90. Geburtstags wird 2007 in Mexiko eine Ausstellung mit Skulpturen der letzten Jahre ausgerichtet. Im Frühjahr 2015 ist in der Tate Liverpool eine große Ausstellung ihrer Arbeiten zu sehen mit dem Titel “Wild at Heart“. 

Literatur/Links

Offizielle Homepage

 

The Guardian, 26. Mai 2011 (Joana Moorhead: Leonora Carrington Obituary)

 

The Guardian, 28.Jan. 2015 , (Charlotte Higgins:Leonora Carrington: Wild at Heart)

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