Rosemarie Trockel (geb. 1952)

Löffel + Mirabelle

Stuttgart: Oktagon,1995

Krefelder Kunstmuseum

36 S., schwarzweiß Fotos,

22 x 20 cm, Pb., Umschlagdeckel weiß mit roter Schrift

signiert, Nr. 28 von 1000  

Das Buch und seine Geschichte

Mit Fotos, Fotomontagen und Text erzählt Rosemarie Trockel Alltagsgeschichten aus der Sicht eines Zwergkaninchens. Doch bleibt die Perspektive der Künstlerin stets spürbar. Was mag ein Kaninchen wahrnehmen, was denken oder wovon träumt es? Dass es in den Kochtopf wandern könnte, belegt die Künstlerin augenzwinkernd mit einer Montage, bei der der Kopf des possierlichen Tiers über den Topfrand schaut, an den ein Kochlöffel gelehnt ist. Darunter ist ein aufgeschlagenes Kochbuch zu sehen.

Womit beschäftigt sich ein Kaninchen? Löffel ordnet seine Kotkügelchen in Gruppen und lernt dabei zählen. Das nächste Bild zeigt das Museum Haus Esters, den Ort der Ausstellung, zu der dieses Buch entstanden ist. Davor hockt das winzig kleine Kaninchen. Dort lebt es nun bei Mirabelle, dem kleinen Mädchen mit den blauen Augen. Nun wird das Leben abwechslungsreicher. Es wird gespielt und gelernt. Ein Farbkreis kommt vor, im Park gibt es herrliche Kaninchen- und Hasenskulpturen berühmter Künstler, wie Dieter Roth oder Joseph Beuys, deren Namen in kleiner Schrift angegeben sind. Mirabelle zeichnet Löffel und sammelt alles, was mit Hasen und Kaninchen zusammenhängt. Natürlich können sich Mirabelle und Löffel verstehen und ihr gegenseitiges Einverständnis und Vertrauen bilden den Tenor dieses humorvollen Buches.

Kurzvita

Rosemarie Trockel, geboren 1952 in Schwerte, lehrt seit 1998 an der Kunstakademie Düsseldorf. Sie zählt zu den bedeutendsten deutschen Künstlerinnen der Gegenwart, ist mit ihren Arbeiten in zahlreichen nationalen und internationalen Museen vertreten und wird häufig mit Einzelausstellungen geehrt wie 2010 in der Kunsthalle Zürich, 2011 im Kunstmuseum Bonn, 2012 in New York und 2015 im Kunsthaus Bregenz.

 

Ihre Ausbildung beginnt sie 1974 bis 1978 an den Werkkunstschulen Köln im Fach Malerei. Anfang der 80er Jahre dreht sie erste Super-8-Filme. Sie reist in die USA und lernt so bekannte Künstlerinnen wie Jenny Holzer und Cindy Sherman kennen. Seither rückt das Thema Frausein in den Mittelpunkt ihres Interesses. Mit unterschiedlichen Materialien und Techniken variiert sie in immer wieder überraschenden Arbeiten ihre weibliche Perspektive auf die Welt als eine Art Kommentar zum Feminismus. Besonders bekannt geworden ist sie mit großformatigen Strickbildern, Keramik/Herdplatten-Collagen und Installationen wie zum Beispiel „Ein Haus für Schweine und Menschen“ zusammen mit Carsten Höller 1997 auf der Documenta X.

 

Einen wichtigen Bereich ihrer Arbeit bilden zeitlebens Zeichnungen, Bildcollagen und Buchentwürfe. Das hier vorgestellte Buch entstand 1995 zur Ausstellung im Museum Haus Esters, das zu den Kunstmuseen Krefeld gehört und von Mies van der Rohe 1927/28 als Landvilla entworfen wurde.

Literatur/Links

Rosemarie Trockel. Ausstellungskatalog. Kunstmuseum Basel

Ostfildern: Hatje Cantz, 2010

 

Iris Müller-Westermann (ed.). Rosemarie Trockel: The Same Different. Exhibition catalogue. Malmö: Moderna Museet Malmö; London/Köln: Koenig Books, 2019

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