Otmar Alt (geb. 1940)

Luderbär

Erzählt von Hans Stempel und Martin Ripken
Mit Bildern von Otmar Alt
Köln: Friedrich Middelhauve, 1970
[15 ] Bl., 12 farbige Abb., Collage, Gouache, Buntstift
27,5 x 23,2 cm, farb. Pd.

Das Buch und seine Geschichte

Otmar Alts erstes Bilderbuch erscheint 1970 im renommierten Kölner Middelhauve Verlag, in dem Leo Lionni mit seinen Bilderbüchern einen weltweiten Durchbruch erzielte. Die junge Verlegerin Gertraud Middelhauve betritt damals mit Büchern einer der Moderne verpflichteten Autoren- und Künstlergeneration couragiert Neuland unter Einbeziehung hervorragender Buchgestalter.

 

Diesem Engagement verdankt sich augenscheinlich die Existenz dieses Bilderbuchs. Zu einer fantastischen Geschichte des Autorenduos hat Otmar Alt in freien Assoziationen buntfarbige, flächige Bilder gestaltet. Oder haben die Erzähler an Otmar Alts bunten Zirkusfiguren entlangfabuliert? An der Ausstattung hat der wegweisende Buchgestalter Gotthard de Beauclair mitgewirkt.

 

Ungewöhnlich für die damalige Zeit sind die freigestellten Bildmotive mit über das Seitenformat hinausführenden Formen und Farbflächen. In der Geschichte geht es um den Zirkusbären Buster, der eines Tages seinem Leben als Tanzbär entflieht und von Kindern unterstützt nach einer abenteuerlichen Reise dorthin kommt, wo er sein Bärenglück findet. Buster bleibt als beinahe einzige Figur in seiner aus vielformigen Flächen zusammengesetzten Gestalt leicht erkennbar. Alle weiteren Figuren und Gegenstände erscheinen eher vage und dem fantasievollen Spiel mit Farben und Flächen, der Collage und dem Buntstift untergeordnet zu sein. Der fröhlichen, fantastischen Märchengeschichte entspricht der Künstler auf eigenwillige Weise mit buntfarbigen, seinem eigenen Kosmos entspringenden Gute-Laune-Bildern.

Kurzvita

Otmar Alt, geboren 1940 in Wernigerode/Harz, lebt und arbeitet als Maler, Bildhauer und Grafiker in Hamm/Westfalen. Dort eröffnet er 1996 die Otmar Alt-Stiftung, die auf Initiative des Künstlers einen Skulpturenpark, ein Museum und ein Kreativitätszentrum betreibt.

 

Alt beginnt seine künstlerische Ausbildung in Berlin, zunächst im Bereich Kunsthandwerk. Schon bald wechselt er zur Hochschule der Künste, um Malerei zu studieren. Seit Ende der 60er Jahre interessiert er sich besonders für grafische Techniken. Es entstehen Bildzyklen und Mappenwerke. Zunehmend beschäftigt sich Alt bald mit dreidimensionalen Figuren und Kunst im öffentlichen Raum. Seither entstehen seine farbintensiven Tierplastiken und Figurinen. Alts Bild-und Formenwelt ist einer figuralen Tradition verpflichtet, changiert jedoch stets zwischen fantastischen Elementen und einer erkennbaren Gegenständlichkeit. Zu seinen Erkennungszeichen werden neben der intensiven Buntfarbigkeit die an Puzzleteile erinnernden Farbflächen, die sich ineinander verzahnen. Zu seinem Werk gehören auch Bühnenbilder, Spielzeug, Porzellan und Möbel.

Literatur/Links
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