Edy-Legrand (1892 - 1970)

Macao und Cosmage

Oder die Erfahrung des Glücks

Aus dem franz. von Otto Honke.

Mit einem Vorwort von Michel Defourny

Wuppertal: Peter Hammer, 2004

 

 

Reprint nach der Neuausgabe

Paris: Edition Circonflexe, 2000

[26] Bl., Pochoir

33 x 33 cm, farb.Pb., Ln-Rücken

 

 

Die Originalausgabe erschien unter dem Titel

Macao et Cosmage ou l’expérience du bonheur“

Paris: Editions de la Nouvelle Revue Française, 1919

Auf den folgenden Seiten haben die Farben, die kleinsten Dinge, die allerwinzigsten Tiere ihre Daseinsberechtigung...
Das Buch und seine Geschichte

Im Vorwort zur Reprintausgabe schreibt Michel Defourny: „Die Druckvorlage der Originalausgabe ist handkoloriert worden, und dafür hatte sich die Nouvelle Revue Française, Verlag der Erstausgabe, des Talents des Miniaturmalers Jean Saudé versichert, des unbestrittenen Meisters dieser Technik, die damals ihr goldenes Zeitalter erlebte.“

 

Innendeckel und Vorsatz bilden zusammen ein großes Tableau mit einem Paar unter einer die Mitte dominierenden Palme. Pflanzen, Vögel und andere Tiere sind zu sehen, außerdem im Hintergrund zwei große Schiffe. Damit ist das Grundmotiv dieser Geschichte umrissen: der Einbruch der modernen Zivilisation in ein Naturparadies. Im Innentitel rücken dann zwei Figuren, ein weißer Mann und eine farbige Frau in den Vordergrund. Daneben gibt es eine Art Brief, in dem der Künstler davon spricht, dass „auf den folgenden Seiten (...) die Farben, die kleinsten Dinge, die allerwinzigsten Tiere ihre Daseinsberechtigung“ haben. Und: “Sieh aufmerksam hin“.

 

Die nächste Seite führt mit einem in Druckschrift kunstvoll geschriebenen Text in die wunderbare Welt einer einsamen Insel. Es folgen Seiten mit meist großformatigen, farbigen Bildern und knappen Textzeilen, die von einem einfachen, glücklichen Leben in und mit der Natur erzählen. Als schließlich ein Dampfer anlegt und Soldaten die Insel betreten, werden sie freundlich von den beiden Bewohnern empfangen.

 

Doch nachdem das Schiff und seine Besatzung die Insel verlassen haben, spüren Macao und Cosmage plötzlich ihre Einsamkeit. So schauen sie zunächst auch nur abwartend zu, als erneut Schiffe kommen mit vielen Menschen, die beginnen, die Insel einem zeitgemäßen Lebensstil anzupassen. Sie holzen die Bäume ab, bauen Häuser und Straßen, jagen Tiere.

 

Macao und Cosmage sehen traurig der Zerstörung ihres Paradieses zu, bis sie sich auf die Suche machen nach einem noch unberührten Fleckchen ihrer Insel, wo sie wohnen und alt werden können.

 

Diese subtil farbigen Bilder lesen sich als Appell, einen respektvollen Umgang mit der Natur zu pflegen und zeugen von der großen Erwartung des Malers an das Ideal des einfachen Lebens – den er später freilich als rückwärts gewandt ablehnt.

 

Das ungewöhnlich große, quadratische Format des Buches, sein Umfang von über 50 Seiten mit durchgehend farbigen Bildseiten beeindrucken umso mehr, wenn man weiß, dass die Farbigkeit durch das Kolorieren von Hand in Pochoirtechnik vollzogen wurde. Die Machart des Buches lässt darauf schließen, dass Verleger und Künstler ein außerordentliches Buchkunstwerk im Sinn hatten. Die Bilder weisen jedes für sich ein hohes Maß an Eigenständigkeit auf und erzählen auf je unterschiedliche Weise die Geschichte. Viele lassen Anklänge an die Linienführung des Art Déco, den Japonismus und Abstraktionsformen der Avantgarde anklingen. In jedem Fall gelingt dem Künstler ein wirkliches Künstlerbuch.

Kurzvita

Edy-Legrand (mit vollem Namen Édouard-Léon-Louis Legrand), geboren 1892 in Bordeaux, gestorben 1970 in Bonieux/Vauclus, ist ein französicher Maler und Illustrator mit russischen Wurzeln väterlicherseits und gilt als hervorragender Erneuerer der Buchkunst in Frankreich.

 

Nach Ausbildung an der École des Beaux Arts in Paris und an der Kunstakademie in München nimmt er am Ersten Weltkrieg teil. 1919 realisiert er sein erstes Buch „Macao et Cosmage“. Wenig später arbeitet er als Grafiker beim Verlag Alfred Tolmer, Paris, der weitere Bücher von Legrand verlegt. Ab 1930 unternimmt der Künstler zahlreiche Reisen durch europäische und nordafrikanische Länder. Insbesondere ein längerer Aufenthalt in Rabat, Marokko, findet reichen Niederschlag in den Motiven seiner Bilder.

 

1932 nimmt er an der ersten großen Ausstellung der graphischen Künste am Art Institute in Chicago teil und vertritt dort Frankreich neben Matisse, Derain und Picasso. Seine Arbeiten finden sich in vielen internationalen Museen.

Literatur/Links

Database of the French National Library in Paris, https://data.bnf.fr/fr/12429546/edy-legrand/ (last access 22 January 2020)


Alain Tirefort, « Un album pour enfants, Macao et Cosmage ou l’expérience du bonheur », Images et Mémoire, vol. 51,‎ hiver 2016-2017, p. 31-35 (available online at http://www.imagesetmemoires.com/doc/Articles/B51-at-macao-et-cosmage-red.pdf, last access 22 January 2020)

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