Mario Grasso (1941- 2018)

Metamorfosia

Basel: Sphinx, 1976

[20] Bl.,farb. Illustrationen (Feder, Buntstift, Aquarell)

37 x 27 cm, schwarzer OPd., farb. Deckelill.

Das Buch und seine Geschichte

“Metamorfosia“ ist Grassos erstes großformatiges Bilderbuch, dem viele weitere folgen, eine Reihe davon als Illustrationsaufträge. „Warum ich immer wieder gerne Bilderbücher realisiere? Weil ich immer noch nicht richtig herausgefunden habe, wann die Kindheit aufhört und das Leben eines Erwachsenen beginnt.“

 

Das Buch überrascht mit einer fröhlichen Buntfarbigkeit, die an die Pop-Art erinnert. Mit starken linearen Konturen, einem Wechsel von zeichnerischen und großflächigen Elementen in Mischtechnik, breitet sich vor dem Betrachter ein surreales Verwandlungsspiel aus, das nahezu ohne Text auskommt. Die Seiten sind in unterschiedlich große Bildfelder aufgeteilt, deren Bildgegenstände mehrfach die Rahmen überspringen. Die wenigen Textzeilen finden sich in Sprechblasen oder in gerahmten Streifen. Die Bildseiten entfalten ein skurriles Panorama unterschiedlichster Gegenstände, Figuren, Tiere oder technischem Gerät in eigenwilligen Kombinationen. Aber nicht nur die Verwandlung von Dingen, sondern auch der Farben, der Räume, der Bildebenen, der Proportionen hält den Betrachter in Atem. Gegen Ende des Buches stehen Figuren und Schriftblasen auf dem Kopf, so dass man beginnt, das Buch zu drehen. Auf diese Weise spielt das Buch selbst mit der Verwandlung und der Leser spielt mit. Die Aufhebung des Logischen bei der Zuordnung der Bildgegenstände entspricht den Farbveränderungen, der Mixtur bekannter Dinge zu neuen Gegenständen. Ein zusammengeklappter Regenschirm hat Libellenflügel, aufgespannte Schirme ähneln Pilzen, ein Tintenfass mit Armen und Beinen kann schreiben, ein Eisbär schmilzt zusammen mit einer Gletscherwand, Figuren auf Tarotkarten werden „richtige“ Personen, ein Fliegenpilz wird zum Ballon, Rotkäppchen wird zum Grünkäppchen, die Chinesen sind lila und Häuser haben Gesichter und Beine, mit denen sie fortlaufen können.

Kurzvita

Mario Grasso, geb. 1941 in Mailand, lebt seit 1950 in Basel, Schweiz. Er starb 2018. Der international erfolgreiche Cartoonist, Illustrator, Autor und Designer ist vor allem bekannt geworden mit seinen Dreh-, Falt- und Knickbilderbüchern. Er besitzt sowohl die italienische als auch die Schweizer Staatsbürgerschaft.

1950 kommt Grasso in die Schweiz zu Pflegeeltern, wo er sich im Deutschen zurechtfinden muss. Das hat ihn, eigenen Aussagen zufolge, lebenslang geprägt und seine Sensibilität gegenüber sprachlichen Eigenheiten geweckt und zu seinen “sprechenden“ Bildern geführt. Nach einer Ausbildung zum Lithographen und gleichzeitigem Studium an der Fachhochschule für Gestaltung in Basel arbeitet er zunächst als Grafiker für das Basler Chemieunternehmen Ciba Geigy. Ab 1969 ist er als freier Zeichner für Zeitschriften und Zeitungen tätig, entwirft Titelblätter und Poster für große Firmen, gestaltet Designs für Porzellanhersteller und bewegliches Blechspielzeug. Zuletzt wird er 2006/ 2007 mit der Ausstellung “König, Katz und Bär. Die spielerische Welt des Mario Grasso“ im Basler Museum der Kulturen geehrt.

Literatur/Links

Art of Mario Grasso-Home I Facebook

www.alliteratus.com darin: Astrid von Nahl: Zum 70. Geburtstag am 12. September 2011 von Mario Grasso (20.04.2017)

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